Einzelhandel Rewe vor Einstieg in den Apothekenmarkt

Den Apothekern droht ein gewaltiger Konkurrent: Der Handelsriese Rewe steht vor dem Einstieg in den lukrativen Markt mit Arzneimitteln. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler wartet offenbar nur noch auf die bevorstehende Liberalisierung.

Rewe-Chef Alain Caparros Bild vergrößern Rewe-Chef Alain Caparros beim Einkauf dpa

„Wir stehen mitten in den Startlöchern“, sagte Vorstand Josef Sanktjohanser dem „Handelsblatt“. Nach seinen Angaben prüft das Unternehmen mehrere Optionen.

Am wahrscheinlichsten sei, „dass wir für den Apothekenverkauf, falls wir ihn starten, eine neue Marke schaffen“, betonte Sanktjohanser. Rewe nahm damit erstmals Stellung zu entsprechenden Branchengerüchten.

Gelingt den Kölnern der Coup, entstünde in Deutschland neben den derzeit über 100 DocMorris-Franchisestandorten eine noch weitaus größere Apothekenkette und damit ein möglicher Marktführer in dem 23 Milliarden Euro schweren Arzneimittel-Einzelhandel, schrieb das Blatt weiter. Rewe selbst rechnet sich im Medikamentengeschäft gute Chancen aus. Laut Informationen aus Branchenkreisen führte Rewe bereits Gespräche mit dem Schweizer Pharmahändler Zur Rose AG.

Rewe könnte mit Einstieg in den 23 Milliarden Euro schweren Einzelhandel mit Medikamenten schnell die Marktführerschaft übernehmen. Mit allein in Deutschland rund 3000 Supermärkten, 260.000 Mitarbeitern und einem Umsatz in Höhe von 45 Milliarden Euro verfügt der Konzern über genügend Finanz- und Vertriebskraft, um den 21.000 selbstständigen Apotheken Konkurrenz zu machen.

Im Gegensatz zu den Drogerieketten Schlecker und dm, die bereits für ausländische Versandapotheken als Annahmestellen fungieren, wartet Rewe auf eine richterliche Entscheidung. Noch in diesem Jahr wird ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum deutschen Apothekenmarkt erwartet. Bislang gilt in Deutschland für Apotheken das Fremdbesitzverbot, das verhindert, das Kapitalgesellschaften Eigentümer von Apotheken werden.

Schlecker verkauft Arzneimittel

Zudem will die EU-Kommission das deutsche Mehrbesitzverbot kippen. Demnach darf ein deutscher Apotheker nicht mehr als vier Filialen betreiben. Durch die Bestimmungen wird der Arzneimittelhandel vor einem harten Wettbewerb geschützt.

Schlecker hatte erst vor zwei Wochen den Einstieg in das Geschäft mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln angekündigt. Über die Online-Versandapotheke Vitalsana.eu werden zunächst rezeptfreie Medikamente angeboten, später sollen rezeptpflichtige Arzneimittel folgen.

Rewe hatte sich noch zum Markteintritt Schleckers ablehnend über den Medikamentenhandel geäußert. Ähnliches kam auch von Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka. Aber auch dort dürfte aufgrund Wettbewerbsdrucks ein Umdenken stattfinden.

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