TV-Kritik Maybrit Illner: Das Gespenst der Banken-Krise lässt grüßen

TV-Kritik Maybrit Illner: Das Gespenst der Banken-Krise lässt grüßen

, aktualisiert 28. Oktober 2016, 06:44 Uhr
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Nach „Hart aber fair“ (ARD) zum Wochenanfang, war auch bei „Maybrit Illner“ (ZDF) die Lage der Finanzwelt das Diskussionsthema.

von Julia RotenbergerQuelle:Handelsblatt Online

Wer rettet die Deutsche Bank, sollte sie ins Straucheln kommen? Diese Frage stellten sich die Gäste bei Maybrit Illner am Freitag. Ideen dazu gab es genug. Doch was ist, wenn sich die Bank nicht helfen lassen will?

Der spießige Weltspartag bekommt in diesem Jahr etwas Aufregendes, ja, beinahe Gefährliches: Das Gespenst einer Bankenkrise ist wieder da. Am liebsten spukt es durch die deutsche Talkshow-Landschaft.

So diskutierte am Montag ARD-Moderator Frank Plasberg bei „hart aber fair“ darüber, ob sich die Banken und Sparkassen auf Kosten der Kunden selber retten. Am Donnerstag zog dann das ZDF nach: „Gier statt Reue – kommt die Bankenkrise zurück?“, fragte Moderatorin Maybrit Illner die Zuschauer und Gäste ihrer Show.

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Allerdings fuhr zuvor das größte Krisen-Schreckgespenst, die Deutsche Bank, Illner mit guten Zahlen in die Parade. 278 Millionen Dollar Gewinn habe man im dritten Quartal dieses Jahres gemacht, gab das Geldhaus am Donnerstag bekannt – ein Mini-Punkt zugunsten des Deutsche-Bank-Sprechers Jörg Eigendorf, der sich an diesem Abend ziemlich oft verteidigen musste.

Ja, man habe Fehler gemacht, ja, die Deutsche Bank sei in zu vielen riskanten Geschäften drin gewesen – und ja, das Team um Vorstandschef John Cryan arbeite daran, das Geldhaus von den Rechtsfolgen der krummen Geschäfte frei zu schaufeln. Selbst die Bilder von Schweinen am Futtertrog, denen Aufnahmen von Ackermann, Fitschen und Jain folgten, ließ Eigendorf unkommentiert. Soweit so langweilig.

Spannender waren da die „Was-wäre-wenn“-Fragen, denn diese sorgten erst für den nötigen Gruselfaktor in der Diskussion – zumindest in der Theorie. Dass die Deutsche Bank noch nicht wirklich vor dem Kollaps steht, darüber waren sich die Teilnehmer – mit Ausnahme Lafontaines – einig.

„Die Deutsche Bank hat kein Liquiditätsproblem und kein Solvenzproblem”, sagte CNBC-Journalistin Carolin Roth. Und nein, auch wenn viele Marktteilnehmer das oft fragen würden, es sei auf keinen Fall so wie damals, als die US-Bank Lehman Brothers Pleite ging. Finanzinvestor Rainer Voss pflichtete ihr bei: „Wir müssen nicht darüber reden, dass die Deutsche Bank umfällt”, sagte er. Die Diskussion sei absurd.


Retter gäbe es genug

Dennoch: Ein Restzweifel bleibt offenbar auch bei Voss. Schließlich hatte er die kreativsten Vorschläge zur Rettung des Geldhauses, sollte das Institut doch noch ins Straucheln geraten. So könnten zum Beispiel international Großkonzerne wie Apple oder Google für die Deutsche Bank in die Bresche springen.

Für diese Konzerne sei so eine Bank kein großer Deal: „Da stellen die einfach einen Scheck aus“, so Voss. Und das Beste: Beide Konzerne haben bereits europäische Banken-Lizenzen. Das einzige, was Voss' Meinung nach die multinationalen Konzerne davon abhalte zuzuschlagen, sei, „dass sie nicht in Dinosaurier-Geschäftsmodelle“ investieren.

Aber so international muss die Rettung gar nicht ablaufen. Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass auch die Dax-Konzerne im Zweifel bereit seien, der Deutschen Bank auszuhelfen, sollte sie mehr Kapital benötigen (das „Handelsblatt“ hatte darüber berichtet)

Das wäre ganz im Sinne von Markus Söder. Der CSU-Politiker sähe am liebsten eine Rückkehr der Bank in den Schoß der Deutschland-AG – ein Wunsch, den Deutsche-Bank-Sprecher Jörg Eigendorf trotz des Bedauerns über die Fehler der Bank in der Vergangenheit lieber unkommentiert ließ. Söder dagegen findet offenbar, dass eine „Deutsche Bank” auch deutsch sein müsse.

An Rettungsangeboten mangelt es also nicht. Dumm nur, wenn sich die Bank gar nicht retten lassen will. In der Finanzkrise 2008 beharrte die Bank darauf, keine Hilfe zu brauchen. Nun, wo das Krisen-Gespenst wieder spukt, sieht es nicht anders aus. Auf die Frage Illners, ob sich denn die Deutsche Bank dieses Mal helfen lassen würde, antwortete Eigendorf ganz trocken: „Das ist eine völlig theoretische Debatte.”

Die Gäste von Maybrit Illner am 27. Oktober 2016

1) Jörg Eigendorf, Sprecher der Deutschen Bank
2) Oskar Lafontaine, Politiker der Partei „Die Linke”
3) Markus Söder (CSU), Finanzminister Bayern
4) Rainer Voss, Finanzinvestor
5) Carolin Roth, Finanzjournalistin von CNBC in London
6) Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip-Chefredakteur

Quelle:  Handelsblatt Online
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