Umstrittene Rohstoffsuche: Dauerknallen im Atlantik

Umstrittene Rohstoffsuche: Dauerknallen im Atlantik

, aktualisiert 12. Mai 2016, 12:09 Uhr
Bild vergrößern

Mit Schallwellen wollen Unternehmen nach neuen Rohstofflagern im Meeresboden suchen lassen. Umweltschützer sehen das nicht gern.

Quelle:Handelsblatt Online

Vor der US-Ostküste wollen Unternehmen mit Schallwellen nach Öl- und Gasvorkommen im Meeresboden suchen. Doch der Plan ist umstritten – Umweltaktivisten und Politiker fürchten verheerende Auswirkungen auf Meerestiere.

Sandy HookWie eine Dynamit-Explosion soll es sich anhören. Oder wie ein Flugzeugmotor aus nächster Nähe. Im Extremfall alle paar Sekunden ein Knall, ein ganzes Jahr lang.

Tierschützer laufen Sturm gegen ein Projekt seismischer Forschung vor der US-Ostküste, von dem sie solch extremen und für die Tierwelt bedrohlichen Dauerlärm erwarten. Die Unternehmen, die die Erkundung per Schallwellen beantragt haben, sehen hingegen keine Gefährdung von Meeressäugern, Schildkröten und Fischen.

Anzeige

Drei Konzerne wollen die Schalltechnik im Atlantik auf der Suche nach Öl- und Gasvorkommen unter dem Meeresboden einsetzen, ein viertes ein ähnliches Verfahren. Dafür haben sie die US-Behörden um Genehmigung gebeten.

In den Anträgen räumen sie ein, dass die Schallwellen die Meerestiere stören und ihr Hörvermögen möglicherweise beeinträchtigen können. Dass Tiere ernsthaft zu Schaden oder gar zu Tode kommen, weisen sie aber zurück.

Während die Behörden den Antrag prüfen, schlagen die Tierschützer umso lauter Alarm. Im Vergleich zu seismischen Klimaschutzforschungen im vergangenen Jahr wären die neuen Tests zwischen Florida und Delaware weitaus schlimmer, warnt Cindy Zipf, Direktorin der Organisation „Clean Ocean Action“ in Washington. „Die Schäden wären ebenfalls viel schlimmer, auch für den Atlantischen Nordkaper, das gefährdetste Tier im Ozean.“

Der Lärm und Schockwellen der Tests könnten Meerestiere verletzen oder sogar töten, bringen die Umweltaktivisten vor. „Wir beschreiben es als dynamitähnliche Explosionen unter Wasser“, sagt die Meereswissenschaftlerin Ingrid Biedron von der Organisation Oceana in Florida. „Es ist extrem laut.“ Der Knall könne bis zu 4000 Kilometer überwinden. „Das ist die Entfernung von Washington D.C. nach Las Vegas. Das könnte die gesamte Region des Ozeans beschallen.“


Politiker wollen Tests per Gesetz verbieten

Gegen die Tests im vergangenen Jahr kämpften Umweltschützer aus New Jersey vergeblich. Die beiden demokratischen Senatoren des US-Staats haben nun einen Gesetzentwurf eingebracht, der seismische Tests im Atlantik verbieten soll. Dahinter haben sich weitere Politiker gestellt. Politischer Gegenwind ist aber von Senatoren der US-Öl-und Gasförderstaaten zu erwarten.

Seismische Erhebungen böten „eine Fülle an Vorteilen für die Vereinigten Staaten“, betont Nikki Martin, Präsidentin des Verbands der Geophysik-Unternehmen IAGC. „80 Prozent der Energie wird 2040 noch immer aus fossilen Brennstoffen gewonnen“, meint sie. „Es ist schwierig, diese Ressourcen ohne unsere geophysikalische Forschung zu finden.“

Die Industrie achte darauf, das Meeresleben zu schonen, erklärt Martin. „Es war bislang keine direkte physische Verletzung oder der Tod frei schwimmender Fische durch seismische Forschungsaktivitäten zu beobachten“, sagt sie. Alle Auswirkungen seien nicht dauerhaft und räumlich begrenzt und hätten keine erheblichen Folgen für das Ausmaß der Populationen.

„Die Behauptungen, die Umweltgruppen verbreitet haben, sind spekulativ und beziehen sich höchstens auf Einzelfälle“, erklärt Martin. „Sie verweisen darauf, was passieren könnte.“ Richie Miller, Chef des beteiligten Unternehmens Spectrum Geo in Houston, gibt ihr Rückendeckung. „Wir haben noch nie eine Verletzung oder den Tod von Meeressäugern aufgrund unserer Operationen erlebt“, sagt er. Auch sonst habe er im Umfeld seiner Industrie „das noch nie gesehen oder davon gehört“.

Den Tierschützern sind entsprechende Berichte hingegen alles andere als fremd. Bei den Tests vor New Jersey im vergangenen Jahr seien innerhalb von Tagen nach deren Beginn mindestens drei tote Wale gefunden worden, sagt Cindy Zipf von „Clean Ocean Action“. Untersucht worden sei der Tod der Tiere nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%