Autozulieferer Karmann plant schon seine Zukunft

Durchatmen beim insolventen Autozulieferer Karmann. Weitere Gläubiger haben austehende Rechnungen gezahlt. Die Verhandlungen mit VW um eine Übernahme laufen - und mit dem Elektroauto E3 plant Karmann schon seine Zukunft.

ARCHIV - Das Logo des Bild vergrößern Durchatmen bei Karmann: VW ist an Übernahme interessiert dpa

Der Autozulieferer Karmann hat nach Angaben des Insolvenzverwalters erneut Geld von Kunden für gelieferte Waren bekommen. Kreisen zufolge beglich unter anderem BMW ausstehende Forderungen. Mit den Mitteln könnten die November-Gehälter der verbleibenden 900 Beschäftigten bezahlt werden.

Mercedes, mit denen Karmann seit Monaten über Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe streitet, habe immer noch nicht gezahlt. Eine Einigung sei in wenigen Tagen zu erwarten, teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters mit. Bis dahin lässt die Karmann-Belegschaft weiterhin auf eigenen Wunsch die Arbeit an Rohbaumodulen für den Sportwagen Mercedes-Benz SLK ruhen. Der Betriebsratsvorsitzende Wolfram Smolinski erklärte, „dass die Belegschaft nicht bereit ist, die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn Mercedes nicht zahlt.“ Der Insolvenzverwalter kritisierte diese Haltung.

Prozesse um Karmann-Entlassungen haben begonnen

Der traditionsreiche Automobilzulieferer musste im April 2009 Insolvenz anmelden. In der Folge kam es zu Massenentlassungen. Vor dem Arbeitsgericht Osnabrück wurden für geschätzt rund 1000 Klagen bereits bis November nächsten Jahres Termine angesetzt. Der Vertreter Karmanns wies einen vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern zurück. Mangels Masse sei das für Karmann nicht bezahlbar. Für die ersten Fälle wollte das Gericht am Nachmittag eine Entscheidung verkünden.

Elektroauto „E3“ mit EWE

Das neu entwickelte Bild vergrößern Elektroauto E3 dpa

Unterdessen wurdedas von Karmann und dem Oldenburger Energiekonzern EWE entwickelte Elektroauto „E3“ offiziell vorgestellt. Das Auto soll Strecken von rund 170 Kilometern zurücklegen können und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde erreichen. Der Wagen ist mit einer Leistung von 37 kW/50 PS bis 58 kW/79 PS ausgestattet und wiegt rund 1500 Kilogramm.

EWE will mit dem „E3“ vor allem Fragen des Stromnetzes erforschen. „Es gibt noch viel zu lernen“, sagte der Leiter der Forschung und Entwicklung, Jörg Hermsmeier. Karmann hofft dagegen, ein neues Geschäftsfeld erschließen zu können. In den nächsten zwei Jahren müssten Grundsatzfragen geklärt werden, sagte Sprecher Christian Eick. „Es reicht nicht, ein bestehendes Auto zu nehmen und den Motor einfach durch eine Batterie zu ersetzen. Insgesamt sollen sechs bis acht Prototypen hergestellt werden. 2012 soll die Serienproduktion beginnen.

Rettung durch VW möglich

Karmann denkt mit seiner erst vor kurzem gegründeten Tochter „Karmann E-Mobil GmbH“ in die Zukunft: Neben dem Bau des „E3“ forschen die Ingenieure auch an einem Elektrokleintransporter, der 2011 in Berlin getestet werden soll. Doch zunächst muss die Insolvenz beendet werden.

Hoffnung kommt derzeit aus Wolfsburg. Der Aufsichtsrat von Volkswagen will sich am Mittwoch in Wolfsburg in einer Sondersitzung mit einem möglichen Einstieg beim Karmann befassen. Der Autokonzern konnte allerdings mit den Karmann-Eigentümerfamilien, denen er Liegenschaften und Anlagen abkaufen müsste, bis Dienstag noch keine Einigung erzielen.

Zwischen den drei Eigentümerfamilien der Karmann KG und VW sei weiter der Kaufpreis strittig. Volkswagen habe für das Gelände eine Übernahme der Schulden der KG in Höhe von 25 Millionen Euro plus zehn weitere Millionen Euro angeboten, angemessen sei aber ein Kaufpreis von 60 Millionen Euro, hieß es in den Eigentümern nahstehenden Kreisen. In VW nahestehenden Kreisen hieß es dagegen, dass Karmann-Gelände solle gegen Übernahme der Schulden den Besitzer wechseln. Ohne Käufer sei das seit 100 Jahren industriell genutzte Areal eine wertlose Altlast.

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