Unicredit: EZB verlangt ultimativen Plan für faule Kredite

Unicredit: EZB verlangt ultimativen Plan für faule Kredite

, aktualisiert 30. Januar 2017, 10:35 Uhr
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Die italienische Großbank steckt in der finanziellen Klemme. Nun machen die EZB-Aufseher Druck.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank setzt die italienische Großbank Unicredit unter Druck. Diese soll bis Mitte Februar einen Plan für den Umgang der faulen Darlehen vorlegen – nicht die einzige Bank im Visier der EZB-Aufseher.

MailandMitten in ihrer milliardenschweren Kapitalerhöhung gerät die italienische Großbank Unicredit wegen fauler Kredite immer stärker unter Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) wolle bis Ende Februar eine Strategie sehen, wie das Institut seine Probleme mit den Darlehen bewältigen wolle, teilte die Bank am Montag mit. Die Bank habe zum Ende des Jahres die individuellen Kapitalanforderungen (SREP-Quote) der EZB wegen ihrer 12,2 Milliarden Euro schweren Abschreibungen nicht erfüllt.

Die EZB habe eine Reihe von Risiken aufgezeigt, die neben den faulen Krediten auch die Liquidität sowie Schwierigkeiten wegen der Geschäfte mit Russland und der Türkei umfassten. Die als Bankenaufsicht fungierenden Zentralbank habe auch die anhaltend schwache Rentabilität moniert. Insgesamt liefen derzeit vier EZB-Überprüfungen.

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Unicredit will 13 Milliarden Euro frisches Kapital aufnehmen, um damit den Konzernumbau zu finanzieren. Es handelt sich um die größte Kapital-Sammelaktion in der italienischen Wirtschaftsgeschichte. Unicredit will 17,7 Milliarden Euro an faulen Krediten loswerden und 14.000 Stellen streichen.

Die deutsche Tochter Hypo-Vereinsbank hilft der Muttermit Kapitalspritzen. Noch in diesem Jahr erhält Unicredit von Hypo-Vereinsbank (HVB) eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro. Das geht aus dem Registrierungsdokument von Unicredit für die Kapitalerhöhung hervor, das am Montag veröffentlicht wurde.

Die HVB gilt mit einer harten Kernkapitalquote von mehr als 20 Prozent als überkapitalisiert, seit sie ihre ehemalige Tochter Bank Austria an den Mutterkonzern abgegeben hatte. Doch die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte sich lange gegen hohe länderübergreifende Kapitaltransfers gesperrt. Nun untersteht Unicredit aber der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), die dagegen offenbar weniger einzuwenden hat. Insgesamt erwartet Unicredit von ihren Tochtergesellschaften 2017 Kapitalspritzen von 4,1 Milliarden Euro. Bis 2019 sollen weitere 1,7 Milliarden Euro folgen.

Nicht nur die Unicredit, sondern auch der italienische Bankensektor insgesamt wird von den Aufsehern der Europäischen Zentralbank kritisiert. In einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Reppublica“v (Montagsausgabe) kritisierte die EZB-Chefbankenaufseherin Daniele Nouy die Politik des Landes. In den vergangenen drei Jahren sei zu wenig zur Lösung der vielen Problemkredite in den Bankbilanzen unternommen worden.

Positiv werte sie aber den Schritt der italienischen Regierung, 20 Milliarden Euro zur Unterstützung strauchelnder Geldhäuser bereitzustellen, sagte die Französin. Kritik, die Bankenaufsicht gehe mit deutschen Instituten milder um, wies Nouy zurück. „Wir behandeln alle auf die gleich Weise“, sagte sie. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist seit Herbst 2014 für die direkte Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone zuständig. Inzwischen werden von ihr 126 Institute überwacht.

In dem Interview wollte sich Nouy nicht zu einem möglichen Zusammenschluss der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo mit dem Versicherer Generali äußern. „Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau, wenn sie die Banken betreffen, die wir überwachen“, sagte sie lediglich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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