TV-Duell Merkel gegen Schulz: „Bombastik pur“

TV-Duell Merkel gegen Schulz: „Bombastik pur“

, aktualisiert 01. September 2017, 14:44 Uhr
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Ein unnötiges Foto von einer unnötigen Veranstaltung.

von Barbara GillmannQuelle:Handelsblatt Online

Zwei Tage vor dem großen Event, dem TV-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz, luden die vier Sender zur großen Pressekonferenz – mit vier Moderatoren und drei Chefredakteuren. Eine völlig überflüssige Veranstaltung.

BerlinWird Peter Strunz am Sonntagabend die Kanzlerin und ihren Herausforderer ähnlich persönlich attackieren, wie er es am Mittwoch in der Runde der kleinen Parteien vor allem mit Christian Lindner tat? Naja. „Wenn Martin Schulz sich bis dahin den Bart abrasiert, werde ich ihn wahrscheinlich danach fragen“, sagt Strunz. Gibt es Geheimfragen der Moderatoren? Wieder Strunz: „Ja habe ich – ist aber geheim.“ Da lässt sich Sandra Maischberger von der ARD doch zu einer charmant-genervten Klarstellung herab: Es hätte „keinen Sinn, wenn jeder der Moderatoren eine eigene Agenda verfolgt“.

Armes Deutschland. Der mediale Hype um die Stilfragen des TV-Duells hat an diesem Freitag in Berlin-Adlershof einen neuen, peinlich anmutenden Höhepunkt erreicht: Zwei Tage vor dem TV-Duell Angela Merkel versus Martin Schulz traten am gleichen Ort drei Chefredakteure (nur der von RTL hatte offenbar Wichtigeres zu tun) und die vier Moderatoren vor die Presse, um die Nation fast eine Stunde lang auf den Fernseh-medialen Höhepunkt des Wahlkampfes einzustimmen.

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Zum Auftakt erfuhren die Hauptstadtjournalisten, die eigens die vielen Kilometer hinaus nach Berlin-Adlershof ins Studio gefahren waren, und die, die die Liveschalten der Nachrichtensender verfolgten, wahrhaft unerwartete Dinge: Dass am Sonntag schon vor der Halle Livekameras aufgebaut werden, und sogar Absperrgitter! Dass es wieder Redezeitkonten gibt. Und dass ausgelost wurde, wer die erste (Schulz) und wer die letzte Frage (Merkel) bekommt. Dass die Kameraeinstellung für Kanzlerin und Herausforderer „so neutral wie möglich“ sein wird. Nein, auch wenn da „jemand schwitzt“ oder „die Hände zittern“ werde man „nicht näher rangehen“ versprach der Regisseur. Ist ja auch alles mit dem Kanzleramt abgesprochen.

Seit Wochen ist klar, dass Angela Merkel wieder einmal nur ein Duell führen wird, und dass es die vier Sender ARD, ZDF, RTL und SAT.1 gemeinsam veranstalten. Same procedure as every Wahlkampf seit 2005. Aber nein! Neu sei dieses Jahr, dass der Konflikt mit dem Kanzleramt erstmals „völlig transparent“ gemacht worden sei, versichert ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Und es gibt noch mehr Neuigkeiten: Die Pulte der beiden sind diesmal „etwas mehr zueinander hingedreht“, denn die Kandidaten sollen ja möglichst miteinander diskutieren. Maybrit Illner vom ZDF lehnt sich weit aus dem Fenster: Die vier Top-Journalisten „fühlen sich nicht überfordert“. Sie wollen nicht nur „die entscheidenden Unterschiede herausarbeiten“, sondern „mehr herausbekommen, als in den Programmen steht“. Na dann viel Glück, möchte man ausrufen.

Wenigstens ist nun klar, dass es auch im Jahr 2017 in Deutschland keinesfalls so chaotisch oder merkwürdig wie anderswo laufen soll: Kein dauerhaftes Parallelgerede wie im französischen TV-Duell. Und auch kein Schulz, der „wie der weiße Hai“ hinter Merkel herumsteht, wie weiland Donald Trump hinter Hillary Clinton. Das hatten die Deutschen allerdings auch nicht im Traum erwartet.

Im Gegenteil: Angela Merkel ist zwar nicht so gut in der Livesituation, weshalb sich die SPD-Strategen Chancen ausrechnen, dass ihr Mann – der vierte, gegen den Merkel in diesem Format antritt – ein paar Punkte machen kann. Doch Sandra Maischberger warnt schon mal: „Die Frau steht wie ein Fels, sie lässt vieles wie ein Wasserfall an sich herunterperlen.“ Auch das war bekannt. Bleibt also nur die Hoffnung, dass Herr Strunz vielleicht doch daneben greift, auf dass es etwas unterhaltsamer wird am Sonntagabend.

Dann wurde es sogar den Nachrichtensender zu viel, die Übertragungen der Pressekonferenzen zum Medienereignis des Sommers wurden abgeschaltet. Der treffendste Kommentar kam anschließend vom langjährigen Emnid-Wahlforscher Klaus-Peter Schöppner bei N24: „Bombastik pur“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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