60 Jahre Bundesrepublik: Was wir von den Gründern der ersten Stunde lernen können

60 Jahre Bundesrepublik: Was wir von den Gründern der ersten Stunde lernen können

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'Berliner Luftbrücke', Juni 1948 bis September 1949: Ausgebomt, ausgehungert, ausgelaugt - so erlebten die meisten Deutschen die Gründung der Bundesrepublik

Ausgebombt, ausgehungert, ausgelaugt – so erlebten die meisten Deutschen die Gründung der Bundesrepublik 1949. Doch es gab genügend Unverzagte, die allen Widrigkeiten zum Trotz den Grundstein für Unternehmen legten, die teilweise sogar Weltruhm erlangten. Die Erfolgsrezepte von damals lesen sich wie Anleitungen für heute. Die WirtschaftsWoche beschreibt in einer Serie die Lehren der vergangenen 60 Jahre und an welche Grenzen das Modell Deutschland in einem grenzenlosen Europa stößt.

Im Wohnzimmer spielt eine hippe Band. Das britische Fußball-Idol David Beckham lungert mit dem US-amerikanischen Basketball-Star Kevin Garnett auf dem Sofa herum. In der Garage fahren coole Typen Skateboard, in der Küche tanzen schöne Frauen wie Popstar Katy Perry, ein paar Verrückte springen in Klamotten in den Pool. Alle tragen sie drei Streifen am Ärmel und auf Schuhen und auf der Brust das Dreiblatt.

Herbert Hainer, der Chef von Adidas, hat die sportlich gekleideten Promis in den Werbespot mit der schrägen Hausparty gepackt, weil es für ihn Großes zu feiern gibt. „60 Years of Soles and Stripes“ – sechs Jahrzehnte Sohlen und Streifen, unter diesem Motto läuft das Gute-Laune-Filmchen seit wenigen Wochen in Fernsehen und Internet. Denn am 18. August 1949, vor fast 60 Jahren, ließ Unternehmensgründer Adi Dassler die berühmten drei Streifen zum Schutz vor Nachahmern beim da-maligen Deutschen Marken- und Patentamt eintragen. Das war der Startschuss für den Aufstieg von der kleinen Klitsche 1949 zum weltweit zweitgrößten Sportkonzern 2009, für den Sprint aus der Provinz hinaus in die Welt.

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Ideen können auch Konjunkturkrisen überleben

Wie der geschäftstüchtige Franke mit seinen Sportschuhen, so haben sich vor 60 Jahren auch viele andere Zeitgenossen unternehmerisch auf den Weg gemacht. Für sie war Deutschland nicht nur der Kriegsverlierer, das Land der Geschundenen und Gedemütigten, der Enteigneten und Entwurzelten, der Ausgebombten und Ausgehungerten. Sie sahen in der Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 auch ein Signal des Aufbruchs. Von der wertlosen Reichsmark befreit, ahnten sie schnell, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten ihnen die neu installierte Soziale Marktwirtschaft bot. Und inspiriert von den Marshallplan-Geldern, den Aufbaukrediten aus Amerika, sahen sie die ungeheuren Wachstumsmöglichkeiten nach der ungeheuren Zerstörung voraus.

Ob Adi Dassler mit seinen Sportschuhen, Werner Otto mit seinem Versandhandel oder Max Herz mit der Kaffeerösterei Tchibo – nicht wenige der 1949 gegründeten Unternehmen sind Institutionen der deutschen Wirtschaft geworden. Andere wie der Baumaschinenkonzern Liebherr, das Handelshaus Hussel, der Waffenproduzent Heckler & Koch, der Schuhhersteller Gabor das IT-Unternehmen Süss Microtec oder der Kinderfahrradspezialist Puky haben bewiesen, dass ihre Ideen auch Konjunkturkrisen überleben, von denen es nach dem Krieg rund ein halbes Dutzend gab.

Alle erfolgreichen 49er eint, dass sie sich nicht von den widrigen Umständen der Nachkriegszeit beirren ließen. Tchibo-Gründer Herz musste in seinem Hamburger Kontor Regenschirme aufspannen lassen, weil das Dach durch die Kriegsbomben größtenteils zerstört war. Versandhändler Otto ließ seine ersten Kataloge noch zusammenbinden und Fotos einkleben. Die Schuhhersteller Joachim und Bernhard Gabor mussten ihre Maschinen zerlegen und über die damalige Zonengrenze schmuggeln, um im Westen ihre Fabrik eröffnen zu können.

„Von den Unternehmen, die 1949 ihre Betriebe gründeten, können heutige Unternehmer und Existenzgründer noch viel lernen“, sagt der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Manfred Pohl. Vor über einem Jahr gründete Pohl – unter anderem mit Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, Unternehmensberater Roland Berger und dem Philosophen Peter Sloterdijk – den Frankfurter Zukunftsrat, um aktuelle gesellschaftspolitische Fragen zu diskutieren.

Pohl hat bei den damaligen Gründern einen „riesigen Enthusiasmus“, ausgemacht. „Die Unternehmer hatten 1949 mehr Mumm, die Menschen verfügten über mehr Gemeinsinn. Den Leuten war klar, dass sie nur etwas erreichen können, wenn sie zusammenstehen.“ Die Erfolgsrezepte der Unternehmen, Baujahr 1949, gehen meist auf die Gründer zurück und haben vielfach nichts von ihrer Aktualität verloren. Ihre Leitsätze klingen auch 60 Jahre später noch nachahmenswert.

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