Ukip-Chef Nigel Farage: Englands größter EU-Hasser spaltet das Land

Ukip-Chef Nigel Farage: Englands größter EU-Hasser spaltet das Land

, aktualisiert 23. Juni 2016, 17:10 Uhr
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Der Ukip-Chef bei seinem öffentlichen Auftritt am Tag der Entscheidung – das Brexit-Lager hat ihn bereits als Südenbock im Falle des Scheiterns auserkoren.

von Mathias BrüggmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Debatte um die Schuldigen eines möglichen Scheiterns der Brexit-Kampagne hat bereits begonnen. Und im Mittelpunkt steht wieder einmal der Chef der Ukip und größte EU-Hasser Großbritanniens, Nigel Farage.

LondonEs sollte der Tag seines Lebens werden, der „Independence Day“, den Nigel Farage selbst ausgerufen hatte für den Fall des Brexit. Doch dann kochte n Gerüchte hoch, er sei krank und könne bei Feiern nach einem möglichen Sieg der EU-Feinde gar fehlen. Doch ein für ihn noch böseres Gerücht macht sich breit: Der frühere Rohstoffhändler und Investmentbanker, der mit gut dotiertem Mandat im Europaparlament sitzt und dort gegen die EU hetzt, ahne bereits die Niederlage. Das knappe Scheitern der Kampagne, die er selbst provoziert hatte – und schuld sei er daran.

Der Rechtspopulist Farage ist einer der wichtigsten Strippenzieher der Brexit-Kampagne. Dennoch hatte Farage überraschend seine Teilnahme an der letzten TV-Debatte zum Brexit Mittwochnacht auf „Channel 4“ abgesagt. Seither schießen die Gerüchte ins Kraut. Denn Farage war 2015 schon einmal abgetaucht und ließ später dementieren krank zu sein: „Ich bin fit wie ein Floh“, sagte er kurz vor der Unterhauswahl, bei der er erneut in seinem Wahlkreis South Thanet scheiterte.

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Und nun also die Absage bei einer vielleicht entscheidenden Last-Minute-Talk Show zur Kampagne seines Lebens, die natürlich massenweise Fragen auf der Insel auslöste. Die Gerüchte wurden nur noch stärker als ein Sprecher der Ukip-Party das Fernbleiben aus der TV-Show mit „familiären Gründen“ Farages erklärte.

Am Morgen ließ sich Farage dann demonstrativ nach Abgabe seiner Stimme in einem Pub ablichten. Denn zuvor war über britische Boulevardblätter durchgesickert, dass Farage ein Abendessen mit seinem ältesten Sohn, einem Banker in Londons City, hatte. Er habe seinen Filius neun Monate nicht gesehen und es vorgezogen, mit ihm zum Dinner zu gehen, als sich in der TV-Sendung erneut vom früheren Ukip-Gründer Alan Sked als Rassist beschimpfen zu lassen. Denn Farage spielt massiv mit der Angst vor zu viel Einwanderung ins traditionell sehr offene Großbritannien.

Für ein Großplakat, das einen Flüchtlingstreck auf dem Balkan zeigt und von Ukip instrumentalisiert wurde, als würden die Flüchtenden Asyl in England suchen wollen, bezog Farage sogar von anderen führenden Brexit-Befürwortern politisch Prügel. „Wenn wir das Referendum verlieren, dann wegen Farage“, sagte Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson. Die volle Ladung Ausländerfeindlichkeit hat viele frustrierte Briten mobilisiert, aber eben auch gemäßigte EU-Kritiker abgeschreckt. Denn der ökonomische Schaden durch einen Brexit wäre enorm und ein Stopp der Zuwanderung von Fachkräften verheerend für die Insel.

Zahlreiche Wähler schienen, wenn man sie nach der Stimmabgabe an Wahllokalen befragte, von diesen Fakten überzeugt worden zu sein – und vor allem von den harten Anschuldigungen der Brexit-Befürworter abgeschreckt worden zu sein. Vor allem aber war immer wieder zu hören, dass sie die Anführer der „Leave“-Bewegung abzustoßen – allen voran der 52-jährige Farage.

Auch persönlich muss der Wendehals mit dem hugenottischen Namen und Parteivergangenheit bei den konservativen Torys, der in zweiter Ehe mit einer Deutschen verheiratet ist, viel Spott ertragen. „Fromage statt Farage“ ist ein beliebter Slogan unter Aufgeklärten auf der Insel geworden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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