Ukip-Chef Nigel Farage: „Gewonnen, ohne eine Kugel abgefeuert zu haben“

Ukip-Chef Nigel Farage: „Gewonnen, ohne eine Kugel abgefeuert zu haben“

, aktualisiert 24. Juni 2016, 10:13 Uhr
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„Ich glaube, wir haben es geschafft. “Nigel Farage bejubelt den Ausgang des britischen EU-Referendums.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Ukip-Chef Nigel Farage kann nach dem Brexit-Votum der Briten jubeln. Doch Beobachter sind skeptisch, ob er seine Versprechen halten kann.

LondonDas Endergebnis stand am frühen Freitag noch nicht fest. Doch Nigel Farage, Chef der europaskeptischen UK Independence Party (Ukip), hat den Tag bereits zum Unabhängigkeitstag Großbritanniens erklärt. „Ich glaube, wir haben es geschafft“, sagte der 52-Jährige vor jubelnden Anhängern.

Der 23. Juni werde als Unabhängigkeitstag Großbritanniens in die Geschichte eingehen. „Wir haben gewonnen, ohne eine einzige Kugel abgefeuert zu haben“, rief er in die Menge. Farage steht kurz davor, sein Ziel zu erreichen: einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU).

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Seit Jahrzehnten hat er darauf zugearbeitet, landauf, landab gepredigt, warum das notwendig sei und versprochen, dass Großbritannien dann wieder sein Schicksal in die Hand nehmen, sich Milliardenüberweisungen nach Brüssel sparen und die Zahl der Einwanderer deutlich einschränken könne. Doch Beobachter sind jetzt skeptisch, ob Farage wirklich all seine Versprechen einhalten kann.

Ursprünglich war Farage, der einst als Rohstoffmakler in der Londoner City gearbeitet hatte, Mitglied der konservativen Tory-Partei. Doch aus Protest gegen den Vertrag von Maastricht ist er ausgetreten und hat mit Gleichgesinnten 1993 Ukip gegründet.

Sie treiben seither die großen britischen Parteien vor sich her. Vor allem in den vergangenen Jahren hat Ukip in Meinungsumfragen kräftig zugelegt – die Partei, die andere Politiker als Ansammlung „Verrückter, Spinner und verkappter Rassisten“ bezeichnen.

Bei den Parlamentswahlen im Frühjahr vergangenen Jahres ging aber nicht alles nach Plan. Ukip wurde mit 12,6 Prozent Wählerstimmen zwar drittstärkste Partei. Sie bekam aber nur einen Unterhaussitz.


Die Grenzen des guten Geschmacks überschritten

Farage selbst hat seinen Wahlkreis nicht gewonnen. Eigentlich wollte er daher auch den Parteivorsitz aufgeben, hat es sich dann jedoch anders überlegt: „Ich habe 20 Jahre meines Lebens damit zugebracht, ein EU-Referendum zu bekommen. Nun ist nicht die Zeit zum Weglaufen“, sagte er einer Zeitung.

Parteimitglieder sahen das teilweise anders. Farage galt zwar als der richtige Mann, der eine Abstimmung erkämpft hat – aber nicht als der Richtige, um am Ende die Mehrheit der Briten zum Ausstieg zu bewegen.

Douglas Carswell, der für Ukip im Unterhaus sitzt, hat daher Ende vergangenen Jahres einen neuen Mann an der Parteispitze gefordert. Denn er wollte die Ukip-Kampagne für einen EU-Austritt stärker auf wirtschaftliche Fragen konzentrieren, Farage dagegen auf das Thema Einwanderung.

Farage hielt daran fest und ging mit dieser Strategie deutlich weiter, als so mancher erwartet hat. Für Zuspitzungen, Halbwahrheiten und knallige Parolen war der Mann schon immer gut. Doch mit einer bestimmten Aktion im Brexit-Wahlkampf hat er selbst nach Ansicht einiger Mitstreiter die Grenzen des guten Geschmacks viel zu weit überschritten.

Wenige Tage vor der Abstimmung hat er ein Plakat vorgestellt, das syrische Flüchtlinge an der österreichischen Grenze zeigt und den Slogan „Breaking Point“ – ergänzt um dem Satz: „Wir müssen uns von der EU befreien und wieder die Kontrolle übernehmen.“

Doch mit der Freizügigkeit der EU hat die dargestellte Szene nichts zu tun. Und ohnehin kam keiner dieser Syrer nach Großbritannien. Einige prominente Mitstreiter für einen Brexit wandten sich ab.

Farage weigerte sich, sich für diese Aktion zu entschuldigen. Er blieb bei seiner Strategie. Der Ausgang des Referendums gibt ihm recht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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