Unfallversicherungen im Test: Die richtige Police gegen Sturz und Zeckenbiss

Unfallversicherungen im Test: Die richtige Police gegen Sturz und Zeckenbiss

, aktualisiert 29. Dezember 2015, 20:35 Uhr
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Für Unfälle in der Freizeit kommt die gesetzliche Unfallversicherung nicht auf.

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Alle fünf Sekunden ereignet sich in Deutschland ein Unfall, zwei Drittel davon in der Freizeit. Eine private Unfallversicherung springt dann ein. Experten haben im Auftrag des Handelsblatts die Angebote getestet.

MünchenDie Welt kann gefährlich sein. Alle fünf Sekunden ereignet sich in Deutschland ein Unfall, zwei Drittel davon in der Freizeit. Für diesen Schaden zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht – private Unfallversicherungen kommen dann zum Einsatz. Sie versprechen Hilfe wenn es auf der Skipiste zu einem Unfall gekommen ist, man beim Fensterputzen von der Leiter gefallen ist oder ein Zeckenbisse böse Folgen hat.

Bei folgenschweren Unfällen, die zu dauerhafter Invalidität führen, zahlt eine Unfallversicherung eine hohe, einmalige Summe. Geld, das helfen kann, das Haus oder die Wohnung barrierefrei umzugestalten oder Einkommensverluste auszugleichen.

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Ein vollwertiger Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind solche Versicherungen jedoch keineswegs, warnen Verbraucherschützer. Denn die meisten berufsunfähigen Menschen könnten ihren Job aufgrund von Krankheiten nicht mehr ausüben, Unfälle seien nur in etwa zehn Prozent der Fälle der Grund. „Wichtiger ist es folglich, sich erstmal gegen Berufsunfähigkeit insgesamt abzusichern. Wer das aufgrund von Vorerkrankungen nicht kann oder sich zusätzlich absichern möchte, kann über den Abschluss einer Unfallversicherung nachdenken – zu den wichtigsten Policen gehört sie jedoch nicht“, heißt es so bei Verbraucherzentrale Hamburg.

Und trotz Abschluss einer privaten Unfallversicherung kann man schlecht abgesichert sein, warnen die Versicherungsexperten von Franke und Bornberg. Zahlreiche Verträge böten durch zu niedrige Summen oder Schwächen im Kleingedruckten keinen ausreichenden Schutz. Die Unterschiede bei den Produkten der einzelnen Anbieter seien in Bezug auf Leistung und Konzept „beträchtlich“. Und es sei leicht, auf ein falsches Produkt reinzufallen: „Immer wieder werben Versicherer mit Teilleistungen, die sich gut in griffige Werbeslogans verpacken lassen, aber nichts über die wirkliche Leistungsstärke des Produktes aussagen“.

Im Auftrag des Handelsblatts hat Franke und Bornberg deswegen Versicherungspolicen einer genauen Prüfung unterzogen. Tarife, die nicht nur auf einen – günstigen – Basisschutz abzielen, sondern auch darüber hinaus gehende Extra-Leistungen beinhalten, wie etwa die Übernahme unfallbedingter Zahnersatz- und Zahnbehandlungskosten oder die Mitversicherung von Unfällen aufgrund von Bewusstseinsstörungen durch Medikamenteneinnahme.


Versicherung auf Kriterien abklopfen

In dem Test wurden zahlreiche Kriterien abgeklopft. Damit die Versicherung aber überhaupt in die Klasse „Topschutz“ fällt, mussten mindestens die folgenden Merkmale abgedeckt werden: Die Frist zur Geltendmachung der Invalidität nach dem Unfall beträgt mindestens 18 Monate, der leistungsschädliche Mitwirkungsanteil von Krankheiten und Gebrechen liegt bei 40 Prozent oder mehr, der Versicherungsschutz umfasst mindestens eine Strahlenart, auch wenn die Gesundheitsschädigung nicht infolge einer Heilmaßnahme auftritt, Tod durch Ertrinken und Ersticken ist ebenfalls versichert, Versicherungsschutz für Zeckenstiche oder sonstige Verletzungen durch Tiere und Leistung für kosmetische Operationen.

Versicherungen, die das bieten, seien „grundsätzlich allen Verbrauchern zu empfehlen, die einen umfassenden Unfallschutz bevorzugen und auch finanzieren können“, meint Franke und Bornberg. Als Beispiel für einen Versicherungsnehmer wurde ein 25-jährigen Mann genommen - einmal mit dem Beruf eines Bankkaufmanns, ein weiteres Mal ein Handwerker.

Diese sogenannten Gefahrengruppen sind für Versicherer entscheidende Merkmale und können daher einen erheblichen Preisunterschied ausmachen. Wichtig sind bei Abschluss einer Unfallversicherung auch die Faktoren „Gliedertaxe“ und „Progression“. Unter der Progression versteht man, dass die Auszahlungssumme steigt, je schlimmer die Verletzungen sind.

Bei der Kalkulation der Auszahlungssumme greifen die Versicherungen dabei auf eine sogenannte Gliedertaxe zurück. Danach werden beispielsweise 20 Prozent gezahlt, wenn man durch einen Unfall den Daumen verliert oder nicht mehr benutzen kann. Trifft es ein Auge, gibt es 50 Prozent der Invaliditätssumme. Die versicherten Summen sollte man daher nicht zu niedrig anzusetzen.

Testsieger in der Premiumklasse wurde von der InterRisk Versicherung der Tarif „Konzept XXL mit Standard Taxe“. Hier vergaben die Experten die Gesamtnote sehr gut beziehungsweise 1,2. Ein Bankkaufmann muss für eine solche Versicherungspolice im Jahr 120,17 Euro zahlen, ein Handwerker 216,28 Euro.


Welche Tarife am besten abschneiden

Ebenfalls mit „sehr gut“ schlossen der Tarif „Top-Schutz“ der Hanse Merkur ab, „Premium-Schutz“ der Barmenia, „Best Selection Trend“ der Janitos, „Komfort-Paket“ der Helvetia, „Unfallversicherung Domcura Top-Schutz“ von Domcura, „Unfallversicherung Top VIT“ der Versicherung Oldenburg, „EXKLUSIV“ der VHV, „VARIO Vollschutz“ der Haftpflichtkasse Darmstadt, „Unfallversicherung Premium Plus“ der Interlloyd, „Exclusiv“ der Ammerländer Versicherung und der „Swiss Life-Primus Plus“ der Swiss Life.

Die Note „gut“ erhielten die „Unfall-Police OPTIMAL Prestige“ von die Bayerische, der Tarif „Premium“ der ARAG, „Exclusiv Fair Play“ der Ostangler Brandgilde, „UnfallProtect-Max“ der Basler Sachversicherung, „Sorglos“ der Concordia, „Unfallversicherung Classic“ der HUK-COBURG, „NV UnfallPremium 3.0“ der NV-Versicherungen, „Unfallversicherung Classic“ der Bruderhilfe Sachversicherung, „Unfall Easy Komfort“ von der Volkswohl Bund Sachversicherung, „Komfort extra“ von Axa, „Unfallversicherung“ von der Waldenburger Versicherung, „Premium“ der INTER Allgemeine und „Exklusiv“ der Würzburger Versicherung.

Von den Angeboten der Direktversicherer bewertete Franke und Bornberg den Tarif „EXCLUSIV“ der Hannoverschen Direktversicherung mit „sehr gut“.

Eine Übersicht über alle getesteten Tarife finden Sie in der Tabelle, dazu den Kriterienkatalog. Klicken Sie einfach auf den untenstehenden Link:

Quellle:  Handelsblatt Online
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