Datenskandal Kabel Deutschland: Daten von Hunderttausenden von Kunden an dubiose Callcenter weitergeleitet

Kabel Deutschland, mit 9,1 Millionen Kunden größter Kabelnetzbetreiber in der Bundesrepublik, wird von einem neuen Datenskandal geplagt. Das Unternehmen hat nach Recherchen der WirtschaftsWoche für seine aggressive Telefonakquise in den vergangenen Monaten auch dubiose Callcenter mit Kundendaten versorgt, die nun illegal in Deutschland und im Ausland kursieren.

Als Reaktion auf den Skandal hat Unternehmenschef Adrian von Hammerstein die Verträge mit "auffälligen Callcentern" gekündigt und arbeitet nur noch mit drei Anbietern zusammen, die sich verpflichtet haben, keine Subunternehmer zu beschäftigen. Bis vor wenigen Wochen hatte Kabel Deutschland neben dem eigenen auch externe Callcenter beauftragt, alle 9,1 Millionen Kabelnetzkunden anzurufen und für einen Internet- und Telefondienst per Kabel zu gewinnen. Der Auftrag war so groß, dass einige Callcenter weitere Subunternehmen beauftragten. Eine Million Kundendaten gingen allein an das Oberhausener Callcenter Condor Media AG, recherchierte die WirtschaftsWoche.

Von Mai 2008 bis Februar 2009 gehörte Condor-Media-Vorstand Hakan Akyazi zu den bevorzugten Telefonverkäufern von Kabel Deutschland. Da er den Großauftrag von einer Million Kundendaten nicht alleine abwickeln konnte, schaltete Akyazi weitere Callcenter als Subunternehmer ein. Das Problem: Da die Anrufcomputer nicht funktionierten, die die Mitarbeiter im Callcenter automatisch mit den Kunden verbinden, erhielten die Subunternehmen per E-Mail die Excel-Dateien von Kabel Deutschland mit den vollständigen Kundendaten. "Das war ein Fehler", räumte Akyazi gegenüber der WirtschaftsWoche ein. Die Kundendaten seien aber ohne Bankverbindung herausgegangen, entschuldigt sich der Callcenter-Chef.

Daten kursieren im In- und Ausland

Die Kundendaten kursieren inzwischen im In- und Ausland, so dass die Kunden von Kabel Deutschland immer wieder von Werbern angerufen werden. Schon 2008 hatten sich Beschwerden von Kunden gehäuft, denen immer wieder neue Kabel- und Internetprodukte aufgeschwatzt wurden.

Inzwischen versucht Kabel Deutschland, den Datenabfluss zu stoppen und hat die Telefonverkäufe stark eingeschränkt. Nur noch drei externe Callcenter bekamen nach ausgiebigen Kontrollen des Datenschutzbeauftragten einen neuen Vertrag, bestätigte Kabel Deutschland der WirtschaftsWoche. Der Anteil der Telefonverkäufe am Neukundengeschäft ist auf acht Prozent zurückgegangen. Der überwiegende Teil der Kunden wird nun durch Werbebriefe und via Internet gewonnen. "Auffällige Dienstleister wurden gekündigt", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Um Datenklau zu erschweren, ist eine Weitergabe von Daten nicht mehr erlaubt. "Die neuen Dienstleisterverträge erlauben keine Beschäftigung von Subunternehmern", so ein Sprecher. Ausnahmen muss sich "unser Dienstleister ausdrücklich genehmigen lassen".


21 Kommentare zu “Kabel Deutschland: Daten von Hunderttausenden von Kunden an dubiose Callcenter weitergeleitet”

von Peer Wilms am 08.12.2009 18:31 Uhr

von KDG am 24.08.2009 13:44 Uhr

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