Twitternde Bäume: Der Wald geht online

Twitternde Bäume: Der Wald geht online

, aktualisiert 13. April 2016, 12:58 Uhr
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Die Pflanzenökologin Kathy Steppe stattet Bäume mit Messfühlern und Sensoren aus, die die Vitalwerte der Pflanzen per WLAN direkt ins Internet senden.

Quelle:Handelsblatt Online

„Hilfe, ich habe Durst“ – so oder so ähnlich könnte es klingen, wenn demnächst eine Kiefer aus der Schorfheide twittert. Forscher wollen mit neuen Methoden die Folgen des Klimawandels für den Wald erfassen.

EberswaldeDass Menschen mit ihren Pflanzen sprechen, ist nicht ungewöhnlich. Doch jetzt twittern Bäume zurück. „Wir haben eine Sprache gefunden, wie diese mit uns kommunizieren können“, sagt die Ökophysiologin Kathy Steppe von der belgischen Universität Gent. Die Forscherin will wissen, wie es Pflanzen im Klimawandel ergeht.

In Joachimsthal, 70 Kilometer nordöstlich von Berlin, steht eine „Test-Birke“. Die Wissenschaftlerin will am Rande eines Kongresses in Joachimsthal Kollegen vorführen, wie sie Bäume zum Sprechen bringt. Mit Zauberei habe dies wenig zu tun.

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„Die Bäume werden einfach mit Messfühlern und Sensoren ausgestattet, die ihre Vitalwerte per WLAN direkt ins Internet senden“, erläutert sie. „Es funktioniert wie eine Art Fitnesstracker beim Menschen."

Im Kern geht es darum, Veränderungen im Wasserhaushalt von Bäumen zu erkennen. „Der Wassertransport ist der Herzschlag eines Baums“, sagt Andreas Bolte, Leiter des Eberswalder Thünen-Instituts für Waldökosysteme, das als Bundesforschungsinstitut an dem Projekt beteiligt ist. Letztlich könnten Tweets über Verdunstung und Wasserfluss bei starker Trockenheit mit der Formel „Hilfe, ich habe Durst“ übersetzt werden.

Der Klimawandel und damit einhergehende Extremwetterlagen setzen Bäumen in ganz Europa mächtig zu. Über vier Jahre haben Genetiker, Ökophysiologen, Holz-Anatomen und Pflanzenökologen innerhalb des europäischen Forschernetzwerks „Streess“ sich dieses Themas angenommen und Daten zusammengetragen.

„Die allgemeingültige Antwort, wie Wäldern geholfen werden kann, gibt es nicht. Es ging für uns in einem ersten Schritt darum zu verstehen, wie einzelne Baumarten auf extreme Trockenheit überhaupt reagieren“, erklärt Bolte.


Ziel ist ein europaweites Frühwarnsystem

Fichten zum Beispiel reagierten sehr sensibel auf Trockenheit, Eichen wiederum seien resistenter. „Uns interessierte, warum ein Baum besser mit Trockenheit oder Kälte klarkommt und ein anderer nicht“, so Bolte. „Erst so haben wir ein Handwerkszeug, um eingreifen zu können“, betonte Bolte.

Die „TwitteringTrees“ seien deshalb ein sehr wichtiger Baustein in den Untersuchungen, betonte Steppe. „Sie senden ihre Daten ungefiltert raus. Jeder kann so sehen, wie es den Bäumen geht. Das sensibilisiert über Social Media die Menschen“, sagt die Forscherin. „Und sie liefern uns Wissenschaftlern konstant neue Erkenntnisse, wie die Bäume auf zunehmende Hitze- und Trockenheit reagieren“, ergänzt Bolte.

In Belgien twittern bislang schon sechs mit solchen Systemen ausgerüstete Bäume, in den Niederlanden einer. Bolte will die Vorführ-Anlage aus Joachimsthal nach Kongressende am Donnerstag mit nach Eberswalde (Brandenburg) nehmen und einer Kiefer in der Schorfheide anlegen.

Steppes großes Ziel ist es, über die „TwitteringTrees“ ein europaweites Frühwarnsystem zu installieren. „Dafür brauchen wir jede Menge neue twitternde Bäume.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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