Opel Rechenkünstler Reilly
09.02.2010 14 Kommentare 2,7 (19) Legende- Druckversion
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General Motors baut hierzulande mehr als 3900 Arbeitsplätze ab und fordert für die Sanierung von Opel vom deutschen Steuerzahler 1,5 Milliarden Euro. Wie passt das zusammen, fragt Franz W. Rother.
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Franz Rother
Frank Schemmann für WirtschaftsWoche
Edward Whitacre spielte den starken Mann, als er im November vergangenen Jahres die Verhandlungen zwischen General Motors und dem austro-kanadischen Zulieferer Magna torpedierte und der staunenden Öffentlichkeit mitteilte, dass Opel nicht mehr zum Verkauf stehe: Die Wiederbelebung des bereits klinisch toten Autoherstellers, tönte der GM-Aufsichtsratschef damals, werde man selbst in die Hand nehmen. Man habe ein starkes Team und auch das Know-how, um aus Opel wieder eine Erfolgsgeschichte zu machen.
Tatsächlich präsentierte der GM-Verwaltungsratschef mit Nick Reilly schon wenige Stunden später einen knallharten Sanierer. Doch das angekündigte Sanierungskonzept ließ monatelang auf sich warten. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung über das, was Reilly heute als „umfassenden Zukunftsplan“ vorstellte - und der Ärger mancher deutscher Politiker über die Unverfrorenheit, mit der GM von Steuerzahlern in Deutschland, Großbritannien, Österreich, Spanien und Polen nun Hilfszahlungen in Milliardenhöhe fordert.
Wie soll Opel nach den Vorstellungen der Konzernleitung wieder auf die Beine kommen?
Punkt 1: Durch Investitionen in neue umweltfreundliche Produkte und Technologien. Opel, das liest man hier zwischen den Zeilen, ist derzeit nicht wettbewerbsfähig. Es fehlen sparsame, umweltverträgliche Motoren und zukunftsfähige Fahrzeugkonzepte. Die Fakten sind seit langem bekannt und schlagen sich seit Jahren in sinkenden Marktanteilen nieder. Aber warum soll der Steuerzahler nun für die unternehmerischen Fehlentscheidungen der Vergangenheit gerade stehen? Andere Autohersteller stehen vor den gleichen technologischen Herausforderungen und finanzieren die Innovationen aus eigener Kraft. Die Finanzhilfen würden also den Wettbewerb massiv verzerren.
3911 Jobs in Deutschland betroffen
Punkt 2: Durch einen massiven Stellenabbau und einen Abbau von Überkapazitäten. Das Werk Antwerpen wird geschlossen, 8354 Beschäftigten die Kündigung zugestellt. Es soll 2321 Opel-Mitarbeiter in Belgien und 3911 Arbeiter und Angestellte in Deutschland treffen. Die Opelaner in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern müssen also heftig bluten.
Und als wäre das nicht schon genug, soll Deutschland nun auch noch die finanzielle Hauptlast tragen. Bei einem Gesamtbedarf von 3,3 Milliarden Euro entfallen auf die deutschen Steuerzahler nach der GM-Kalkulation 1,5 Milliarden. Weitere 1,2 Milliarden sollen in Großbritannien, Österreich, Spanien und Polen eingesammelt werden, dazu 265 Millionen Euro bei den Opel-Beschäftigten selbst. Der GM-Konzern selbst müsste dann nur noch etwas mehr als 400.000 Euro stemmen.
„Wir wissen jetzt, wie die Reise in eine erfolgreiche Zukunft aussieht“, sagte Nick Reilly bei der Vorstellung der Planung. Das mag so sein. Aber wer die Reise bucht, sollte sie auch selbst bezahlen. So viel unternehmerischer Mut sollte sein, selbst in einem Staatsunternehmen wie „New General Motors“.
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14 Kommentare zu “Rechenkünstler Reilly”





