Personalabbau Siemens: Wachsen statt schrumpfen

Siemens-Chef Peter Löscher will mitnichten primär die mittlere und obere Führungsschicht reduzieren. Der anstehende Jobabbau trifft vor allem normale Beschäftigte, wie interne Unterlagen andeuten.

Verspürt kräftig Gegenwind Bild vergrößern Verspürt kräftig Gegenwind der Beschäftigten: Siemens-Chef Peter Löscher AP

Vergangenen Dienstag beging Peter Löscher sein einjähriges Jubiläum an der Spitze des Technologiekonzerns Siemens. Wirklich Anlass zum Feiern hat er indes nicht: Denn der 50-jährigen Österreicher verspürt derzeit insbesondere in Deutschland einen kräftigen Gegenwind seitens seiner Beschäftigten – ein Novum in seiner freilich noch kurzen Amtszeit.

Grund ist vor allem der groß angelegte Abbau von Arbeitsplätzen, den Löscher nun plant.

Was dabei für weiteren Unmut sorgen dürfte: Aus Betriebsrats- und Gewerkschaftskreisen verlautet, dass der Jobabbau – entgegen den bisherigen Ankündigungen – vor allem normale Angestellte treffen wird, wie aus vertraulichen Unterlagen hervorgehe. Demnach bestehe die aktuelle Beschäftigtenstruktur in den Abteilungen, die vom Stellenabbau betroffen sind, zu 72 Prozent aus Tarifangestellten, 25 Prozent außertarifliche Führungskräfte und drei Prozent oberste Manager. Bei den in Deutschland abzubauenden 6450 Stellen handele es sich um 170 Manager-Stellen, 1450 außertarifliche Stellen sowie rund 4830 Tarifstellen; folglich liege die Abbaustruktur bei drei, 22 und 75 Prozent. „Relativ gesehen wächst der Management-Wasserkopf also sogar noch, anstatt zu schrumpfen“, sagt ein Arbeitnehmervertreter, der ungenannt bleiben will.

Siemens will die Zahlen offiziell nicht kommentieren und verweist auf die Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Dienstag dieser Woche, bei denen die konkreten Abbaupläne präsentiert werden sollen. Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, seien die Gewerkschaftszahlen jedoch insofern irreführend, als dass die Gesamtzahl von 6450 betroffenen Stellen in Deutschland nicht nur das von Löscher vorangetriebene Programm zur Straffung der Verwaltung enthalte. Gleichzeitig umfasse die Zahl etwa auch die Restrukturierung in der kriselnden Verkehrssparte Mobility, bei der zwischen 1000 und 1500 Arbeitsplätze wegfallen sollen – ein Großteil davon seien zwangsläufig Jobs in den Fabriken. Dadurch würden die prozentualen Zahlen verfälscht.

Der Jobabbau in Deutschland ist Teil eines noch größeren Gesamtplans: Nachdem Löscher den Konzern in seinem ersten Jahr als Siemens-Chef bereits radikal umgebaut hat, will er das Unternehmen nun schlanker und schlagkräftiger machen. Insgesamt sollen 17.200 Stellen von weltweit 435.000 Siemens-Mitarbeitern abgebaut werden, wie es in Unternehmenskreisen heißt. Von den Stellenstreichungen sollten laut eigenen Aussagen Löschers vor allem Führungskräfte betroffen sein: „Es kann nicht sein, dass wir nur bei den Arbeitern in der Fabrik Opfer einfordern. Es geht jetzt um die Lehmschicht – vor allem das obere und mittlere Management“, sagte Löscher kürzlich.

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2 Kommentare zu “Siemens: Wachsen statt schrumpfen”

von SMB am 09.07.2008 01:06 Uhr

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