Versandhandel Amazon tritt in die Fußstapfen von Quelle

Das Ende von Quelle ist besiegelt -doch das Geschäftsmodell Versandhandel ist alles andere als tot. Der Online-Händler Amazon wird mit Erfolg zu dem, was Quelle einst war: Ein Massenversender mit Universalsortiment.

Amazon.com-Mitarbeiter in Bild vergrößern Amazon.com-Mitarbeiter in einem Versandzentrum: Der Einstieg ins Lebensmittelgeschäft ist nur noch eine Frage der Zeit AP

Das waren Zeiten: Jeder zweite Haushalt der Bundesrepublik war Kunde des Quelle-Versands – vor 30 Jahren. Inzwischen ist Quelle pleite, der Notverkauf des insolventen Versandhauses scheiterte in der vergangenen Woche. Doch ausgerechnet bei einem der ärgsten Wettbewerber, dem Online-Händler Amazon, lassen sich die goldenen Versandhauszeiten noch studieren. Stichwort Quelle eingeben, auf das Einkaufswagensymbol klicken und für neun Euro kommt tags darauf „Die Quelle-Story: Ein deutsches Unternehmen im Spiegel der Zeit“ nach Hause. Erkenntnisreicher als das Fachbuch ist allerdings das Amazon-Verkaufsmodell.

Dass der Online-Händler aus dem amerikanischen Seattle Bücher und CDs vertreibt, dürften inzwischen zwar selbst renitente Internet-Verweigerer registriert haben. Weniger bekannt ist, dass der Konzern sein Sortiment systematisch ausbaut und elf Jahre nach dem Start in Deutschland bereits der drittgrößte Versandhändler der Republik ist. Mehr noch: „Amazon ist längst zu einer Art Über-Quelle geworden”, sagt der Kölner Handelsexperte Ulrich Eggert. Die Auswahl sei größer, die Kundenstruktur heterogener, als sie bei Quelle je war.

T-Shirts und Frischfleisch

Weltweit kaufen rund 94 Millionen Kunden bei Amazon ein, in Deutschland sind es nach Zahlen des Marktforschers GfK 16,7 Millionen – mit steigender Tendenz. Denn der frühere Buch- und CD-Spezialist ist zum Generalisten geworden, der sein Sortiment beharrlich ausweitet. Egal, ob Digitalkameras, Haushaltswaren oder Kosmetik – inzwischen deckt der Online-Händler fast alles ab.

Neuerdings hat Amazon in Deutschland auch Jeans und T-Shirts, Büromöbel und Musikdownloads im Programm. Und demnächst will Amazon in Kooperation mit dem Mönchengladbacher Familienunternehmen Schulte & Sohn gar Edel-Frischfleisch anbieten, heißt es in der Branche. Das Pfund Bison Entrecôte soll es dann ab 27,20 Euro geben, das Kilo Angus Rumpsteak wird wohl 48,90 Euro kosten. Amazon will die Nahrungsmitteloffensive zwar nicht bestätigen, doch Anfang Oktober meldete Deutschland-Chef Ralf Kleber Interesse am Lebensmittelmarkt an. Es gehe „nicht um eine Frage des Ob, sondern einzig des Wann“, so Kleber.

Eine solche Sortimentsexpansion kann sich der Online-Primus nur leisten, weil sich die Marke tief ins Gedächtnis der Konsumenten gebrannt hat. Amazon rangiert inzwischen vor Aldi und Ikea als markenstärkstes Handelsunternehmen Deutschlands, zeigt eine Analyse des Beratungsunternehmens BBDO. Ein Anker ist für viele Kunden dabei wohl noch immer die vermutete Kompetenz im Buchgeschäft.

Seite 1 | 2weiterlesen


Weitere Artikel aus Unternehmen & Märkte


6 Kommentare zu “Amazon tritt in die Fußstapfen von Quelle”

von lino am 27.10.2009 21:39 Uhr

von Frank Eckhardt am 27.10.2009 21:25 Uhr

Diesen Artikel kommentieren

Bitte geben Sie den Code aus dem Bild in das nebenstehende Feld ein.

captcha
NEWS powered by Handelsblatt.com
alle News

Börse aktuell


Tagesverlauf des Dax – Aktuell: 5982.43
IndexWertProzentuale Schwankungen im Vergleich zum Vortage
Dax5982.43 -0,50%
Dow10741.98 -0,35%
Nasdaq1932.43 -0,59%
Stoxx 502897.95 -0,54%
Rohöl ($/B)78.36 -2,57%
Euro(USD)1.35 -0,65%

Ihr Depot bei wiwo.de: Info & Anmeldung

Die Erfolgsrezepte des Mittelstands
Ein Mechanikerarbeitet in den

Wie Sie als Mittelständler erfolgreich sind und das Wachstum sichern: In unserem Spezial "Blickpunkt Mittelstand" finden Sie aktuellen Nachrichten, Zahlen und Studien und die interessantesten Köpfe und Unternehmen des Mittelstands. zum Spezial

Neu: Podcast wiwo hör-bar
Podcast wiwo hör-bar

Journalismus hautnah: Jede Woche erfahren Sie in Gesprächen mit Reportern und Redakteuren mehr über die Entstehung der spannendsten WirtschaftsWoche-Artikel. Hören sie rein! zur Podcast-Seite

NEU: Die Köpfe der Dax-Konzerne
DAX30 kleines Teaserbild

Wer sitzt wo im Vorstand, wer kontrolliert wen als Aufsichtsrat? In den Köpfen der Wirtschaft finden Sie jetzt alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Dax-Konzerne. Hier können Sie die Vernetzungen und alle Posten von Ackermann & Co. recherchieren.

Zu den Dax30-Köpfen

Was die Dax-Chefs verdienen
Managergehälter

Mit seinem Boni-Verzicht ist Deutsche Bank-Chef Ackermann eine Ausnahme. Sehen Sie in unserer Übersicht, wie sich die Bezüge der wichtigsten deutschen Manager in der Krise entwickelt haben. 

In Kooperation mit:

Unternehmen von A-Z
Karriere.de Unternehmensdatenbank

Mehr als 1.000 Profile der größten deutschen Unternehmen aller Branchen finden Sie in der Unternehmensdatenbank von Karriere.de.

WirtschaftsWoche exklusiv

HRS Hotelreservierung

 
Hotels von HRS in Kooperation mit wiwo.de


Blogkommentare zu diesem Artikel


Service-Tools
alle Tools anzeigen
Geschäftsberichte
Konferenzen
Marktstudien €
Tagungsstätten
Executive Karriere
Währungsrechner
Partnersuche
Arztsuche
Newsletter Blickpunkt Mittelstand

Wahre Wachstumstreiber - jeden Mittwochabend: Mehr im neuen Newsletter „Blickpunkt Mittelstand“ von handelsblatt.com und wiwo.de – hier abonnieren.  >>LETZTEN NEWSLETTER LESEN >> BESTELLEN

Mit Dienstleistungen die Zukunft gestalten
8. Dienstleistungstagung

wiwo.de präsentiert als Medienpartner die 8. Dienstleistungstagung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 22. und 23. April. Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft informieren und diskutieren über zukunftsfähige Dienstleistungen und Dienstleistungsforschung. 
Weitere Informationen gibt es hier