Universitätsklinik Berlin: Charité liefert erneut schwarze Zahlen

Universitätsklinik Berlin: Charité liefert erneut schwarze Zahlen

, aktualisiert 29. Februar 2016, 12:59 Uhr
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Das größte deutsche Universitätsklinikum schreibt zum fünften Mal in Folge schwarze Zahlen.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Während viele Unikliniken mit Verlusten kämpfen, gelingt es der Berliner Charité erneut, Geld zu verdienen. Aber steigende Pensionsrückstellungen werden für das größte deutsche Universitätskrankenhaus zum Problem.

Karl Max Einhäupl ist sichtlich zufrieden. Zum fünften Mal in Folge hat das größte deutsche Universitätsklinikum Charité ein positives Jahresergebnis abgeliefert. „Wir sind stolz darauf, dass die Verbesserung keine Eintagsfliege ist, sondern eine echte Konsolidierung“, sagt der Vorstandvorsitzende in Berlin: „Wir haben die Charité umstrukturiert, dass sie wirtschaftlich arbeitet.“ 2015 legte der Umsatz des Berliner Universitätsklinikums um knapp sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis vor Steuern (Ebit) kletterte um 9,5 Prozent auf 33,4 Millionen Euro.

Dass Unikliniken Geld verdienen, ist keine Selbstverständlichkeit. Laut der letztjährigen Umfrage des Verbandes der Universitätskliniken erwarteten nur zehn Prozent der 32 Häuser ein positives Jahresergebnis für 2015. Mehr als 60 Prozent gingen von roten Zahlen aus.

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Unikliniken stehen an der Spitze der medizinischen Leistungspyramide. Sie müssen dafür ausgestattet sein, Patienten mit schwersten Erkrankungen zu versorgen – Fälle, für die viele andere Kliniken gar nicht ausgelegt sind. Deswegen arbeiten Unikliniken mit höheren Personal- und Sachkosten als andere Kliniken, da sie mehr Experten beschäftigen, hoch spezialisierte Instrumente und Maschinen vorhalten und außerdem Kapazitäten für eine ständige Notfallversorgung bereithalten müssen. Weil die Abrechnung der Leistungen aber über festgelegte Fallpauschalen erfolgt, die die höheren Kosten der Unikliniken nicht abdecken, hat sich die wirtschaftliche Not vieler Unikliniken in den vergangenen Jahren verschlechtert.

Der Neurologie-Professor Karl Max Einhäupl übernahm im September 2008 den Vorstandsvorsitz der Charité, die damals nicht aus den roten Zahlen kam. Das neue Managementteam schaffte 2011 den versprochenen Turnaround. Dass die Charité nun seit Jahren mit schwarzen Zahlen aufwartet, ist einer Reihe von Maßnahmen zu verdanken, mit der die Strukturen in der Uniklinik effizienter gemacht wurden. Beispiel Einkauf: Die Fülle der eingesetzten Produkte wurde reduziert, Lieferanten gebündelt und neue günstigere Verträge verhandelt. So konnte die Charité im vergangenen Jahr die Kosten für chirurgische Materialien um 24 Prozent senken.

Außerdem kooperiert die Charité seit Jahren mit dem Vivantes-Klinikum in Berlin. Seit 2001 wird ein gemeinsames Labor betrieben, seit Mitte vergangenen Jahres eine gemeinsame Strahlentherapie. Alexander Hewer, zuständig für Finanzen und Einkauf bei der Charité, beziffert die jährlichen Einsparungen aus der Kooperation mit Vivantes auf 44 Millionen Euro.

Für das Wachstum der Charité sorgten im vergangenen Jahr steigende Patientenzahlen: So kletterte die Zahl der vollstationären Fälle um 3,7 Prozent auf knapp 135.200. Außerdem wurden mehr schwere Fälle behandelt, die höher vergütet werden. Die Zahl der Mitarbeiter (auf volle Stellen gerechnet) wuchs in der Krankenversorgung dagegen unterproportional um 0,4 Prozent auf 6610 Vollkräfte, hinzu kommen 1910 Vollkräfte im Bereich Forschung und Lehre. Inklusive Teilzeitbeschäftigte gerechnet beschäftigt die Charité rund 13.200 Mitarbeiter, davon knapp 700 Beamte.

Die Arbeitsverdichtung der Mitarbeiter ist laut Einhäupl mittlerweile so groß, dass viele Ärzte nicht mehr in dem Maße forschen können, wie sie es in einem Universitätsklinikum eigentlich tun sollten. Vor diesem Hintergrund wertet es Einhäupl als Erfolg, das mit 149 Millionen Euro fast genauso viele Drittmittel wie 2014 eingeworben werden konnten.

Trotz des Zuwachses beim operativen Ergebnis hat sich unter dem Strich der Gewinn der Charité von 7,6 auf 3,7 Millionen Euro mehr als halbiert. Grund sind vor allem steigende Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen. Für die Sicherung der Altersversorgung muss die Charité, die nach HGB bilanziert, Rückstellungen bilden, die abgezinst werden. Der Wert orientiert sich am Marktzins. Sinkt dieser, müssen mehr Mittel auf die hohe Kante gelegt werden.

2015 stiegen die Pensionsrückstellungen der Charité um knapp 16 Prozent auf 198,4 Millionen Euro. Alexander Hewerer, Leiter Finanzen, geht davon aus, dass die Rückstellungen für die Altersversorgung auch in diesem Jahr weiter zunehmen. Unter anderem deshalb kalkuliert die Charité-Führung für 2016 mit einem erneut niedrigeren Ergebnis von etwa 1,9 Millionen Euro. Der Umsatz soll nach den derzeitigen Plänen zwischen ein und zwei Prozent steigen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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