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Unternehmen: INTERNET Verrück te Zeit

von IRIS SCHAUF

Die von einem deutschen Musiker gegründete Internetfirma J2 galt schon als erledigt. Jetzt ist sie der Senkrecht-starter des Jahres. 

Das Hauptquartier der Internetfirma J2 Global Communications befindet sich in einem modernen Bürohaus am Hollywood-Boulevard. Gegenüber liegt Grauman’s Chinese Theatre, dessen Vorplatz die Fuß- und Handabdrücke der Filmstars zieren. Zurzeit sind die Spuren von Arnold Schwarzenegger das beliebteste Fotomotiv. „I’ll be back“, hat der für den Posten des Gouverneurs von Kalifornien kandidierende Terminator in den Zement gekritzelt. 

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„Ich komme zurück“ – das Motto passt auch für J2 Global, das Unternehmen, das Dezember 1995 von dem Berliner Musiker Jens Müller gegründet worden ist. Scott Turicchi, der Finanzchef von J2, sitzt im7. Stock in einer mit einer Glasscheibe abgetrennten Bürozelle, stiert auf seinen Monitor und flucht: „Ein lausiger Tag.“ Minus drei Dollar weist der Ticker für JCOM aus. Vor kurzem noch hätte Turicchi mit so einem Kursabschlag an nur einem Tag einpacken können. Im November 2001 dümpelte die Aktie bei einem Dollar – ein Pennystock, der Rauswurf von der Technologiebörse Nasdaq drohte. Doch J2 hat zu einem atemberaubenden Höhenflug angesetzt. Der Kurs hat sich innerhalb von anderthalb Jahren versiebzigfacht, seit Frühjahr mehr als verdoppelt. Denn die Internetfirma schreibt Gewinne – im ersten Halbjahr 2003 rund 11 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 32,2 Millionen US-Dollar. Mehr als 800 Millionen Dollar ist J2 wert – wie zu besten Dotcom-Zeiten. 

Die wilden Dotcom-Zeiten – das war für Jens Müller der 23. Juli 1999. An diesem Tag wurde sein damals noch Jfax genanntes Startup an der Technologiebörse Nasdaq gelistet. 113 Millionen Dollar brachte der Börsengang ein. Und der noch mit Jungpionierhemd, Fahnenappell, Marx, Engels und Lenin aufgewachsene Ostberliner war auf einmal mitten im Hort des Erzkapitalismus Dollar-Multimillionär. 

Eigentlich wollte der Deutsche, der sich heute Jaye Muller nennt, Rockstar werden. Mitte der Neunzigerjahre tourte der Musiker durch Europa und Amerika. Dabei störte ihn, dass ihn seine Familie und Freunde aus Berlin-Weißensee nur schwer erreichen konnten. Fax hatten die, aber kein E-Mail. Muller schrieb eine Software, mit der Faxe und Sprachnachrichten in Dateien umgewandelt und somit als E-Mail verschickt werden konnten. Ein Zugang zum Internet genügte, um weltweit erreichbar zu sein. 

Mullers Manager Jack Rieley, einst Manager der Beach Boys, verschaffte ihm einen Kontakt zu Richard Ressler. Der Finanzier verstand das Potenzial der Idee sofort. Ressler besorgte das Startkapital und den Zugang zu Rufnummernblöcken in den wichtigsten US-Städten. Auch Michael Schulhof, früherer Chef von Sony America, beteiligte sich. Die virtuelle Telefongesellschaft startete in New York mit Ressler als Chef. 

Jaye Muller ging auf Tournee – diesmal um seine Geschäftsidee zu erklären. Mit seinen erst 24 Jahren kam er an während des New-Economy-Hypes: jung, gutaussehend, sympathisch, intelligent, kreativ und hypermodisch gekleidet. Auf der Medientournee im Herbst 1996 wachte ein Leibwächter vor seiner Suite im Kölner Hotel Excelsior Ernst. Neonazis hatten den Urheber eines Newsletters gegen Rechtsradikalismus bedroht. Ohne Marketingbudget wurde Jfax in Deutschland und den USA ein Begriff, obwohl es Muller wurmte, „dass die „New York Times“ zwar meine Geschäftsidee lobte, als größte Besonderheit aber meine hautengen orangefarbenen Hosen hervorhob“. 

