Umfrage: Chefs entdecken ihre Mitarbeiter

Umfrage: Chefs entdecken ihre Mitarbeiter

, aktualisiert 15. Januar 2016, 04:12 Uhr
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Ein Angestellter blickt auf seinen Bildschirm: Der Mitarbeiter in einem Unternehmen rückt einer Studie zufolge immer mehr in den Fokus von Chefs.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die Sorge, dass ihnen die Talente ausgehen, treibt Führungskräfte weit mehr um als Fragen der Technik oder die Angst vor Cyberattacken. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Umfrage unter gut 600 Unternehmenschefs.

New York„Was raubt Ihnen nachts den Schlaf?“ Diese Frage, natürlich differenzierter formuliert, stellte der Conference Board, eine unabhängige Forschungsorganisation, zwischen September und November 2005 gut 600 Unternehmenschefs weltweit. Die Antwort: vor allem die Sorge um die Mitarbeiter.

Dieser Punkt steht jetzt schon im dritten Jahr nacheinander an der Spitze der Skala. Und dahinter steckt ein deutlicher Trend, sagte Rebecca Ray bei der Vorstellung der Studie: „Der Blick geht mehr nach innen.“ Die Chefs haben Sorgen, dass ihnen die Konkurrenz die Talente wegschnappt. Sie befürchten, dass es nicht gelingt, die nächste Generation von Führungskräften heranzuziehen. Und sie fragen sich, ob die Organisation ihres Unternehmens flexibel genug ist.
Im Großen und Ganzen sind diese Trends weltweit zu spüren. Aber es gibt doch Unterschiede. In Europa etwa spielt die Angst vor neuen Konkurrenten eine noch größere Rolle als der Blick nach innen, aber auch dort hängen zwei der fünf wichtigsten Themen mit dem Personal zusammen.

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Auffällig ist, dass sich der Fokus auf die eigenen Leute durch viele Bereiche zieht. So hat zum Beispiel die Unternehmenskultur eine wachsende Bedeutung für die Chefs. Aber das vor allem vor dem Hintergrund, dass sie wichtig ist, um die richtigen Mitarbeiter zu bekommen. Auch beim Thema „Nachhaltigkeit“ steht genau dieser Aspekt im Vordergrund: Man möchte glaubwürdig sein, den Kunden gegenüber, aber mindestens ebenso sehr am Arbeitsmarkt. Umweltprobleme hingegen stehen keineswegs ganz oben auf der Sorgenskala. Die Klimaerwärmung etwa wird allgemein kaum im Zusammenhang mit dem eigenen Geschäft gesehen.

Ein wichtiges Thema ist „Innovation“. Aber auch dort ändert sich die Wahrnehmung deutlich. „Heute geht es nicht mehr in erster Linie darum, die neueste Technik zu installieren“, sagt Ray. Die Chefs fragen sich viel mehr, wie sie ihr Unternehmen so organisieren können, dass sie möglichst viele gute Ideen umsetzen, die bei den Kunden ankommen. Ein besonders wichtiger Punkt ist dabei die Durchlässigkeit von unten nach oben. Das Modell, nach dem alle guten Ideen von oben diktiert werden, und die unteren Ebenen sie nur umzusetzen haben, ist - angesichts der steigenden Anforderungen an die Kreativität der Firmen - ein Auslaufmodell.

Ray zitiert in dem Zusammenhang andere Studien, die zusätzlich belegen, wie wichtig eine möglichst vielfältige Zusammensetzung von Teams auf allen Managementebenen ist. Dabei geht es nicht nur um die bekannten Punkte: etwa darum, den Anteil von Frauen in bisher von Männern dominierten Zirkeln zu erhöhen, oder gezielt Leute aus anderen Ländern und Kulturen zu integrieren. Ray kennt Beispiele, in denen es sich auch bewährt, Leute mit ganz unterschiedlichem Bildungsgrad zusammenzubringen - zum Beispiel solche ohne Studium mit PhD-Absolventen.


Personalförderung ausschlaggebend für Erfolg

Nach Aussage von Ray ist es für den Erfolg von Unternehmen ausschlaggebend, ihre Strategie und ihre Personalförderung aufeinander abzustimmen – was nicht immer einfach ist. „Sie stehen sonst mit einem ganzen Strauß von Leuten da, die auf die falschen Aufgaben vorbereitet worden sind“, sagt sie. Ihrer Erfahrung nach, die auf einer langjährigen Karriere im Beratungsgeschäft und an Universitäten beruht, kommt es vor allem darauf an, Manager auf den Umgang mit unsicheren Situationen vorzubereiten. „Heute stehen zwar mehr Daten zur Verfügung, aber Entscheidungen müssen auch schneller und daher oft doch unter größerer Unsicherheit getroffen werden“, sagt sie. Sie hält diesen Punkt für wichtiger als die häufig geförderte Persönlichkeitsentwicklung, bei der künftige Manager vor allem mit ihren eigenen Schwächen konfrontiert werden.

Interessant ist auch, was relativ wenig Sorgen bereitet. Obwohl die Umfrage gleich nach den von China ausgelösten Turbulenzen am Kapitalmarkt stattfand, kommt die Sorge um die finanzielle Stabilität Chinas erst auf Platz sieben der Skala. Themen wie Netzsicherheit („Cybersecurity“) oder gar Terrorismus tauchen gar nicht unter den heißesten zehn Punkten auf.

Allerdings hat sich nach einer Umfrage der Allianz das Risiko von Cyberangriffen im abgelaufenen Jahr zumindest im Vergleich zu anderen - direkt die Produktion betreffenden - Gefahren deutlich in den Vordergrund geschoben. Die Firmen fürchten heute mehr, dass es wegen Attacken aus dem Internet zu Störungen bei ihnen oder in ihrer Lieferkette kommt, und nicht wegen physischer Schäden an ihren Fabriken. Diese Umfrage fand allerdings bei den Risikoexperten statt und richtete sich nicht exklusiv an die Unternehmenslenker

Quellle:  Handelsblatt Online
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