Umstrittenes Bahnprojekt in Kenia: Per Hochbahn durch den Nationalpark?

Umstrittenes Bahnprojekt in Kenia: Per Hochbahn durch den Nationalpark?

, aktualisiert 04. Dezember 2016, 13:29 Uhr
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Demnächst sollen hier Züge hoch über den Köpfen von Löwen und Zebras rollen.

Quelle:Handelsblatt Online

In Kenia soll eine Bahnstrecke über ein Naturschutzgebiet hinweg gebaut werden. Umweltschützer fürchten, dass die kilometerlange Brücke den Wildtieren schadet. Doch die Trasse hat mächtige Unterstützer.

NairobiDen Löwen, Zebras und Gazellen von Nairobi donnert bald die Bahn über die Köpfe. Ihr Refugium wird damit zerstört – so sehen es zumindest Umweltschützer, die gegen ein entsprechendes Projekt Sturm laufen. Die Verfechter der Zugstrecke durch den Nationalpark in der kenianischen Hauptstadt hingegen betonen die wirtschaftliche Bedeutung – und dass die Tierwelt keineswegs beeinträchtigt werde.

„Es gibt Leute, die sagen, dass die Strecke den Nairobi-Park zerstört“, erklärt Präsident Uhuru Kenyatta. „Das ist Unsinn.“ Der Park werde überdauern, versichert er. „Wir möchten, dass sie aufhören, die Menschen aufzuwiegeln“, sagt er über die Umweltaktivisten. „Lasst uns die Eisenbahn bauen. Kenia will sich entwickeln, und die Tiere werden weiter geschützt und behütet sein. Und die Erde dreht sich weiter. Ich möchte versichern, dass nichts geschieht, was den Nairobi-Park zerstört.“

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Im ältesten Schutzgebiet Kenias, gegründet 1946, leben Löwen, Leoparden, Giraffen und Zebras ebenso wie Flusspferde, Büffel und Gnus. Selbst die selten gewordenen Spitzmaulnashörner gibt es hier. Das 117 Quadratkilometer große Areal liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum Nairobis entfernt. Auf Safari-Touren lassen sich die Wildtiere fotogen vor der Kulisse der Metropole beobachten.

Eine im Bau befindliche 600 Kilometer lange Bahnstrecke nach Mombasa am Indischen Ozean soll nun den Park durchqueren. Vorgesehen ist eine sechs Kilometer lange Brücke über das Schutzgebiet. Die Stützpfeiler seien hoch genug, damit jede auch noch so große Giraffe bequem darunter durchspazieren könne, erklärt Christian Odhiambo, Ingenieur bei der kenianischen Bahn. Die Bewegungsfreiheit der Tiere werde überhaupt nicht eingeschränkt.

Auch die Parkverwaltung hat sich hinter das von China finanzierte Projekt gestellt. Er sei sicher, dass sich alles im Rahmen des Gesetzes bewege, sagt Leiter Richard Leakey, der das Vorhaben der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Juristen könnten das zwar infrage stellen, aber klar sei doch: „Wir beschmutzen den Park nicht.“ Der Bau einer Bahnstrecke über das Areal sei höchstens eine Beleidigung fürs Auge. „Leute, die über den Park blicken und sagen wollen, wie schön er ist, werden Gleise sehen – und was soll's?“


Der Vorwurf der Bestechlichkeit steht im Raum

Manche Tierschützer stimmen dem zu, viele aber sind entrüstet. „Es gibt Gründe, warum Nationalparks existieren“, protestiert der Umweltaktivist Akshay Vishwanath. Die Bahnstrecke solle weder durch noch über oder unter den Park gehen. Die Gebiete seien klar für ein bestimmtes Ziel ausgewiesen, und das sei nun einmal Schutz und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Etliche Umweltschutzorganisationen versuchen nun, die Bahn noch umzuleiten. Vor Gericht haben sie einen vorläufigen Stopp des Trassenbaus innerhalb der Parkgrenzen erwirkt, bis die kenianische Umweltbehörde Nema ein Unbedenklichkeitsgutachten vorgelegt und die Richter dies auch abgesegnet haben.

In einem ersten Bericht heißt es, dass die Eisenbahn den Park und seine tierischen Bewohner nicht beeinträchtigen würde. Dies wiederum hat der Behörde den Vorwurf der Bestechlichkeit eingebracht. Anhaltende Proteste vor dem Sitz der Nema sind angekündigt.

Auch auf die chinesischen Kreditgeber, die die Finanzspritze für das auf 3,8 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) geschätzte Bauprojekt liefern, machen die Demonstranten Druck. Vor der Botschaft der Volksrepublik forderten Aktivisten erst kürzlich einen Rückzug von der chinesischen Exim-Bank. Sie stellt etwa 90 Prozent der Gelder zur Verfügung.

Der chinesische Botschafter gibt sich unbeeindruckt. Sein Land sei nicht verantwortlich für die Entscheidung, die Route durch den Nationalpark zu führen, sagte er der Nachrichtenagentur AP. „Wir stellen die Kredite zur Verfügung“, erklärt Liu Xianfa. „Und ich denke, dass die Ministerien, die Fachleute eine Entscheidung auf der tragfähigen Grundlage wissenschaftlicher Bewertung treffen.“

Regierung und Bahn betonen vor allem die Wichtigkeit der neuen Strecke für die wirtschaftliche Entwicklung Kenias. Die alte Verbindung zwischen der Hauptstadt und der Hafenstadt Mombasa stammt noch aus der Kolonialzeit. Beim neuen Bauprojekt sollen noch viele hundert Kilometer folgen: Die Trasse soll weiter ins Innere des Kontinents führen und Kenia mit Uganda, Ruanda, Burundi und dem Südsudan verbinden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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