Medizintechnik boomt Deutsche Medizintechnik zeigt Stärke

Ob der konjunkturelle Aufschwung anhält oder es nach unten geht – kaum eine Branche ist auf den ersten Blick von dieser Frage so unabhängig wie die Medizintechnik. Weil der Bedarf nach medizinischer Versorgung mit dem Alter zunimmt, wachsen die Umsätze der Medizintechnikhersteller weltweit um etwa sechs Prozent – in Deutschland sogar etwas mehr.

FRANKFURT. In diesem Jahr rechnet der Branchenverband Spectaris mit einem Wachstum von über sieben Prozent auf 17,3 Mrd. Euro. Fast zwei Drittel davon entfallen wie schon im Vorjahr auf den Export. Und doch hat sich etwas verändert: „Erstmals seit Jahren erleben wir, dass auch die Umsätze im Inland wieder anziehen“, sagt der Vorsitzende des Verbands, Ulrich Krauss.

Bestätigt sich dieser Trend, wäre es das Ende einer langen Durststrecke. Denn während die Medizintechnik im Ausland schon seit Jahren boomt, hielten sich besonders die deutschen Krankenhausträger mit Neuanschaffungen zurück. Leere öffentliche Kassen in Kommunen und Ländern ließen Ärzteträume von den Segnungen der neuesten bildgebenden Verfahren wie Seifenblasen zerplatzen. Aber auch für kleinere Anschaffungen wie moderne IT oder Gebäudetechnik, die einen effizienteren Klinikbetrieb ermöglicht, fehlte oft das Geld.

Dass sich das Blatt wendet, führen Experten nicht nur auf die steigenden Steuereinnahmen zurück, sondern vor allem auf die steigende Zahl von Krankenhäusern in privater Hand. Betreiberketten wie Rhön-Klinikum, Helios oder Asklepios scheuen auch vor größeren Investitionen nicht zurück, wenn sie sich davon Effiziensteigerungen oder Vorteile im Wettbewerb um den Patienten erhoffen.


Tabelle  Infografik: Siemens fällt zurück / Die weltgrößten Medizintechnikanbieter.


So beschloss etwa Rhön-Klinikum kürzlich, konzernweit die elektronische Patientenakte einzuführen. Der Zuschlag ging an Siemens, ebenso wie bei der Errichtung eines milliardenschweren Zentrums für Schwerionen-Therapie. Rhön-Klinikum gehören bundesweit 46 Einrichtungen, zu denen auch das erste private Universitätsklinikum in Gießen-Marburg zählt. „Die Entscheidungswege sind in einem Privatunternehmen einfach kürzer“, sagt Krauss.

Auch das von ihm geführte Unternehmen, die auf Geräte für die Augenheilkunde spezialisierte Carl Zeiss Meditec, profitiert von der Privatisierung: Ein Großteil der Umsätze entfallen auf dem US-Markt, wo private Augenkliniken in TV-Spots um die Gunst der Patienten buhlen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Lukrativer US-Markt lockt Investoren.

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