Umfrage unter Vermögensverwaltern: Fondsmanager rüsten sich für „Sommer der Schocks“

Umfrage unter Vermögensverwaltern: Fondsmanager rüsten sich für „Sommer der Schocks“

, aktualisiert 18. Mai 2016, 08:50 Uhr
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Professionelle Anleger horten Bargeld – sie wappnen sich für einen unruhigen Sommer.

von Jakob BlumeQuelle:Handelsblatt Online

Vermögensverwalter horten derzeit Bargeld, das zeigt die monatliche Investoren-Umfrage der Bank of America. Der Grund: Die kommenden Wochen halten einige Schreckens-Szenarien bereit. Wovor sich die Finanzprofis fürchten.

FrankfurtFondsmanager blicken voller Sorge auf den Sommer: Laut der monatlichen Umfrage der Bank of America Merill Lynch haben professionelle Vermögensverwalter die Bargeld-Bestände ihrer Depots im Mai noch einmal erhöht. Die Bargeld-Quote liegt demnach im Schnitt bei 5,5 Prozent – das entspricht etwa dem Niveau zu Zeiten der Lehmann-Pleite. Auch auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise waren die Bargeld-Anteile ähnlich hoch. Die Finanzprofis bunkern laut der Studie Cash, um für einen „Sommer der Schocks“ gerüstet zu sein.

27 Prozent der befragten Investoren sieht in einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU das größte Marktrisiko. Die Abstimmung über den „Brexit“ steht am 23. Juni an. Zwar liegen die EU-Befürworter in Großbritannien laut einer aktuellen Umfrage mit 55 zu 40 Prozent deutlich vorn. Und auch 71 Prozent der befragten Fondsmanager halten einen Brexit für unwahrscheinlich. Doch die Anhänger eines Brexit sind im Aufwind, vor kurzem schlossen sich etwa 300 Unternehmer ihrem Lager an. Grund genug für die Vermögensverwalter Bargeld zu halten und sich aus britischen Wertpapieren zurück zu ziehen.

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21 Prozent der Fondsmanager bezeichnen einen möglichen Abschwung in China als größtes Marktrisiko. Die Hälfte der Befragten erwartet einen Rückgang des Wachstums. Jüngste Daten hatten ebenfalls Zweifel an einer Stabilisierung der Wirtschaft im Reich der Mitte genährt. So fielen im April die Industrieproduktion, Einzelhandelsumsatz und Investitionen schwächer aus als von Analysten erwartet. „Es sieht so aus als ob alle Antriebe an Dynamik verlieren“, sagte Ökonom Zhou Hao von der Commerzbank in Singapur der Nachrichtenagentur Reuters. Bereits am Dienstag hatte eine HSBC-Studie Konjunkturrisiken auf dem chinesischen Automarkt benannt und damit europäische Automobil-Aktien auf Talfahrt geschickt.

Immer weniger Investoren fürchten dagegen geldpolitisches Versagen der Zentralbanken. Nur noch 15 Prozent nannten dies als größtes Marktrisiko – deutlich weniger als im Vormonat. Ebenso ging die Angst vor geopolitischen Risiken zurück. Dafür nahm die Sorge vor den Auswirkungen der US-Politik auf die Märkte nach der Nominierung von Donald Trump zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten zu.

Insgesamt haben die Fondsmanager die Gewichtung von Aktien und Anleihen in ihren Portfolios reduziert und den Rohstoffanteil erhöht. Sie zogen sich aus britischen und US-Papieren, sowie Technologie- und Industrietiteln zurück. Davon profitierten Wertpapiere in Schwellenländern und im Energiesektor. Potenzial sehen die Finanzprofis auch bei der Krisenwährung Gold: Trotz der jüngsten Rally – um etwa 20 Prozent stieg der Goldpreis im Jahr 2016 – hält eine Mehrheit der Investoren Gold noch für unterbewertet.

Für ihre Studie befragte die Bank of America Merill Lynch 168 Investoren und Portfolio-Manager, die im Durchschnitt für ein Vermögen von 505 Millionen Dollar verantwortlich sind.

Quelle:  Handelsblatt Online
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