In Amerika hatte Efax-Gründer Rudy Prince zu diesem Zeitpunkt die erfolgreiche Idee längst abgekupfert. Im Gegensatz zu Jfax bot Efax seinen Service zu Spottpreisen oder gleich ganz kostenlos an – es ging darum „erstmal Kunden zu gewinnen“. 

Jfax-Chef Ressler musste mit einem eigenen kostenlosen Service kontern. Die Schlacht kostete Millionen, doch am Ende streckte Nachahmer Efax die Waffen. Jfax übernahm den Konkurrenten im April 2000 für 75 Millionen Dollar in Aktien und wurde damit unangefochtener Marktführer. 

Gerade rechtzeitig. Im März 2000 kletterte die Nasdaq auf ihren Höchststand. Scott Turicchi, zuvor Geschäftsführer der angesehenen Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ), der auch den Börsengang von Jfax betreut hatte, wechselte in die Spitze des Unternehmens. „Ich war von dem Produkt der Firma felsenfest überzeugt“, sagt er heute, „nur die Wall Street leider nicht.“ Die hatte auf den Verlierermodus umgeschaltet. J2 galt plötzlich als aufgeblähtes Internetunternehmen mit hohen Verlusten, verschwenderischen Gratisoffertenund nutzlosen Werbeverträgen. Der Kurs stürzte von 42 Dollar in der Spitze auf 88 Cent am 28. Dezember 2000. Um nicht von der Nasdaq zu fliegen, musste die Firma Aktien zusammenlegen. Das brachte den Kurs wieder über einen Dollar – dafür mussten die erzürnten Aktionäre vier ihrer Aktien gegen eine tauschen. Eine solche Aktionleitet fast immer den Sterbegesang einer Firma ein. 

Doch Turicchi, der sich „voll auf das Tagesgeschäft konzentrierte“, kam gut voran. Etliche der von Efax übernommenen Kunden konvertierten zu Vollzahlern – damit hatten die Börsianer nicht gerechnet. Zwar nutzen heute 4,8 Millionen Kunden noch immer den werbefinanzierten Gratisservice. Aber bereits 350 000 Kunden zahlen für die Premiumversion des Dienstes monatlich mindestens 12,50 Dollar. Da die Infrastruktur steht, sind die Margen hoch. Das Fax stirbt aus? Darüber kann Turicchi nurlachen. „Solange sich E-Mails nicht signieren lassen, sehe ich keine Konkurrenz.“ 

Gründer Muller lebt heute in London und hat dort gerade ein Doppelalbum aufgenommen: „Eine Mischung aus Rock, Pop und Rap.“ Doch nur Musik füllt den Kreativen nicht aus. Mit seiner Firma Boardrush plant Muller eine zweite Unternehmerkarriere. Eins der Projekte ist eine Firma, die für gut betuchte Kunden exquisite Flüge anbieten will. „Eine Art Gegenprodukt zu den vielen Billigfluglinien“, sagt Muller. Mitseiner Jfax-Geschäftsidee lag er richtig, „auch wenn die Zeit verrückt war“. 

MATTHIAS HOHENSEE/SILICON VALLEY 

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 21.06.2011, 16:26 UhrJan Christian Tylka

    Pressemitteilung der biometronix GmbH vom 30.March 2011:
    http://www.facebook.com/pages/biometronix-GmbH/248587623855
    Jaye Muller joined Advisor board of biometronix GmbH

    internetWunderkind Jaye Muller joined today Advisor board of biometronix GmbH. www.biometronix.com

    About biometronix GmbH: biometronix is a european leader in progressive biometric Security Solutions since 2003 and based in Munich/ Germany. For more informations please visit www.biometronix.com

    About Jaye Muller: Mr. Jaye Muller is founder of j2 Global Communications inc. j2 went public on the Nasdaq exchange in 1999 (Ticker: JCOM). Today j2 Global has a market cap of nearly $1 billion.
    Mr Muller was nominated for the Entrepreneur of the Year Award in 2000. He appeared on numerous TV and print media ranging from CNN, MSNbC and AbC to the New York Times and the Financial Times.
    in 2003 Jaye left day to day operations at j2 and focused new international projects, including Fort Group investment in Hong Kong, boardrush Media LLC and MRC.ac in London.
    Today he lives in Mactan island at his TheMansion Mactanisland residence and supports StartUp companies worldwide in "How to go Public".
    http://www.facebook.com/themansionmactan?ref=ts

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