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Unternehmen: porträt-serie Taktisch geschickt

von MICHAEL KROKER

Regine Stachelhaus ist Mitglied der Geschäftsführung von Hewlett-Packard in Deutschland – und leidenschaftliche Frauenförderin. 

Das Ziel ist wichtig, nicht der Weg. Der könne auch mal unkonventionell sein, findet Regine Stachelhaus. Sie ist Chefin der Druckersparte von Hewlett-Packard (HP) in Deutschland. Und Mutter. Was eine Karriere nicht leichter macht, es sei denn, es findet sich eine Lösung, so eine, wie sie Stachelhaus 1987 entdeckte – also noch in einer Zeit, als Männer für gewöhnlich Karriere und Frauen die Küche machten. Der Erziehungsurlaub war gerade zu Ende, Stachelhaus kehrte in den Konzern zurück, wollte beruflich Gas geben und deshalb einen Betriebskindergarten gründen. Ihre damaligen Chefs waren von dem Projekt – nun ja, es war nun mal die Zeit – nicht gerade begeistert. „Dann eben anders“, muss sich Stachelhaus gedacht haben und besuchte heimlich die Ehefrauen der HP-Geschäftsführer, um sie für ihr Vorhaben zu gewinnen. Die Abstimmung für den Kindergarten verlagerte sich alsbald an den Frühstückstisch der Manager, kurz darauf wurde er eingerichtet. Ziel erreicht. 

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„So was nennt man heute wohl Guerillataktik“, sagt Stachelhaus und lächelt. Denn ihr Schachzug war gleich doppelt erfolgreich: Er sorgte für reichlich Gesprächsstoff in der Geschäftsleitung und legte gleichzeitig einen Grundstein für ihren eigenen Aufstieg. Die ungewöhnliche Aktion machte sie auf einen Schlag im Unternehmen bekannt, die HP-Chefs wurden auf die ambitionierte Jungmanagerin aufmerksam. 

Offenbar nachhaltig. Inzwischen arbeitet sie auf einer der wichtigsten Positionen der deutschen IT-Szene. 1997 übernahm sie die Leitung des Geschäfts mit Verbraucherprodukten bei HP. Die Sparte wuchs unter ihrer Führung und spielte eine immer wichtigere Rolle für das HP-Gesamtgeschäft. Vor vier Jahren wurde sie deshalb ins deutsche Topmanagement befördert und verantwortet seitdem als Geschäftsführerin die so genannte Imaging and Printing Group (IPG), die mit Druckern, Scannern und Digitalkameras rund zwei Milliarden Euro erwirtschaftet – mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes von HP in Deutschland. 

Über solche Erfolge redet Regine Stachelhaus sachlich, ja beinahe bedächtig. Was nicht untypisch ist für eine studierte Juristin. Doch die zierliche Frau ist alles andere als eine Leisetreterin. Ihr ruhiger Ton schlägt abrupt um, wenn das Gespräch auf das Thema „Frauen und Karriere“ kommt. „Ich bin inzwischen sehr ungeduldig, was die vermeintlichen Erfolge von Frauen im Job betrifft“, sagt Stachelhaus dann. 

Sie selbst bekam ihren Sohn nach nur zwei Jahren bei HP. Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, betont sie: „Ich finde es bedauerlich, wenn Frauen meinen, sich aus Karrieregründen gegen Kinder entscheiden zu müssen.“ Sie blieb ehrgeizig, wollte und bekam beides. Allerdings hatte sie auch das Glück, einen Mann zu haben, der die eigene Karriere den Ambitionen seiner Frau unterordnete. Beide wollten ihre Kinder nicht von Dritten betreuen lassen, also hing ihr Mann, ein studierter Maschinen- und Fahrzeugbauer, seinen Job an den Nagel, kümmerte sich um den Nachwuchs und wurde Hausmann. „Da gab es keine großen Diskussionen“, sagt sie bündig. 

