Umweltkatastrophe: Chiles Fischer kämpfen gegen giftige Algen

Umweltkatastrophe: Chiles Fischer kämpfen gegen giftige Algen

, aktualisiert 21. Mai 2016, 14:43 Uhr
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Giftige Algen verwandeln die Küstengewässer mancher Regionen in Todeszonen.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine Algenpest sucht die chilenische Küste heim. Vögel und Meerestiere verenden in der giftigen Brühe, Fischer fürchten um ihre Lebensgrundlage. Schuld ist El Niño – auch wenn die Betroffenen das nicht glauben wollen.

Insel ChiloéDie Inseln an der chilenischen Pazifikküste sind eigentlich bekannt für ihre dramatischen Landschaften, zahlreiche Wildtiere, malerische Pfahlhäuser und Kirchen aus der Kolonialzeit. Was heute die Aufmerksamkeit für Chiloé und andere Inseln erregt, ist weniger pittoresk: Eine giftige Algenblüte bedroht die Meerestiere und damit auch die Lebensgrundlage der Fischer.

Blau-grüne Algen bedecken die Küste mit einem gesundheitsschädlichen Schaum, bekannt als die rote Flut. „Sie haben unsren Ozean ermordet“, sagt Marisol Millaquien und zeigt auf die faulig stinkende Brühe.

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Wegen der schlimmsten Algenpest aller Zeiten in der Gegend hat die Fischerin seit Wochen keine Arbeit mehr. Ihre Kollegen sprechen von einer stillen Katastrophe. Die Regierung hat an der Südküste, die für ihre Vogelwelt bekannt ist, den Notstand ausgerufen.

Die Algen sondern ein Gift ab, das das zentrale Nervensystem lähmt und für Vögel, Fische und andere Meerestiere tödlich sein kann. Menschen, die Krebse aus den Algengebieten verspeisen, sind ebenfalls gefährdet.

Der Blick aus Millaquiens Hütte ist niederschmetternd: Dutzende Geisterboote, von den Fischern verlassen, Vogelkadaver und tote Krebse bedecken die Küste. „Ich bin 46. Ich habe die rote Flut früher gesehen, aber sie war nie wie das“, sagt Millaquien.

Wie viele Anwohner kann auch sie nicht glauben, was Wissenschaftler herausgefunden haben – dass diese Umweltkatastrophe von wärmerem Wasser ausgelöst wurde, das wiederum auf das Wetterphänomen El Niño zurückzuführen sei.

Für Millaquien tragen Lachsfarmen die Schuld. Die hätten verseuchten Fisch im Meer abgeladen, sagt sie. Tatsächlich sind vor der Küste Millionen Lachse verendet – allerdings wegen einer anderen Algenblüte. Diese senkte den Sauerstoffgehalt im Wasser so weit, dass die Fische erstickten.

„Wir können gar nichts mehr fangen, nicht mal zum Essen, zum Überleben“, klagt die alleinstehende Mutter dreier Kinder. Andere Seuchen seien nicht so schlimm gewesen, weil ihr das Meer immer noch genug Nahrung geboten habe.


Die rote Flut könnte noch Monate andauern

Die Fischerei ist das Rückgrat viele Gemeinden an Chiles schier endloser Küste. Millaquien sagt, sie mache sich Sorgen um die Einwohner ihrer Insel. Die Nahrungsknappheit könne die Gemeinschaft auf Chiloé zerreißen, die ansonsten fest zusammenhalte.

„Einige sind deprimiert, Ehen sind zerbrochen. Und das hat alles damit zu tun, dass es Hunger gibt. Kinder haben keine Milch, es gibt Rechnungen zu bezahlen und keiner kann warten“, sagt sie.

Experten erwarten, dass die rote Flut noch monatelang vor der Küste schwappt. Die Fischer verlangen von der Regierung höhere Entschädigungen, als diese ihnen zugesteht. Einig von ihnen haben Chiloé mit brennenden Barrikaden tagelang vom Festland abgeschnitten.

Millaquien glaubt dagegen, dass sie gar nichts bekommt. Sie habe zwar jahrelang Fische und Meeresfrüchte gefangen, sagt sie. Doch ihr Name stehe nicht im amtlichen Verzeichnis der Entschädigungsberechtigten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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