Umbau der Deutschen Bank: „Schon die vierte Verwässerung in wenigen Jahren“

Umbau der Deutschen Bank: „Schon die vierte Verwässerung in wenigen Jahren“

, aktualisiert 06. März 2017, 13:04 Uhr
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FILE - In this Oct. 11, 2016 file photo, water spills out of a small dragon sculpture on a fountain with the headquarters of the Deutsche Bank in background in Frankfurt, Germany, Deutsche Bank says it is planning a capital increase to raise 8 billion euros (US $8.45 billion). The German lender said in a statement Sunday March 5, 2017 that the capital increase will come through the issuance of up to 687.5 million new shares (AP Photo/Michael Probst,file)

von Leonidas ExuzidisQuelle:Handelsblatt Online

Die neue Strategie der Deutschen Bank kommt bei Investoren noch nicht besonders gut an. Vorstandschef Cryan treibt den Umbau der Bank weiter voran, geht laut Analysten aber ein hohes Risiko. Die Börse reagiert deutlich.

DüsseldorfEinmal mehr musste sich John Cryan am Montag rechtfertigen. Durch den erneuten Umbau werden in Deutschland weitere Arbeitsplätze wegfallen, erklärte der Vorstandschef der Deutschen Bank gegenüber Bloomberg TV. Wie viele Stellen konkret betroffen sind, ist nicht bekannt. Bislang war geplant, bis 2018 weltweit 9000 Arbeitsplätze zu streichen, davon 4000 in Deutschland.

Mit großen Ankündigungen hat die Deutsche Bank ihren neuen Weg eingeschlagen. Mit der nächsten Kapitalerhöhung über acht Milliarden Euro soll der Umbau der Bank weiter vorangetrieben werden – insgesamt bereitet das Institut die Platzierung von 687,5 Millionen neuen Aktien vor. Außerdem soll – entgegen aller ursprünglichen Pläne – die unverkäufliche Postbank behalten und die Vermögensverwaltersparte Deutsche Asset-Management (DWS) an die Börse gebracht werden. Finanzvorstand Marcus Schenck und Christian Sewing, Vorstand für das Privat- und Firmenkundengeschäft, werden Vize-Vorstandschefs, um Cryan zu entlasten.

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Doch die neue Strategie sorgt bei vielen Experten für Stirnrunzeln. Längst nicht alle Börsianer sind überzeugt – auch, weil die neuen Papiere 11,65 Euro kosten. „Der hohe Abschlag zum aktuellen Kurs spricht Bände. Es ist schon die vierte Verwässerung in wenigen Jahren“, sagte Stefan de Schutter von Alpha Trading. „Anleger müssen jetzt erstmal überlegen, ob sie da noch mitziehen.“

Die Reaktion an der Börse war eindeutig. Investoren quittierten die angekündigte Kapitalerhöhung mit massiven Abschlägen – die Aktie war am Montagmorgen mit Verlusten von über sechs Prozent mit Abstand schlechtester Dax-Wert. Derzeit kostet eine Aktie etwa 18 Euro. Zuletzt hatte sich der Kurs deutlich stabilisiert und seit Jahresbeginn um circa elf Prozent zugelegt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Deutschlands größtes Geldhaus die Flucht nach vorn sucht. Die letzte Kapitalerhöhung ist erst knapp drei Jahre her. Vorstandschef Cryan hatte bislang betont, die Aktionäre nicht erneut zur Kasse zu bitten – es allerdings auch nicht kategorisch ausgeschlossen. Heino Ruland von Ruland Research bezeichnete Cryans Vorstoß als „irritierend“. „Er hatte vor nicht allzu langer Zeit noch gesagt, dass sie nur im äußersten Notfall neue Aktien ausgeben wollen. Dies scheint nun der äußerste Notfall zu sein“, so Ruland.

Daher sei es laut Stefan de Schutter von zentraler Bedeutung, ob in naher Zukunft noch ein weiterer Schritt dieser Art folgt. Bislang, so de Schutter, „hat keine der Umbaumaßnahmen gefruchtet“. Kian Abouhossein, Analyst der US-Investmentbank JPMorgan, hingegen bestätigte die Einstufung der Bank auf „Neutral“ und das Kursziel von 17 Euro.


Großaktionäre ziehen wohl mit

Dass die Kapitalerhöhung notwendig ist, darüber scheint man sich in der Branche insgesamt einig zu sein. „Eine Kapitalerhöhung jetzt ist richtig, um die Bank neu auszurichten und das Geschäft wieder nach vorne zu bringen“, erklärte etwa Ingo Speich, Fondsmanager der Union Investment, im Handelsblatt-Interview. Allerdings erfolge dieser Schritt „aus einer Position der Schwäche“, weil das Institut im Vergleich zur Konkurrenz eher dünn kapitalisiert sei.

Auch die Bundesregierung sieht das Vorgehen grundsätzlich positiv. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, zwar kommentiere die Regierung Geschäftsvorgänge bei einzelnen Instituten nicht. Er könne aber grundsätzlich sagen, dass es die Bundesregierung begrüße, wenn Banken ihre Kapitalbasis stärkten. Vor Monaten war gar spekuliert worden, die Bundesregierung bereite einen Notfallplan vor.

Noch ist unklar, ob die Investoren bei der Kapitalerhöhung wirklich mitziehen. „Wir gehen davon aus, dass die Großaktionäre die Kapitalerhöhung zeichnen werden“, sagte Ingo Frommen von der LBBW. „Auch scheint uns das Umfeld ausreichend stabil, um zu erwarten, dass die Maßnahme erfolgreich durchgeführt werden kann.“ Der größte Aktionär Katar und die jüngst als Großaktionär eingestiegene HNA-Gruppe dürften die Kapitalerhöhung unterstützen. Laut Cryan hätten die Großaktionäre bereits ihr Mitziehen signalisiert.

Das gilt nicht flächendeckend. Union Investment etwa hält sich noch bedeckt. „Das hängt ganz von den Details zur Strategie ab“, meinte Speich. Denn Analysten zweifeln an der Stabilität der neuen Strategie. „Die Deutsche Bank muss nun deutlich aufzeigen, wie es weitergeht“, sagt Magdalena Stoklosa von Morgan Stanley. Bankchef Cryan jedenfalls scheint voller Tatendrang. Gerüchte, er sei amtsmüde, wies der Brite zurück. Er fühle sich der Aufgabe „zu 150 Prozent verpflichtet“, betonte er am Sonntag. Die Hoffnung auf bessere Zeiten bleibt bestehen – und die Unsicherheit erst recht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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