Günther Fielmann, Chef der gleichnamigen Hamburger Optikerkette, kennt das Spiel schon lange: „Bei jeder Gesundheitsreform hat es gravierende Einbrüche gegeben.“ Das war bei den Reformen von 1988 und 1997 so – und so ist es auch bei der aktuellen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: Im Januar, meldet der Zentralverband der Augenoptiker (ZVA), verbuchte die Optikerbranche 20 Prozent weniger Auftragseingänge als im Vorjahr. Der Grund: Seit Anfang des Jahres gibt es für Brillengläser für Erwachsene keinen Zuschuss mehr von den gesetzlichen Krankenkassen.
Dafür bescherte die Gesundheitsreform den Optikern Ende 2003 Rekordverkäufe. Viele Deutsche ließen sich schnell noch eine neue Brille auf Rezept verordnen. Der Hamburger Optiker Bode etwa steigerte im Dezember den Umsatz in seinen 69 Filialen um 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt konnte die Branche 2003 ihren Umsatz um zehn Prozent auf rund 4,35 Milliarden Euro ausbauen.
Doch jetzt brechen magere Zeiten für die rund 10 000 deutschen Optiker mit ihren 45 000 Beschäftigen an. Für 2004 rechnet die Branche mit einem Umsatzrückgang von bis zu 20 Prozent – und mit verschärftem Wettbewerb. Mit aggressiven Angeboten und Aktionspreisen versuchen die großen Ketten wie Fielmann, Apollo und Krane die Kundschaft in ihre Läden zu locken. Vor allem kleinere Anbieter, die sich wie die Filialisten auf Brillen für Einkommensschwache spezialisiert haben, können mit den Kampfpreisen nicht mitziehen und müssen um ihre Existenz bangen. Für rund 1500 Betriebe sieht der ZVA Insolvenzgefahr.
Wie ruppig es in der Branche zugeht, zeigt die Abmahnung des Marktführers Fielmann durch die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs (WirtschaftsWoche 8/2004). Obwohl die Krankenkassen seit Januar 2004 Sehtests nur noch beim Augenarzt und nicht mehr beim Optiker bezahlen, verlangt Fielmann bei der Sehschärfenbestimmung von Kassenpatienten ihre Krankenversichertenkarte – und suggeriert so, dass die Krankenkassen den Test bezahlen. Fielmanns Konkurrenten, von denen einige seit Jahresbeginn Geld für den Sehtest berechnen, befürchten, dass diese Praxis die Kunden verwirrt.
Doch die Hamburger sehen sich im Recht: „Solange die Gesetzeslage nicht hundertprozentig klar ist“, sagt Fielmann-Vertriebschef Robert Leitl, „bleiben wir bei der Praxis.“ Fielmann will erst geklärt wissen, ob die gesetzlichen Krankenkassen die Zuschüsse tatsächlich nicht übernehmen müssen. Der Branchenprimus drängt deshalb den ZVA zu einer Klage gegen die Ungleichbehandlung von Optikern und Augenärzten. Doch der Düsseldorfer Verband hat über ein mögliches juristisches Vorgehen noch nicht entschieden. RUE









