Thalia-Chef Busch "Kultur und Kommerz verknüpfen"

Michael Busch, Chef der Buchhandelskette Thalia, über Hörduschen, das Bücherlesen in Zeiten des iPad, die Rolle des bösen Kapitalisten und den Wettbewerb an mehreren Fronten.

Michael Busch Bild vergrößern Michael Busch Pressefoto Douglas Holding

WirtschaftsWoche: Herr Busch, was war zuletzt Ihr Lieblingsbuch?

Busch: Ich habe begeistert "Payback" von Frank Schirrmacher gelesen.

Es handelt von der Reiz- und Informationsüberflutung durch digitale Medien und der Gefahr, dass man darüber den Blick für das Wesentliche verliert. Ich bin ohnehin eher ein Sachbuch- als ein Belletristik-Leser und nehme mir gerne verschiedene Geschichtsepochen aus unterschiedlichen literarischen Blickwinkeln vor, um sie endlich mal richtig zu verstehen.

Welche zum Beispiel?

Im vergangenen Jahr habe ich mich mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt und Werke wie „Für die Freiheit sterben“ und „How the South could have won the Civil War“ gelesen.

Sie kämpfen selber an vielen Fronten. In der Branche gilt Thalia als der böse Kapitalist, der statt mit Büchern ebenso mit Parfüm oder Gummibärchen handeln könnte, der die Einkaufspreise bei Verlagen drückt, allein auf Bestseller setzt...

Stopp, Gegenfrage: Was glauben Sie, wie viele Bücher hier in dieser Thalia-Buchhandlung in Düsseldorf vorrätig sind, in der wir gerade sitzen?

Zur Person

Busch, 45, ist seit 2003 Bereichsvorstand Bücher der Douglas Holding, zu der die Buchladen-Kette Thalia, aber auch die Douglas-Parfümerien, Christ-Schmuckläden und Hussel-Süßwarenshops gehören. Der Hobby-Triathlet studierte Volkswirtschaftslehre und kam 1993 als Beteiligungs-Controller zu der Unternehmensgruppe im westfälischen Hagen. Thalia betreibt fast 300 Buchläden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Sagen wir 20.000?

30.000 Titel und mehr! Und wir sitzen hier noch nicht einmal in einer großen Filiale. Sieht das nach selektiver Vorauswahl allein unter rein wirtschaftlichen Aspekten aus? Unsere Mitarbeiter in den zentralen Serviceabteilungen geben lediglich 20 Prozent der Bücher als Muss vor. Über den riesigen Rest entscheiden der Filialleiter und sein Team. Und das sind Buchhändler, richtige Überzeugungstäter.

Und gleich sagen Sie bestimmt noch, Thalia sei in Wahrheit ein Kulturbetrieb?

Das wäre schon ein wenig übertrieben. Wir müssen wie jedes andere Unternehmen Geld verdienen, Kundenwünsche erfüllen und Arbeitsplätze sichern. Wir haben mittlerweile über 5000 Mitarbeiter und dabei Hunderte neue Arbeitsplätze geschaffen. Zudem sind wir Hauptsponsor des Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln und eines literarischen Nachwuchswettbewerbs. Für uns ist das die Verknüpfung von Kultur und Kommerz.

Fehlt nur noch, dass Thalia selbst als Hersteller, also als Verleger, tätig wird. Wann werden Sie wie Rewe und Co. oder die klassischen Buchclubs Bücher als preiswerte Eigenmarke auf den Markt bringen?

Wir sind und bleiben in erster Linie Buchhändler und keine Verleger. Jedoch denken wir im Bereich digitaler Bücher darüber nach, neben Verlagskooperationen auch auf Eigenproduktion zu setzen, um das Angebot an digitalen Buchinhalten für unsere Kunden zu erhöhen; die Entwicklung auf Verlagsseite ist noch deutlich zu langsam.

Einer ihrer größten Konkurrenten sind die Internet-Buchhändler, allen voran Amazon. Haben Sie gegen die eine Chance?

Gerade im Internet-Handel spielen mehrere neue Marktteilnehmer, wie zum Beispiel Google, eine zunehmende Rolle und stellen unsere Branche vor neue Herausforderungen. Wir sehen uns jedoch gut aufgestellt, indem wir nicht nur in unserem Online-Shop, sondern auch in den klassischen Ladengeschäften konsequent auf die sich wandelnden Lesegewohnheiten unserer Kunden eingehen.

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1 Kommentar zu “"Kultur und Kommerz verknüpfen" ”

von gaugola am 15.03.2010 08:01 Uhr

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