Post-Chef Frank Appel im Interview "Toyota der Logistik"

Der Vorstandschef der Deutschen Post, Frank Appel, über unlösbare Probleme im Briefgeschäft, Erwartungen an die Regierung und das Erbe seines Vorgängers Klaus Zumwinkel.

Post-Chef Frank Appel Bild vergrößern Post-Chef Frank Appel AP

WirtschaftsWoche: Herr Appel, ist die Post das Paradebeispiel dafür, dass mit der Krise jahrelange Konzernstrategien obsolet werden?

Appel: Wie kommen Sie denn darauf?

Das Börsenziel vor neun Jahren war es, von der Globalisierung dauerhaft zu profitieren. Dieses Jahr brach der Konzernumsatz um 16 Prozent ein. Sind die Wachstumsaussichten vorbei?

Auf keinen Fall. Es gibt in der Welt immer noch fundamentale Lohn-, Einkommens- und Kostenunterschiede. Solange das so ist, wird es Produktionsverlagerungen, damit Handel, also auch Nachfrage nach Transport und Logistik geben.

Sie glauben, nach dieser Krise einfach so zum Tagesgeschäft übergehen zu können?

Nicht ganz. Die globale Verfügbarkeit von Informationen über wirtschaftliche Vorgänge kann dazu führen, dass sich die Marktteilnehmer wie Lemminge verhalten. Das ist die zentrale Lehre. Wir müssen uns deshalb auf wirtschaftliche Ausschläge einstellen, auch beim Handel und in der Logistik, die sich künftig viel schneller abwechseln und stärker ausfallen werden.

Wird politischer Zwang zum Klimaschutz nicht die Globalisierung bremsen, etwa indem mehr regional gehandelt wird?

Zunächst einmal: Klimaschonende Logistikdienstleistungen werden auch ohne politischen Zwang nachgefragt. Wer sie anbietet, hat heute schon Wettbewerbsvorteile, und das nicht nur im globalen Handel. So hat etwa der intraasiatische Handel enorme Bedeutung für uns — in allen Sparten. In Indien und China leben jeweils mehr Menschen als in den USA und Europa zusammen. Uns bieten sich so viele regionale Wachstumschancen, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

Zur Person

Frank Appel, 48, ist seit Februar 2008 Vorstandsvorsitzender des Logistikkonzerns Deutsche Post. Der gebürtige Hamburger und promovierte Neurobiologe begann seine Karriere bei der Beratung McKinsey. 1999 wechselte er in die Konzernentwicklung des Logistikkonzerns und war in dieser Funktion maßgeblich an der weltweiten Expansion der DHL-Sparten beteiligt.

Wird der langfristig steigende Ölpreis nicht die Globalisierung bremsen?

Nein. Aber es wird intelligente Antworten geben. Wenn der Ölpreis steigt und damit der Kostendruck, wird es neue Energieformen geben, die im Vergleich zum Öl preiswerter werden. Wir werden schnelle Umstellungen erleben.

Ein anderer Glaubenssatz Ihrer Branche war die Formel: Steigt das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent, wächst der Welthandel um zwei und der Logistikaufwand um vier Prozent. Ist es damit vorbei?

Eines ist sicher: Es wird immer schwerer, das Verhalten von Konsumenten sowie Entscheidungen von Unternehmen und deren Auswirkungen auf den Welthandel zu prognostizieren. Alle Unternehmen halten sich mit Prognosen zurück.

Was sind die Konsequenzen für die Post?

Es gibt permanente Veränderung auf den Märkten und im gesellschaftlichen Umfeld. Darauf müssen wir jederzeit flexibel reagieren können. Die Unternehmen, die das am besten schaffen, werden langfristig am erfolgreichsten sein.

Wie wollen Sie das erreichen?

Es gibt keine einfachen Antworten. Wir müssen uns etwa Arbeitszeitmodelle überlegen, um uns anpassen zu können. Den Einsatz unserer Flugzeugflotte gilt es weiter zu flexibilisieren. Im Expressgeschäft haben wir das erreicht. Wir hatten relativ viele Punkt-zu-Punkt-Flüge. Jetzt nutzen wir unsere vollautomatisierten Umschlagzentren Hongkong, Leipzig und Cincinnati intensiver. So erhöhen wir die Auslastung der Flugzeuge.

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