Ihr liegt die Frauenförderung am Herzen. Da wird die sonst so souveräne Juristin leidenschaftlich, da kennt sie sich aus, da zitiert sie Beispiele und Studien. Etwa eine, die belegt, dass Unternehmen mit größerer Personalmischung – bei Geschlecht, Nationalität und Alter – betriebswirtschaftlich erfolgreicher sind. Oder eine, die zeigt dass der Anteil von Frauen in Managementpositionen in den vergangenen Jahren gerade einmal um zwei Prozent gestiegen ist. „Derart langsame Veränderungen würden auf keinem anderen Gebiet akzeptiert“, ärgert sich die 49-Jährige. 

Sie hat das auch nicht akzeptiert. Nicht bei sich, nicht bei HP. Seit sie ihre Sparte leitet, hat sich der Frauenanteil im Management auf 17 Prozent erhöht, bei ihrem Amtsantritt vor vier Jahren waren es noch rund 13 Prozent. „So rational und zielorientiert sie einerseits vorgeht: Sie glaubt fest an den Unterschied als Erfolgsfaktor“, beschreibt sie ein Kollege. 

Neben ihrer Leistungsbereitschaft ist die Lust am Experiment ihr wichtigster Antriebsmotor. Damit passt sie zu dem, was der US-Konzern den HP-Way nennt – flache Hierarchien, keine Pedanterie, Orientierung am Ergebnis. Das System soll ungewöhnliche Wege belohnen. Und Stachelhaus merkte schnell, wie sie davon profitieren kann. 

Schon während ihres Jurastudiums in der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre in Tübingen machte sie erste Bekanntschaft mit der HP-Kultur. Sie war damals Werksstudentin und empfand die Atmosphäre als sehr offen und „positiv“. Nach ihrem Referendariat in Stuttgart und zwei Jahren als Rechtsanwältin wechselte sie 1984 in die HP-Rechtsabteilung – und bewies ihr taktisches Geschick. Sie suchte sich frühzeitig Vorgesetzte als Mentoren, sonst ein eher männlicher Kniff beim Karriereaufbau. Einer ihrer Fürsprecher war der langjährige Vorsitzende der Geschäftsführung Jörg Menno Harms. „Der Gedankenaustausch mit ihm hat mir sehr geholfen“, erklärt sie. Die Lektion hat sie offenbar so verinnerlicht, dass sie inzwischen auch in ihrem Verantwortungsbereich Mentorenprogramme eingeführt hat. 

So schnell sie auch aufgestiegen ist – abgehoben ist sie nicht. Gegenüber ihren Untergebenen hat Stachelhaus bis heute ihre unprätentiöse Art behalten. Kein dicker Ledersessel, kein schwerer Mahagoni-Schreibtisch, nicht einmal ein eigenes Büro hat sie. Ihre wichtigsten Mitarbeiter sitzen in Rufweite, Stachelhaus arbeitet im Großraum, auf dem HP-Campus im Obergeschoss von Gebäude 6. Ihr einziges Privileg: Ein Eckplatz mit einem vergrößerten Besprechungsbereich. 

Mehr will sie auch nicht. Autorität strahlt nicht von Glasfassaden. In Konferenzen gibt sie den Ton an, aber nie laut, sondern immer sachlich. Was sie will, setzt sie um. Beharrlich ist sie, eine kreative Strategin. Für die schwäbische Powerfrau könnte es in Zukunft noch weiter nach oben gehen. „Sie war schon mehrfach für eine Aufgabe auf europäischer Ebene im Gespräch“, sagt ein Mitarbeiter. Immerhin pendelt sie schon heute regelmäßig in die Europazentrale nach Genf, um mit Kollegen aus anderen Ländern Marketinginitiativen abzustimmen oder neue Produkte vorzubereiten. 

Das kostet Zeit. Ihr Arbeitstag hat nicht selten 12 oder gar 14 Stunden. Dafür hält sie sich die Wochenenden frei, entspannt dann beim Buddeln im heimischen Garten oder bei ausgedehnten Spaziergängen mit ihren beiden Hunden, einem ägyptischen Pharaonenhund und einer amerikanischen Bulldogge. Oder sie geht auf Rockkonzerte: Mann wie Sohn spielen Gitarre in verschiedenen Rockbands. „Deren Konzerte sind für mich natürlich Pflicht.“ 

Michael Kroker 

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