Trumps Helferteam: Reich, schön, unerfahren

Trumps Helferteam: Reich, schön, unerfahren

, aktualisiert 15. November 2016, 23:29 Uhr
Bild vergrößern

Hier sind Trumps Ehefrau Melania, Tochter Ivanka und die Söhne Eric Trump and Donald Trump Jr. (v.l.) zu sehen. Sind die Kinder die ideale Besetzung für sein Team?

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Die Kinder, der Schwiegersohn, ein schrulliger Internet-Millionär: Donald Trumps Übergangsteam hat viele Talente. Aber eines ist Mangelware: politische Erfahrung. Das kann fatale Folgen haben.

San FranciscoDer Übergang der präsidialen Macht in den USA ist bis ins Detail geregelt. Der amtierende Präsident muss schon im Vorfeld des Wahltags ein Übergangsteam einsetzen, um dem Team seines möglichen Nachfolgers schon vor dem Wahltag Unterstützung zukommen zu lassen. Der Neue muss wissen, was auf ihn zukommt, Abläufe und Protokolle kennen und nicht zuletzt gilt es, tausende Positionen in Regierung, Verwaltung und den verschiedenen Agenturen neu zu besetzen oder im Amt zu bestätigen. Viele davon müssen vom Senat bestätigt werden.

Die während einer Amtszeit angesammelten Daten und Dokumente werden für die Übertragung in die Kongressbibliothek vorbereitet. Nach seiner Vereinigung am 20. Januar wird Präsident Donald Trump Kalender und Datenbanken der Vorgängerverwaltung gelöscht vorfinden, die Aktenordner für die Regierungsgeschäfte sind leer. Da ist es wichtig, dass die neue Mannschaft sofort loslegen kann.

Anzeige

Für Trump ist es ein Rennen gegen die Zeit. Denn er ist spät dran, hätte schon vor Monaten ein Team bilden können, es jedoch nicht gemacht. Die überraschende Personalrochade vom Wochenende, als er seinen Vizepräsidenten, den Vollblut-Politiker und Washington-Insider Mike Pence, zum Chef seines Übergangsteams machte und den unerfahrenen Chris Christie zurück ins Glied beorderte, zeigt, dass er das verstanden hat. Reibungsverluste kann er sich nicht mehr leisten. Aber er hat kaum jemanden mit Erfahrung, auf den er bauen kann.

Laut Wall Street Journal war Trump bei seinem Treffen mit Barack Obama ziemlich sprachlos über den Umfang seiner Pflichten und seine Mitarbeiter wären sich nicht im Klaren darüber gewesen, dass der gesamte Regierungsapparat im Weißen Haus bis Januar ausgetauscht werden müsse. Der Unternehmer ist der erste Präsident, der niemals ein politisches Amt innehatte oder eine militärische Position bekleidet hat. Ein Trump-Sprecher wollte zu dem Inhalt der Gespräche nicht Stellung nehmen.

Tatsache ist aber, dass der 45. Präsident der USA die Bewerbungen für alle Stellen weder durchlesen kann noch will. Er hat alle Hände voll damit zu tun profilierte und fähige Regierungsmitglieder für die Top-Positionen zu finden.

Das übernehmen jetzt ehemalige Finanzmanager von der Wall Street, Trump-Familienmitglieder, ein schrulliger Internet-Milliardär, der deutschstämmige Peter Thiel, der den Trump-Wahlkampf mit zwei Millionen Dollar gefördert hat. Rebekah Mercer ist die Tochter des Hedgefonds-Managers Robert Mercer, beide haben ebenfalls Millionen gespendet.


Mike Pence – für viele eine Enttäuschung

Mit Tochter Ivanka, den Söhnen Eric und Donald Jr. sowie Schwiegersohn Jared Kushner ist ein Viertel der Entscheidungsgruppe mit Familienmitgliedern besetzt. Da sind Interessenskonflikte nicht auszuschließen. Die Kinder sollen später Trumps Familienunternehmen führen. Jetzt entscheiden sie mit, wer in Bereichen in führende Positionen kommt, mit denen sie später zu tun haben könnten.

Für die Menschen, die Trump gewählt haben und einen Neuanfang wollten, kann das herbe Enttäuschungen bringen. Laut dem TV-Sender CBS ist zum Beispiel Steven Mnuchin als Vorschlag für den Finanzminister im Gespräch. Mnuchin war 17 Jahre bei Goldman Sachs und hat enge Verbindungen zur Wall Street. Eine sehr konservative Wahl. Ebenso konservativ wie Rudy Giuliani, der frühere New Yorker Bürgermeister, ist laut Nachrichtenagentur AP jetzt als Außenminister vorgesehen.

Selbst Mike Pence ist für viele eine Enttäuschung. Soll er doch die Brücke zum republikanischen Establishment bilden, von Trump während des Wahlkampfs auf Übelste gedemütigt. Er werde den „Sumpf austrocken“, hat er über Washingtons Polit-Elite gesagt. Jetzt sucht er unter ihnen händeringend erfahrene Verwaltungsleute. Unter den hunderten Mitarbeitern, die jetzt für die verschiedenen Fachressorts Personal rekrutieren, sind zudem viele bekannte Größen der Washingtoner Lobbyisten-Szene. Auch der hatte Trump unter dem Jubel seiner Anhänger eigentlich den erbarmungslosen Kampf angesagt.

Pence sitzt also zwischen allen Stühlen, er hat auch sonst wenig politische Unterstützung im Team. Der frühere Trump-Gegner Ben Carson war Chirurg, Michael Flynn General, Rudy Giuliani Bürgermeister von New York, Peter Thiel hat ein Start-Up gegründet und erfolgreich verkauft. Die meiste Erfahrung bringen Newt Gingrich, früherer Sprecher des Repräsentantenhauses und der Senator Jeff Sessions aus Alabama mit. Carson ist auch Creationist, er glaubt also nicht an die Evolutionstheorie und gilt als ernsthafter Anwärter für das Erziehungsministerium.

Barak Obama jedenfalls, für den Trump nach dem ausgiebigen Treffen nur lobende Worte übrig hatte, will laut Wall Street Journal mit seinem Nachfolger bis zum Januar mehr Zeit verbringen als in solchen Fällen üblich. Man fängt ja schließlich ganz von vorne an.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%