Kurt Lauk im Interview "Opel ist nicht systemrelevant"

Warum der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats Kurt Lauk staatliche Hilfe für Opel ablehnt.

Präsident des Bild vergrößern Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk dpa-dpaweb

WirtschaftsWoche: Herr Lauk, muss die Bundesregierung Opel retten?

Lauk: Nein. Der Staat wäre nur gefordert, wenn ein Unternehmen wegen der Finanzkrise angeschlagen wäre und ein vernünftiges Geschäftsmodell hätte.

Hat Opel denn kein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell?

General Motors und Opel haben in den vergangenen 20 Jahren eine falsche Strategie gefahren. Sie haben auf billige Massenautos gesetzt und zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert. Opel ist auch ohne Finanzkrise ein schwieriger Fall und in der Krise am ehesten gefährdet.

Soll Opel notfalls pleitegehen?

Notfalls ja. Wir haben am Markt weltweite Überkapazitäten von 15 bis 30 Prozent. Und man muss sagen: Die hiesigen Wettbewerber VW, Audi, BMW und Mercedes sind viel besser aufgestellt. Diese sind in den vergangenen Jahren auch verstärkt in das untere Kraftfahrzeugsegment eingestiegen, also das angestammte Terrain von Opel, weil sie so die Kohlendioxyd-Emission ihrer gesamten Flotten reduzieren können.

Ist Opel ein Opfer der Klimaschutzpolitik?

Ja, wegen der ökologischen Abgasvorschriften steigt der Wettbewerbsdruck, dem Opel nicht gewachsen ist.

Könnten nicht andere Autohersteller Opel übernehmen?

Wegen der gewaltigen Überkapazitäten und der Probleme bei allen Herstellern sehe ich das nicht.

Würden Sie Händlern und Opel-Mitarbeitern zuraten, sich am Unternehmen zu beteiligen und so einen Rettungsversuch zu starten?

Wenn es die Opel-Mutter General Motors nicht packt, wie sollen es dann die Händler und Mitarbeiter schaffen? Im Übrigen sehe ich die Gefahr, dass sie sich in einer kapitalintensiven Branche übernehmen.

Darf die Regierung den Autohersteller mit seinen 28.000 Beschäftigten denn pleitegehen lassen. Ist Opel nicht systemrelevant?

Für die Autoindustrie ist Opel nicht systemrelevant. Für die Politik mag sich allerdings die Frage stellen, wofür der Staat zahlen soll: Subventionen für den Firmenerhalt oder für Arbeitslose und Hartz IV.

Was ist besser?

Ich bin für eine Marktbereinigung im Interesse der verbleibenden Autohersteller mit besseren Geschäftsmodellen. Opel hätte auch nicht die vielen Milliarden Euro, die nötig sind, um neue Autos zu entwickeln, die den Ansprüchen der Kunden und der Klimapolitiker entsprechen.

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17 Kommentare zu “"Opel ist nicht systemrelevant"”

von Wolfram Schießl am 25.04.2009 19:11 Uhr

von hodgepodge am 05.03.2009 11:44 Uhr

von doubi am 02.03.2009 16:01 Uhr

von Beobachter am 02.03.2009 12:07 Uhr

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