TV-Debatte der Republikaner: Die Wut bricht sich Bahn

TV-Debatte der Republikaner: Die Wut bricht sich Bahn

, aktualisiert 26. Februar 2016, 06:49 Uhr
Bild vergrößern

Der republikanische Präsidentschaftsanwärter gerät zum ersten Mal ins Straucheln – allerdings nur ein bisschen.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Der Sieger der Diskussion heißt Donald Trump. Aber jetzt ist da plötzlich einer, der ihn vielleicht aufhalten kann. Die Anspannung vor dem „Super Tuesday“ bringt das Chaos in den Wahlkampf – und auf die offene Bühne.

San FranciscoEs war die letzte Debatte der republikanischen Bewerber für eine Präsidentschaftskandidatur vor den wichtigen Wahlen am 1. März, dem Super Tuesday. Dann werden an einem Tag in elf Bundesstaaten zusammen 595 von 1237 Stimmen vergeben, die für eine Nominierung notwendig sind. Fünf Kontrahenten hatten sich für die Diskussionsrunde am Donnerstag in Huston, Texas, qualifiziert. Am Ende geriet praktisch alles außer Kontrolle. Wer hat davon profitiert, wer wird jetzt gehen? Die Kandidaten im Check:

Der Kandidat: Donald Trump. Immobilienunternehmer und TV-Reality-Star. Alter 69, Geboren am 14. Juni 1946 in Queens, New York City, New York. Verheiratet in dritter Ehe, Kinder.

Anzeige

Die Position: Unangefochtener Spitzenreiter bei den Umfragen unter den Kandidaten für eine republikanische Präsidentschaftskandidatur. Derzeit 79 Wahlstimmen.

Jüngstes Problem: Republikaner Mitt Romney hat offiziell vor einem „Sprengsatz“ in Trumps Steuererklärungen gewarnt. Wenn er seine Steuerunterlagen veröffentlichen würde, würde sich entweder zeigen, dass er nur eine lächerliche Steuerrate auf seine riesigen Vermögen und Einkommen zahle oder, anders als behauptet, sich nicht um Veteranen und Arme gekümmert habe, sprich kaum oder nichts etwas gespendet habe. Ein wütender Trump kartete am Donnerstag mit einem wahren Twitter-Sturm zurück.

Die aktuelle Herausforderung: Das Momentum von drei Siegen in vier Vorwahlen am Leben erhalten und den Boden bereiten, um am 1. März Ted Cruz in seinem Heimatstaat Texas zu schlagen. Alleine dort werden über 150 Stimmen verteilt. Schon in Nevada hat sich Trump als ultimativer Waffenfreund geoutet, um die Stimmung für Texas anzuheizen. Texas hat auch eine Grenze zu Mexiko, dem Land, zu dem Trump eine Mauer bauen will.

Was hat er in der Diskussion gesagt: Trump bleibt Trump: „Ich glaube kein Wort, das Telemundo sagt“, er erklärte den spanischen Sender schlicht für unglaubwürdig, die Radioshow eines der Moderatoren „hört doch sowieso keiner“, seine Mitbewerber sind Lügner und „Clowns“, die Mauer zu Mexiko wird noch höher als geplant. Die Schlagwörter sind immer die gleichen. Überraschend: Schwere Angriffe gegen die Krankenversicherer. „Die machen ein unfassbares Geld“, Obamacare müsse weg – das sagen alle Kandidaten –, aber Kunden mit Vorerkrankungen will Trump weiter versichert sehen. Die Versicherer müssten zudem landesweit verkaufen dürfen. Heute gibt es bundesstaatliche Vertriebsgrenzen. Anders als alle anderen Kandidaten setzte er sich für „Planned Parenthood“ ein, die Organisation steht wegen Abtreibungskliniken in der Kritik. Staaten wie Japan und Deutschland müssten endlich für den militärischen Schutz bezahlen, den die USA ihnen gewähre. Den kommenden Waffenstillstand in Syrien hält er für wahrscheinlich nicht wirksam.

