40 Jahre Bioland: Vom Schweizer Vortrag zu Deutschlands größtem Bioverband

40 Jahre Bioland: Vom Schweizer Vortrag zu Deutschlands größtem Bioverband

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Buntes Gemüse

Chemie, nein danke! Das war vor 40 Jahren das Motto einiger Bauern in Süddeutschland. Aus dieser Haltung entstand Bioland e.V. Galten die Mitglieder damals als rückständig, bedienen sie heute eine wachsende Nachfrage nach gesundem Essen.

Erfunden haben es eigentlich die Schweizer: Dem Agrarpolitiker Hans Müller und seiner Frau gefiel es nicht, dass in der Landwirtschaft immer mehr Chemie zum Einsatz kam. Die beiden gründeten zusammen mit dem deutschen Arzt Dr. Hans Peter Rusch eine Bauernbewegung, die sich für natürlichen, traditionellen Landbau stark machte. Sie organisierten Treffen und hielten Vorträge, zu denen auch viele deutsche Landwirte anreisten. Das war 1951.

Davon inspiriert gründeten 20 Jahre später, am 25. April 1971, zwölf Bauern auf Schloss Lichtenstein bei Reutlingen in Baden-Württemberg das deutsche Pendant – den „bio-gemüse e.V.“ Sie übernahmen die Richtlinien und Grundlagen der Schweizer. Aus dieser Gruppe von als rückständig belächelten Landwirten entwickelte sich im Laufe der Zeit der größte Öko-Anbauverband in Deutschland. 1978 wurde der Name „Bioland“ als Warenzeichen eingetragen, seit 1998 ist der Sitz des Verbandes in Mainz.

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Transparenz und artgerechte Haltung

Die Philosophie von Bioland ist es, Erzeuger und Händler eng zu vernetzen und jeden einzelnen Produktionsschritt transparent zu machen. Der Kunde soll wissen, woher sein Steak, sein Brot oder sein Obstkuchen kommen und womit das Rind gefüttert beziehungsweise womit Obstbäume und Getreide gedüngt wurden. Die Richtlinien des Verbandes sind strenger als die der EU-Öko-Verordnung: Mitgliedsbetriebe dürfen keinen konventionellen Anbau betreiben, sie dürfen keine chemischen Pestizide verwenden und müssen ihre Tiere artgerecht halten. Das heißt: Schweine, Hühner, Schafe und Rinder raus auf die Weide, anstatt in den Stall gepfercht. Die Tiere werden nicht gemästet, was das Fleisch eines Bioland-Tieres wesentlich teurer macht. Es dauert länger, bis ein Schwein sein Schlachtgewicht erreicht.

Bundesweit arbeiten rund 5.500 Biobauern und mehr als 866 Vertragspartner wie Metzgereien, Restaurants, Brauereien, Bäckereien, Molkereien und Mühlen nach diesen Richtlinien. Viele Bioland-Betriebe sind Direktvermarkter: Sie verkaufen ihre Produkte im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt. Natürlich gibt es sie auch im Bioladen oder Reformhaus und mittlerweile auch im normalen Supermarkt.

Zweistelliges Wachstum erwartet

Zwar kam im Jahr 2009 das vorläufige Ende des Biobooms, die Umsätze stagnierten, doch heute übersteigt die Nachfrage in Deutschland wieder das Angebot. Der Trend reißt so schnell nicht ab. Allein die Verkaufsfläche von Biosupermärkten stieg in 2009 bundesweit um 20.000 Quadratmeter. 2010 setzten Hersteller und Vertrieb von ökologischen Lebensmitteln 5,9 Milliarden Euro um, zwei Prozent mehr als 2009. Die Fläche, auf der Bauern ökologischen Anbau betreiben, wächst und wächst. 2010 kamen 54.000 Hektar hinzu, die Bio-Betriebe vermehren sich stetig. Etwas mehr als die Hälfte der rund 22.000 Betriebe hält sich an die Richtlinien von Verbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter. 48,3 Prozent der Höfe richten sich nach der weniger strengen EU-Bio-Verordnung. Der Bund der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) geht davon aus, dass es noch mehr Bio-Betriebe geben wird und dass die Umsätze weiter steigen werden. Für 2011 rechnet er mit einem zweistelligen Wachstum.

Die BÖLW fordert jedoch eine stärkere Unterstützung durch die Politik. Die Förderungen seien zwischen 2004 und 2009 um elf Prozent gekürzt worden, noch immer stünde der konventionelle besser da als der ökologische Landbau. Dabei, so sagte ein BÖLW-Vortandsmitglied, habe der ökologische Landbau eine sehr hohe Bedeutung auch für die Artenvielfalt und den Klimaschutz.

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