18 Milliarden Dollar Erlös: Visa legt trotz Finanzkrise größten US-Börsengang hin

18 Milliarden Dollar Erlös: Visa legt trotz Finanzkrise größten US-Börsengang hin

Bild vergrößern

Visa: eine der bekanntesten Marken der Welt

Bisher gehörte Visa allein den Banken. Weil die aber dringend Geld benötigen, geht der Kreditkarten-Riese heute an die Börse. Dabei wird Visa Wirtschaftsgeschichte schreiben: Mit 17,9 Milliarden Dollar an Einnahmen legt Visa den größten Börsengang der USA aufs Parkett.

Nein, es ist nicht das optimale Umfeld für einen Börsengang – vor allem nicht für einen Wert aus dem Finanzsektor. Die Kreditkrise frisst über Milliarden-Abschreibungen das Kapital der Banken auf. An den Börsen breitet sich die Skepsis immer weiter aus, und die US-Wirtschaft schlittert in eine Rezession. Die Amerikaner, wegen fallender Hauspreise ärmer geworden und ohnehin überschuldet, müssten eigentlich mehr sparen. Damit aber würden sie der Wachstumsmaschine Konsum in den USA endgültig den Treibstoff entziehen.

In US-Internet-Foren, in denen der bevorstehende Börsengang des Kreditkarten-Giganten Visa Inc. diskutiert wird, hält sich die Begeisterung deshalb in Grenzen. „Würde ich nicht mit der Kneifzange anfassen“, rät einer der Teilnehmer. Neben wirtschaftlichen Widrigkeiten ist auch noch steifer Gegenwind von der Politik zu erwarten: Präsidentschaftsbewerber Barack Obama macht die Kreditkartengesellschaften für die Überschuldung der US-Haushalte mitverantwortlich. „Unfaire Praktiken“, mit denen die Branche „Konsumenten ausgebeutet hat“, will er verbieten. Zahlungen von Kunden auf Kredit-Konten sollen ihnen ohne die übliche Verzögerung gutgeschrieben werden. Außerdem will Obama ein Ratingsystem einführen, das Kunden leichter erkennen lässt, was sie wirklich an Gebühren und Zinsen zahlen.

Anzeige

Auch die Verantwortlichen in den Banken, denen Visa bisher gehört, zweifelten in der vergangenen Woche noch, ob der Zeitpunkt für einen Börsengang der richtige ist. Der laut Informationsdienst IPO Scoop geplante Termin Gründonnerstag wackelt. Die Banken haben offenbar ein Problem mit den heftigen Schwankungen an den Börsen. Und sie schaffen es noch nicht, Investoren klarzumachen, dass Finanzkrise, Überschuldung, Rezession und Obama zwar große Probleme sind, Visa aber nicht betroffen sei, schon gar nicht direkt.

Was kaum ein Investor glauben mag: Streng genommen ist Visa überhaupt kein Kreditkartenanbieter. „Wir geben keine Kreditkarten heraus, wir bestimmen keine Gebühren oder Zinssätze, mit denen Kartennutzer belastet werden“, schreibt das Unternehmen fast entschuldigend im Zulassungsprospekt, den es an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC schicken musste. Visa stellt vielmehr für weltweit rund 16.600 Banken und sonstige Kreditkarten-Herausgeber das Netzwerk und die Plattform zur Verfügung, über die der Teppichkauf in Antalya, die Hotelrechnung in Sydney oder die Bezahlung der Restaurant-Zeche in New York abgewickelt werden.

Mehr als 12.000 Transaktionen pro Sekunde schafft die Technik-Plattform VisaNet, rund 47 Milliarden waren es im vergangenen Jahr. Für jede dieser Transaktionen mit einer der 1,5 Milliarden weltweit herausgegebenen Visa-Karten kassiert das Unternehmen eine Mini-Abwicklungsgebühr. Das Kleinvieh macht eine Menge Mist, Visa ist eine Gelddruckmaschine: Von rund 1,5 Milliarden Dollar Gebühren im letzten Quartal 2007 blieb laut Emissionsprospekt nach Abzug aller Kosten ein Gewinn vor Steuern von knapp 0,7 Milliarden Dollar übrig – eine stolze Marge, die auch durch die Kreditkrise nicht gefährdet ist. Denn mit klammen Kunden, die ihre Rechnung nicht begleichen, hat Visa nichts zu tun. Mit der steigenden Zahlen von Privatpleiten und den daraus folgenden Abschreibungen auf Kreditforderungen müssen sich die Kartenemittenten herumschlagen, vor allem eben die Banken.

Goldene Aussichten für Visa also? Laut Informationsdienst Nilson Report soll die Zahl der Kreditkartentransaktionen bis 2012 weltweit um rund elf Prozent pro Jahr steigen. Visa sollte als eine der bekanntesten Marken der Welt, als Sponsor der Olympischen Spiele in Peking und London sowie der Fußball-WM 2010 und als Marktführer Profiteur dieses Wachstums sein. Der unabhängige Research-Anbieter Morning-star errechnete für Visa vor wenigen Tagen einen Wert von 74 Dollar pro Aktie. Bei einem Angebotspreis in der Spanne von 37 bis 42 Dollar für die gut 400 Millionen Aktien wäre reichlich Luft für Kurssprünge. Mit rund 19 Milliarden Dollar Volumen ist der Visa-Börsengang ohnehin schon der bis dato größte der USA. Die Banken, darunter die von der Kreditkrise arg gebeutelten Institute Citigroup, Merrill Lynch, Wachovia und Bank of America, freuen sich schon über die erwartete üppige Cash-Infusion.

Appetit auf den Börsenneuling Visa macht Anlegern vor allem der Börsengang des kleineren Konkurrenten Mastercard vor knapp zwei Jahren. Der Kurs hat sich bis heute vervierfacht (siehe Chart). Allerdings überraschte Mastercard auch mit deutlich höheren Gewinnen als erwartet.

Damit ist bei Visa dagegen kaum zu rechnen. Vielmehr steht zu befürchten, dass die Banken, wenn sie nicht mehr Eigentümer der Kreditkarten-Abwickler sind, mittelfristig den Druck auf die Margen von Visa und Mastercard erhöhen könnten. Bisher spielte es für sie keine Rolle, ob Gewinne bei ihrer Tochter Visa oder anteilig bei ihnen selbst anfielen – das Geld floss entweder in die linke oder in die rechte Tasche. John Fitzgibbon von IPO Scoop geht trotzdem von einem Erfolg der Neuemission aus. Für ihn ist schon das Börsensymbol ein gutes Omen: „V für Victory.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%