Was hat er erreicht: Trump hat keinen Schritt vorwärts gemacht. Das haben seine Kontrahenten verhindert. Sobald es um Details ging, sahen praktisch alle Kandidaten besser aus als er. Die Probleme mit seiner Steuererklärung bekam er nicht aus dem Weg. Seine Erklärung, vier Jahre Steuererklärungen würden immer noch von den Behörden geprüft, und darum könnte er sie nicht veröffentlichen rief nur wieder Romney auf den Plan.
Der glaubt, da liegt noch viel mehr im Argen. Aber insgesamt hat Trump seinen Anhängern die Show geboten, die sie sehen wollen.


Cruz musste seinen Sprecher entlassen

Der Kandidat: Ted Cruz. Senator aus Texas. Alter: 45, Geboren am 22. Dezember 1970 Calgary, Kanada als Kind einer amerikanischen Mutter.

Die Position: Ein Sieg in vier Vorwahlen, sonst immer weit hinter Trump und knapp gleichauf mit Marco Rubio.

Jüngstes Problem: Cruz musste seinen Sprecher entlassen, weil er Schmähvideos über Marco Rubio verbreitet hatte. Trump verunglimpft ihn seit längerem als „größten Lügner“, den er je gesehen habe. Da passte die Affäre jetzt überhaupt nicht.

Die Herausforderung: Seine Führung im Heimatland Texas gegen Donald Trump verteidigen. Verliert er Texas, werden sich Spender und moderate republikanische Wählerkreise von ihm abwenden und entweder Trump oder Rubio zuwenden.

Was hat er gesagt: Er will am ersten Amtstag alle Anweisungen Obamas für ungültig erklären, Planned Parenthood verklagen, die Steuerbehörde abschaffen, einfach alles, wovon die Tea Party seit ewig träumt.

Was hat er erreicht: Cruz ist weiter im Rennen. Er punktete mehr als einmal im direkten Schlagabtausch gegen Trump und vermied, Ted Cruz anzugehen. Der ist zwar sein direkter Gegner im Kampf um Platz zwei. Aber noch müssen beide gegen Trump zusammenhalten.

Der Kandidat: Marco Rubio. Gouverneur von Florida. Alter: 44, Geboren am 28. Mai 1971 in Miami, Florida. Verheiratet, Kinder.
Die Position: Kein Sieg in Vorwahlen bisher, aber konstantere Ergebnisse als Cruz mit aufsteigender Tendenz.

Das jüngste Problem: Zwei Anleihen von Großbanken für seinen Wahlkampf 2012, die er „vergessen“ hatte zu veröffentlichen und was Trump genüsslich ausschlachtet.

Die Herausforderung: Donald Trump in Texas auf den dritten Platz verdrängen. Das würde ihn zum echten Herausforderer machen.

Was hat er gesagt: „Ich stehe fest zu Israel“, Rubio outet sich nicht zum ersten Mal als unbeugsamer Freund Israels und will auch Japan und Südkorea nicht im Kampf gegen Nordkorea und China im Regen stehen lassen, sowie eine starke Militärpräsenz im Ausland. Bei Trump ließ er keine Gelegenheit aus, ihn lächerlich zu machen. Wenn der nicht 200 Millionen Dollar geerbt hätte, dann würde er jetzt Uhren verkaufen in Manhattan.

Was hat er erreicht: Marco Rubio hat sich mit Cruz die Bälle zugespielt und Trump gezielt in die Defensive gebracht. Das Publikum liebte ihn. Ob er aber damit in Texas aber signifikant gewinnen kann, bleibt fraglich. Zumindest für Florida könnte ihn das aber wieder nach vorne bringen.


Der Mann, über den niemand spricht

Der Kandidat: John Kasich. Gouverneur von Ohio. Alter 63, Geboren am 13. Mai 1952 in McKees Rocks, Pasadena

Die Position: Weit abgeschlagen, aber mit einem Achtungserfolg als zweiter Platz in New Hampshire.

Das jüngste Problem: Er hat kein Problem. Niemand spricht über ihn.

