Kreativer Wettbewerb Der Schwulen-Faktor

Das Buhlen um die Schwulen zahlt sich für Köln auch finanziell aus. Die Stadt präsentiert sich auf internationalen Touristikmessen als „gay-friendly“ und gibt rosa-lila Stadtführer heraus. Denn der Homotourismus spült viel Geld in die Stadt. Homosexuelle geben für Reisen im Schnitt drei- bis viermal so viel Geld aus wie der Durchschnittsdeutsche, ergab eine Umfrage der Berliner Marketingagentur Publicom! unter rund 3000 Schwulen und Lesben. Beliebteste Ziele: Berlin, Amsterdam und Köln.

Sind sie erst einmal in der Stadt, wird kräftig konsumiert: Vor viereinhalb Jahren war Köln Gastgeber der europaweit zentralen Kundgebung anlässlich des Christopher Street Day. Der Gedenktag erinnert an die erste größere Schwulenbewegung der Geschichte: In der New Yorker Christopher Street protestierten 1969 sexuelle Minderheiten gegen Polizeirazzien und Verhaftungen. Inzwischen hat der Gedenktag auch eine ökonomische Relevanz: Die rund 126.000 auswärtigen Besucher haben während der Parade 2002 rund 53 Millionen Euro ausgegeben, schätzt die Stadtverwaltung.

Das nächste Großereignis steht schon im Kalender: Köln wird 2010 die Gay Games ausrichten, die Olympischen Spiele der Schwulen und Lesben. Etwa 10.000 Sportler aus aller Welt kommen für eine Woche an den Rhein. Die Spiele werden Kölner Hotels, Gaststätten und Kneipen ein Umsatzplus von 43 Millionen Euro bringen, schätzt der Kölner SC Janus, Europas größter schwul-lesbischer Sportverein. Mit den Gay Games ist es den Kölnern gelungen, scheinbar übermächtige Bewerber wie Paris auszustechen, das immerhin mit Bertrand Delanoë einen schwulen Bürgermeister hat.

Auch in Berlin steht mit Klaus Wowereit ein bekennender Schwuler an der Spitze. Nirgendwo in Deutschland leben mehr Schwubiles (Schwulen, Bisexuelle und Lesben). Allerdings geht die These des Wissenschaftlers Florida ausgerechnet an der Spree nicht auf, Berlin steht wirtschaftlich miserabel da. „Man muss der Stadt Zeit geben, sich vom jahrzehntelangen Inselstatus zu erholen“, sagt Ilse Helbrecht, Geografie-Professorin an der Uni Bremen.

International lassen sich hingegen einige Belege für Floridas Thesen finden. Etwa die wirtschaftlich erfolgreiche australische Metropole Sydney (siehe Kasten) oder die Mutter aller Schwulenstädte, San Francisco. Das angrenzende Silicon Valley beherbergt Weltkonzerne wie Apple, Google oder Sun Microsystems, gegründet von Querdenkern und Kreativen.

Etwa 14 Prozent der rund 740.000 Einwohner in San Francisco sind homosexuell. Sie leben in Stadtteilen wie Castro, Twin Peaks und Haight-Ashbury, in denen sich eine urbane Lebenskultur mit Mode- und Schmuckgeschäften, Buchhandlungen, Cafés und Bars herausgebildet hat. Das ist hübsch anzusehen, aber es treibt die Mieten. Selbst nach dem Dotcom-Crash im Jahr 2000, als Lofts plötzlich leer standen, gingen die Immobilienpreise nur minimal zurück, um dann wieder zu steigen. Der durchschnittliche Kaufpreis für eine Wohnung im Castro-Viertel hat sich bei rund einer Million Dollar eingependelt.

Auch hierzulande hat die Homo-Idylle ihren Preis. Die Schwulen entdecken bevorzugt zentrale, heruntergekommene Viertel, die sie dann mit ihrer Infrastruktur, Bars, Boutiquen oder Blumenläden überziehen. Dies lockt zeitverzögert urbane Heteros an, es folgen Spitzengastronomen und Edelshops, ganze Straßenzüge ändern so ihr Erscheinungsbild.

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