Bisher seien 26 deutsche Tote identifiziert worden. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe sei aber eine „deutlich dreistellige Zahl“ deutscher Todesopfer zu befürchten. Für die Bundeseinrichtungen wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Die Bundesregierung erhöhte ihre Soforthilfe für die betroffene Region auf 20 Millionen Euro. Zudem schlug Schröder ein Schuldenmoratorium für Indonesien und Somalia im Pariser Club vor. >>> Fotostrecke: Das Beben in Südasien und die Folgen Schröder forderte, den von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen durch großzügige Spenden zu helfen. Die Wirtschaftsverbände riefen die Unternehmen zu finanzieller Unterstützung der betroffenen Länder auf. Schröder, der wegen der Katastrophe seinen Weihnachtsurlaub abgebrochen hatte, sprach von einer „der schlimmsten und verheerendsten Naturkatastrophen seit Menschengedenken“ und sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. „Das Ausmaß der Katastrophe übersteigt unser aller Vorstellungskraft“, sagte er. Die genaue Zahl der Opfer werde erst in den nächsten Tagen klar werden. Durch die zusammengebrochenen Telefonsysteme sei es noch schwieriger, Vermisste zu finden. Durch die von einem Seebeben ausgelösten Flutwelle sind am Wochenende möglicherweise mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele ausländische Touristen. Die meisten der 3500 vermissten Ausländer kommen aus Skandinavien, allein 1500 aus Schweden. Schröder sagte, er habe Schwedens Ministerpräsident Göran Persson Unterstützung bei der Bergung seiner Landsleute zugesagt. Außenminister Joschka Fischer sagte, das Lazarett-Flugzeug „Medivac“ der Bundeswehr, das am Dienstag aus Deutschland gestartet war, um Schwerverletzte aus dem Krisengebiet zu holen, werde so oft wie nötig eingesetzt. Ein weiteres Flugzeug stehe in Bereitschaft. Das Bundeskriminalamt sandte fünf Experten zur Identifizierung von Opfern nach Sri Lanka. 29 BKA-Beamte sind bereits in Thailand tätig. Innenminister Otto Schily (SPD) wurde an seinem Urlaubsort in Italien auf dem Laufenden gehalten. Fischer sagte, neben den oft traumatisierten Opfern müssten wohl auch die Helfer später auf psychologische Betreuung zurückgreifen. Selbst erprobtes Personal „erlebt Furchtbares in diesem Augenblick“. Schröder betonte, die internationalen Hilfsaktionen müssten auch die betroffenen Bewohner der Krisenregion im Auge haben. Dabei müsse die internationale Gemeinschaft eng zusammenarbeiten. „Es geht uns auch um die Menschen dort“, sagte der Kanzler. Wasser- und Gesundheitsversorgung, Schulen, Wohnungen und Straßen müssten wieder aufgebaut werden. Die Bundeswehr werde Lazarette und Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung auch für längere Zeit zur Verfügung stellen. „Wir werden alle unsere Ressourcen nutzen, um dort hilfreich zu sein.“ Das Deutsche Rote Kreuz rechnet damit, dass der Einsatz vor Ort mehrere Jahre dauern wird. Schröder fordert Schuldenmoratorium für Indonesien Die Bundesregierung werde bei der nächsten Sitzung des Pariser Clubs der wichtigsten Gläubigerstaaten am 20. Januar vorschlagen, die bei den Staaten des Clubs anstehenden Schulden auszusetzen. Dies betreffe Indonesien und Somalia. Schröder sagte, es handele sich dabei „nicht um gewaltige Summen“. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums hat Indonesien beim Pariser Club 1,5 Milliarden Euro Schulden. Die Höhe der Schulden Somalias sei derzeit unklar, da die Verhandlungen mit dem Club wegen der unklaren Regierungssituation in Somalia ausgesetzt seien. Andere von der Flut betroffenen Länder wie Thailand, Sri Lanka und Indien nannte Schröder in Zusammenhang mit dem Schuldenmoratorium nicht. Er forderte, die Entschuldung der ärmsten Länder der Welt müsse weitergeführt werden. Mit den 20 Millionen Euro Soforthilfe aus dem Etat des Auswärtigen Amtes sollen auch Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder die Welthungerhilfe unterstützt werden. Schröder forderte, für die Region des Indischen Ozeans müsse wie im Pazifik ein Frühwarnsystem für Seebeben und die aus ihnen entstehenden Flutwellen eingerichtet werden. Am Mittwoch berät das Kabinett in einer Sondersitzung über die Lage nach der Flutkatastrophe und mögliche weitere Maßnahmen. Schröder sprach sich gegen Reisen von Politikern aus den Heimatstaaten der betroffenen Touristen in die Krisenregion aus. Dies würde „Ressourcen in Anspruch nehmen, die besser eingesetzt werden können.“ „Das wäre ein falsches Signal.“ RTR/WIW
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