Die Herausforderung: Kasich steht in landesweiten Umfragen verhältnismäßig gut auf dem vierten Platz da. Aber er muss sich neu als Bush-Alternative für die moderate Wählerschaft positionieren, um die Stimmen und die Sponsoren des ausgeschiedenen Kandidaten zu sichern. Seine Hoffnung: Der Mittlere Westen, speziell Vermont, wo am Dienstag abgestimmt wird und Michigan, wo am 8. März Vorwahlen sind.

Was hat er gesagt: Kasich will sichere Grenzen und einen Plan zur Legalisierung von Einwanderern, aber ohne Massenausweisungen wie Trump und Cruz: „Wir reißen keine Familien auseinander“. Gleichgeschlechtliche Ehe: „Das Gericht hat gesprochen – also lasst uns weiterziehen.“ Konkrete Vorschläge für Gesundheitsreform, Steuern.

Was hat er erreicht: Kasich hat sich erfolgreich als kenntnisreicher und besonnener Politiker etabliert, bekam große Zustimmung für konkrete Vorschläge in der Gesundheits- und Außenpolitik. Geschickt vermied er dabei sich mit dem Raubein Trump anzulegen. Aber ob besonnene Kandidaten der politischen Mittelschicht noch mal in Mode kommen ist fraglich.

Der Kandidat: Ben Carson, Alter 64, Geboren am 18. September 1951 in Detroit, Michigan. Ehemaliger bekannter Neurochirurg, derzeit kein politisches Amt.

Die Position: Weit abgeschlagen.

Das jüngste Problem: Weit abgeschlagen.

Die Herausforderung: Einfach nur bis Super Tuesday überleben und dann schauen, wie es weitergeht.

Was hat er gesagt: Sechs Monate Frist für Illegale, um sich als „Gastarbeiter“ zu registrieren. Religiöse Freiheit steht für ihn ganz vorne auf der Agenda. „Krankenversicherung ist kein Bürgerrecht.


Trump verfällt in das bekannte Muster der Schmähungen

Was hat er erreicht: Praktisch nichts. „Lassen Sie mich ausreden, viel habe ich ja nicht gesagt“, war sein Ausspruch des Abend. Zweimal beschwerte sich Carson, dass er nicht genug Zeit bekomme, aber wenn er Zeit bekam, dann gab es wenig Überraschendes oder Punkte, auf die keiner der anderen auch nur antworten wollte. Offenbar wollten sie keine Zeit damit verschwenden.

Fazit des Abends: Hätte jemand Baseballschläger auf die Bühne gereicht, die Diskussion hätte zügig eine ganz neue Wendung genommen. Marco Rubio und Ted Cruz spielten zum ersten Mal von Anfang bis zum Ende die bissige Aggressivität der hungrigen Mitvierziger gegen den alternden 69-jährigen Trump auf.

Der, erkennbar ermüdet von den Diskussionen, Detailfragen und Angriffen, verfiel immer stärker in seine bekannten Muster der persönlichen Angriffe und Schmähungen, aber seine Gegner wussten, wie sie ihn stoppen konnten. Einfach nicht ausreden lassen, so wie Trump es viele Male vorgemacht hat. Argumente einfach weglachen. Gegen Ende geriet die Diskussion völlig außer Kontrolle und die Vorwürfe gingen immer tiefer unter die Gürtellinie. Gut, dass dann Schluss war.

Doch alles zusammengenommen hielt sich Trump wieder einmal beachtlich, wenn auch die spektakulären Durchmärsche der Vergangenheit Geschichte ist. Als schärfster Gegner kristallisiert sich immer weiter Marco Rubio heraus, der täglich an Sicherheit gewinnt. Nationale Sicherheit und Terrorismus waren erstaunlicherweise Randthemen in der wichtigsten Diskussion.

Wenig überraschend war Klimaschutz mal wieder ein vollständiges Nullthema für die republikanische Partei, aber auch für die Moderatoren von CNN und Telemundo. Ebenso das Thema Waffengesetze. Hier gibt es einfach keine gegensätzlichen Meinungen in der Partei.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%