TV-Duell der Demokraten: Auf Augenhöhe

TV-Duell der Demokraten: Auf Augenhöhe

, aktualisiert 12. Februar 2016, 09:18 Uhr
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Bernie Sanders und Hillary Clinton: „Jetzt lassen Sie uns mal nicht die Intelligenz des amerikanischen Volkes beleidigen.“

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

In der sechsten Fernseh-Debatte der Demokraten gelingen Bernie Sanders ein paar gute Attacken gegen Hillary Clinton. Die heiße Phase der Vorwahlen hat begonnen.

New YorkBernie Sanders gibt sich angriffslustig. Zum sechsten Mal trifft er in einem Fernsehduell auf Hillary Clinton. Doch zum ersten Mal begegnet er ihr auf Augenhöhe. Der Senator aus Vermont hat erst am Dienstag die Vorwahlen in New Hampshire mit deutlicher Mehrheit gewonnen. Jetzt steht es eins zu eins – schließlich hat Clinton die erste Abstimmung in Iowa für sich entschieden.

„Jetzt lassen Sie uns mal nicht die Intelligenz des amerikanischen Volkes beleidigen“, wettert Sanders am Donnerstagabend beim TV-Duell in Milwaukee. Hillary Clinton hat gerade versichert, dass sie als Präsidentin hart mit der Wall Street ins Gefecht gehen würde – genauso wie mit allen anderen Interessensgruppen, die mit Spenden versuchen, die Politik zu beeinflussen. Doch da platzt Sanders der Kragen. „Warum in Gottes Namen spendet die Wall Street wohl Geld? Einfach so, um Geld umher zu werfen?“.

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Sanders redet sich in Rage. „Warum spendet wohl die Pharma-Industrie Geld? Gibt es da vielleicht eine Verbindung zu der Tatsache, dass wir die höchsten Medikamentenpreise der Welt haben?“. Sanders weiß, wie er die Zuschauer auf seine Seite zieht. Mit seinem Kampf gegen den Einfluss von Konzernen und Superreichen ist er weit gekommen. Weiter als es ihm viele zugetraut hätten.

Diskriminierung von Afroamerikanern im Fokus

Jetzt müssen sich sowohl Sanders als auch Clinton richtig positionieren. Clinton muss zeigen, dass sie nach der Niederlage in New Hampshire immer noch die aussichtsreichste Kandidatin der Demokratischen Partei ist und sich von Sanders nicht von ihrem Ziel abbringen lassen wird, endlich als Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen.

Sie wirkt staatsmännisch – schließlich hat sie als ehemalige Außenministerin Erfahrungen auf der Weltbühne gesammelt. „Ich weiß wie es im Senat zugeht, schließlich war ich auch mal Senatorin“, sagt sie kühl, um sich mit ihrer Erfahrung von Sanders abzugrenzen. Doch Clinton fehlt es am Donnerstag an Charme und Leidenschaft. Ihre Mine ist eisern. Ihr Blick lässt erkennen, dass die immer gleichen Attacken von Sanders an ihr zehren.

Stärker als andere Debatten, dreht sich das Duell in Milwaukee um Diskriminierung und die Benachteiligung der Afroamerikaner. Die Kandidaten wollen sich in Stellung bringen für die wichtigen Abstimmungen im Süden. Zwar ist die nächste Vorwahl in Nevada, doch die Debatte zielt bereits auf die übernächste Abstimmung in South Carolina ab, die am 27. Februar stattfinden und bei der es überwiegend um die Stimmen von schwarzen Wählern gehen wird. Sanders dagegen muss erst noch beweisen, ob er auch in jenen Regionen punkten kann, in denen die Wähler nicht weiß und liberal sind.

Leichter Vorteil für Clinton

„Ich will die Barrieren durchbrechen, die zu vielen Amerikanern in den Weg gestellt werden“, stellte Clinton klar. „Afro-Amerikaner werden auf dem Arbeitsmarkt, bei der Ausbildung, auf dem Immobilienmarkt und im Justizsystem diskriminiert. Hart arbeitende Einwandererfamilien leben in Angst und müssen aus dem Schatten herausgebracht werden.“

Hier ist Clinton leicht im Vorteil. Noch bevor die Debatte begann, sprach die Wahlkampforganisation des Congressional Black Caucus (CBC) ihre Unterstützung für Clinton aus. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl der schwarzen Abgeordneten im Kongress zu erhöhen und jene politischen Kandidaten zu unterstützen, die ihre Interessen am besten vertreten. Die Gruppe kann für Clinton sehr nützlich werden, wenn es darum geht, Wähler zu mobilisieren.

Einig waren sich die Kandidaten, dass sich Amerika in der Flüchtlingskrise stärker engagieren muss. Clinton forderte, dass die USA „finanzielle Unterstützung für Europa“ liefern muss. Auch sollen mehr Flüchtlinge aufgenommen werden, wenn sie sich einer intensiven Sicherheitsüberprüfung unterziehen.

Sanders-Anhänger sind rege Spender

In den nächsten drei Wochen stehen Vorwahlen in gleich 14 Bundesstaaten an. Clinton und Sanders kämpfen dabei nicht nur um Wählerstimmen, sondern auch um Geld. Hier hat Sanders die Nase vorn. Der selbst erklärte „demokratische Sozialist“ reitet auf einer Welle der Euphorie, die sich auch als äußerst profitabel erweist.

Schon im Januar hatte Sanders mehr Geld als Clinton eingesammelt. Seine Wahlkampfmanager haben es geschafft, die Fans in rege Spender zu verwandeln: Seit der Wahl in New Hampshire am Dienstag hat er mehr als sieben Millionen Dollar an Geldern eingesammelt – ein neuer Rekord. Und Sanders läuft sich gerade erst warm. Da er anders als Clinton Spenden von großen Wahlkampforganisationen, sogenannten Super PACs, ablehnt, ist er auf die Spenden der Basis angewiesen.

Nur Sekunden, nachdem das TV-Duell beendet war, wendet sich Sanders in einer Email an seine Unterstützer, um sie zu einer Spende aufzufordern. In der Betreffzeile steht: „Wir können nicht warten.“ Die heiße Phase der Vorwahlen hat begonnen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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