
SEVILLA. Das Management von EADS und Airbus drängt die Kundenstaaten für das Militärtransport-Flugzeug A400M darauf, eine Entscheidung zur Verteilung der Mehrkosten zu treffen. EADS will das Vertragsmoratorium nicht noch einmal über den 31. Januar hinaus verlängern. "Bis jetzt gibt es keine echten Verhandlungen dazu, ich appelliere an die Regierungen, schnell zu handeln", sagte Gallois auf der Jahrespressekonferenz in Sevilla.
Airbus-Chef Enders bekräftigte, Airbus das Programm abbrechen muss, sollte kein Kompromiss gefunden werden. "Andernfalls stellt das A400M-Programm eine Bedrohung für das gesamte Unternehmen dar", warnte Enders. Am Donnerstag treffen sich die Verteidigungs-Staatssekretäre der sieben Kundenstaaten, um über die A400M zu verhandeln.
EADS und Tochter Airbus zanken sich seit Monaten öffentlich darum, wer wie viel der Mehrkosten für das neue Militärflugzeug tragen muss. Der ursprüngliche Vertrag sieht die Lieferung für 180 Flugzeuge zum Festpreis von 20 Mrd. Euro vor. Laut Airbuskreisen belaufen sich indes die gesamten Zusatzkosten mittlerweile auf elf Mrd. Euro.
7,4 Mrd. Euro umfassen bekannte Mehrkosten. Von diesem Betrag hat EADS bereits 2,4 Mrd. Euro in der Bilanz zurückgestellt, solche Rückstellungen mindern den Gewinn. Hinzu kommt ein Betrag von 3,6 Mrd. Euro, der die weiteren Entwicklungsrisiken des Flugzeugs abdecken soll. Airbus schlägt laut Industriekreisen vor, die weiteren Entwicklungsrisiken auf sich zu nehmen. Daher dreht sich der Streit um die verbleibenden Zusatzkosten von 7,4 Mrd. Euro. Airbus will davon maximal die Hälfte übernehmen.
Airbus sieht in dem Abkommen mit den britischen Kunden einen Modellcharakter. Im Sommer hatte die britische Regierung sich bereits mit Airbus de facto über eine Preissteigerung für das Flugzeug von 25 Prozent geeinigt. Denn die Briten sollen bis 2020 nur 19 Flieger statt 25 bekommen - zum gleichen Preis. Das Abkommen ruht indes, solange sich Airbus nicht mit allen sieben Staaten geeinigt hat.
"Selbst mit dieser Preissteigerung ist die A400M billiger und besser als Konkurrenzflugzeuge", warb Airbus-Chef Enders in Sevilla. Doch vor allem die Bundesregierung beharrt bisher strikt auf den bestehenden Festpreisvertrag und den darin vorgesehen Stückzahlen. Demnach soll die Bundeswehr 60 Stück des A400M bis zum Jahr 2020 bekommen. Allenfalls über die Nutzung der im Vertrag vorgesehen Preisanpassungsklauseln für Rohstoffe will das Verteidigungsministerium mit sich reden lassen. Daraus ergäbe sich aber nur maximal ein Zusatzbeitrag für Deutschland von 650 Mio. Euro, hieß es jüngst aus dem Verteidigungsministerium. Zu wenig, aus Sicht von Airbus.
Abgesehen vom Damoklesschwert A400M geht das EADS-Management überraschend optimistisch in das neue Jahr. "Wir rechnen mit ähnlichen Lieferzahlen wie im vergangenen Jahr, die Produktion wird beibehalten", sagte Enders. 2009 hatte Airbus 498 zivile Flugzeuge ausgeliefert, 15 Stück mehr als im Jahr zuvor und hat damit einen neuen Rekord aufgestellt und erneut Rivale Boeing geschlagen (481 Lieferungen).
"Mit Blick auf die Bestellungen rechnen wir mit einem Wert zwischen 250 und 300", sagte Vertriebsvorstand John Leahy. In 2009 hatte Airbus 310 neue Orders bekommen, und damit mehr, als ursprünglich erwartet. Nach Abzug von Stornos blieben 271 Bestellungen über. "Wir haben aber im Krisenjahr 2009 weniger Stornos bekommen als im Jahr 2008", unterstrich Enders. Unter dem Strich machte EADS einen Umsatz von 41,7 Mrd. Euro nach 43,3 Mrd. Euro im Vorjahr. Den Rückgang führte Gallois auf den schwachen Dollar zurück. Die meisten Produkte wie Flugzeuge verkauft EADS gegen Doller, die Ergebnisse werden aber in Euro dargestellt.
Probleme bereitet nach wie vor der Riesenairbus A380. Anfang 2009 hatte Airbus geplant, 18 Stück im Gesamtjahr auszuliefern; am Ende waren es nur zehn. Zum Teil wollen Kunden die Maschinen später beziehen, aber Airbus hat auch nach wie vor Produktionsprobleme. Die Rumpfteile, die aus Hamburg und aus Saint Nazaire kommen, müssen in Toulouse immer noch nachbearbeitet werden. Laut Fabrice Bregier, die Nummer zwei von Airbus, will der Konzern bis zum Sommer erreichen, dass einwandfreie Teile in Toulouse ankommen. Daher steckte sich das Unternehmen das Ziel, in diesem Jahr 20 Stück der A380 auszuliefern.
Der Bestseller A320 bekommt möglicherweise neue Motoren. Eine Entscheidung dazu soll in diesem Jahr gefällt werden, kündigte Gallois an. Triebwerkshersteller wie Safran oder Pratt & Whitney werben mit neuen Motoren, die dank dem Einsatz von leichten Verbundwerkstoffen bis zu 15 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen.













