_

Unternehmen: vorstände Der heimliche Kronprinz

von CLAUS GORGS

Es sind seltsame Marotten, die sich aufstrebende DaimlerChrysler-Manager bisweilen aneignen. So nennt sich der in Stuttgart geborene Chrysler-Marketingchef Joachim Eberhardt, 40, selbst in heimischen Gefilden konsequent Joe und lässt die angelsächsische Kurzform seines Vornamens sogar in seinen Lebenslauf schreiben. Sein Vorstandskollege Wolfgang Bernhard, 43, hat seine ersten Berufsjahre bei McKinsey nicht nur aus seinem Bewusstsein, sondern auch aus seiner Vita gestrichen – und reagiert äußerst ungehalten, wenn man ihn auf seine Zeit außerhalb der Daimler-Welt anspricht. Smart-Chef Andreas Renschler, 45, redet zwar viel und gern über seine neuen Modelle, gibt aber keine offiziellen Interviews. 

Anzeige

Sie alle buhlen um die Gunst eines Mannes: Konzernchef Jürgen Schrempp, 59. Und der mag keine eitlen Selbstdarsteller, und er mag auch keine Schlagzeilen darüber, dass Deutsche inzwischen alle Schaltstellen beim angeblich gleichberechtigten Fusionspartner Chrysler besetzen. Dafür schätzt er loyale Manager, die seine Welt-AG-Strategie über Jahre verinnerlicht haben, echte Mercedes-Männer eben. 

Es ist ein Spiel im Gang bei DaimlerChrysler, ein Spiel um Spitzenjobs. Sowohl Schrempps Vertrag als auch der von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, 64, laufen im April 2005 aus. Um lähmende Nachfolgediskussionen zu vermeiden, werden die Würfel aber bereits 2004 fallen. Und in Stuttgart würfelt nur einer: Schrempp. Er hat eine Liste mit Nachwuchsmanagern erstellt, die aus seiner Sicht das Zeug zum Vorstand haben und die ihm treu ergeben sind. Kandidaten von außen zu holen, wie es Ferdinand Piëch mit seinem Nachfolger Bernd Pischetsrieder bei VW tat, gilt bei Daimler als undenkbar. 

In Sachen Hubbert-Nachfolge ist das Spiel offenbar bereits entschieden: Chrysler-Mann Bernhard hat gewonnen. Dynamisch, ehrgeizig und, wenn es sein muss, auch mal brutal – das sind Eigenschaften, die Schrempp imponieren. Er selbst tickt genauso. Zudem gilt Bernhard als eleganter und eloquenter als sein Konkurrent Renschler, mithin als besser geeignet, als „Mr. Mercedes“ die wertvollste Automarke der Welt zu repräsentieren. 

Auch für sich selbst hat Schrempp bereits einen Nachfolger auserkoren: sich selbst. Nachdem er vor einem Jahr durchaus Zeichen von Amtsmüdigkeit erkennen ließ, betont er in jüngster Zeit auffallend häufig, wie fit er sich fühle. Seit ihn – wie auf Bestellung – diverse Aufsichtsratsmitglieder zum Bleiben aufforderten, scheint klar, dass er sich diesem Drängen kaum wird entziehen wollen. Bis zum 15. September 2004, seinem 60. Geburtstag, muss er sich erklären. Danach wäre nach den DaimlerChrysler-Statuten nur eine Verlängerung für ein Jahr möglich. Schrempp schwebt aber offenbar eine Amtszeit bis 2007 vor. Bis dahin, so das Kalkül, sind Chrysler und Mitsubishi saniert, die Gewinne sprudeln, und der Badener kann als Architekt eines erfolgreichen Weltkonzerns abtreten. 

Ein denkbar schlechtes Timing für den bisher als Kronprinz gehandelten Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Der muss derzeit nicht nur die gesamte öffentliche Prügel für die nicht nach Plan verlaufende Chrysler-Sanierung einstecken, er wird 2007 außerdem bereits 54 Jahre alt. Lachender Dritter könnte sein heutiger Vize Wolfgang Bernhard sein, der in Stuttgart schon als heimlicher Kronprinz gehandelt wird. Im glamourösen Job als Mercedes-Chef könnte er sich die nötigen Meriten verdienen, während Zetsche sich weiter mit dem harten US-Massengeschäft auseinander setzen muss. „Mit jedem Jahr, das Schrempp bleibt, schwinden Zetsches Chancen“, sagt ein ehemaliger Daimler-Manager. Völlig sicher kann sich aber auch der ehrgeizige Bernhard nicht sein: Auf Schrempps Liste steht noch ein Dutzend weiterer Namen. Der mächtige Vorstandschef hat immer noch ein paar Asse im Ärmel. cgs/gut 

weitere Fotostrecken

Blogs

Individueller Twitter-Trailer aus animierten Tweets, Fotos & Videos
Individueller Twitter-Trailer aus animierten Tweets, Fotos & Videos

Mit wenigen Mausklicks ermöglicht ein neuartiges Tool die Erstellung eines kurzen Clips aus eigenen Tweets und Bildern....

    Folgen Sie uns im Social Web

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.