Abwehrkampf gegen ACS: Hochtiefs letzter Strohhalm ist die Bafin

KommentarAbwehrkampf gegen ACS: Hochtiefs letzter Strohhalm ist die Bafin

von Harald Schumacher

Nachdem ACS gut 30 Prozent der Hochtief-Anteile sicher hat, bleibt dem deutschen Baumarktführer nur eine letzte Hoffnung, um die Übernahme zu verhindern: Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin muss das auffällige Zusammenwirken von ACS und dem Southeastern-Fonds überprüfen.

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Nur mehr wenig Hoffnung auf ACS-Abwehr: Ein Stahlbetonbauer des Baukonzerns Hochtief auf einer Baustelle.

ACS-Chef Florentino Pérez scheint dreieinhalb Monate nach der Offenlegung seines Angriffs auf Hochtief am Ziel. 30,34 Prozent der Anteile am deutschen Bauprimus reichen, um nun in aller Ruhe die Anteile weiter aufzustocken: auf 35 Prozent, um bei der Hauptversammlung im Mai über die sichere Mehrheit der dort repräsentierten Stimmrechte zu verfügen und das renitente Management des Essener Konzerns durch ACS-Freunde zu ersetzen;  und dann auf über 50 Prozent, um die eigenen tiefrote ACS-Bilanz konsolidieren zu können.

Es gibt nur noch wenige Hindernisse, die Perez die Strategie vermasseln könnten. Da einige Minderheitsrechte bereits ab einem Aktienanteil von fünf Prozent greifen, muss sich der Spanier mit dem neuen Großaktionär aus Katar arrangieren, der im Dezember 9,1 Prozent der Hochtief-Anteile erwarb. Möglich auch, dass die Qatar Holding im Vorfeld der Hauptversammlung im Mai Verbündete sucht, um mit mehr als 25 Prozent der Stimmrechte eine Zerschlagung und ein Ausschlachten von Hochtief zu verhindern.

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Bafin als letzte Zuflucht

Letzter Strohhalm der Aufrechten in Essen um Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter aber ist die Bonner Finanzaufsichtsbehörde Bafin. Sie muss überprüfen, ob bei dem Übernahmepoker alles mit rechten Dingen zuging. Daran bestehen erhebliche Zweifel. Die Frage ist, ob ACS und der US-Fonds Southeastern Asset Management schon frühzeitig verdeckt ihre Interessen koordiniert und ihre Strategie abgestimmt haben. "Acting in concert" heißt der Fachterminus für diesen Verdacht. Die Indizien sind schwerwiegend: Southeastern erwarb wenige Woche, bevor ACS das Übernahmeangebot bekannt gab, weitere Hochtief-Aktienpakete; Southeastern schätzte den Fair Value der Hochtief-Aktie auf 95 Euro, verkaufte aber zu einem viel niedrigeren Kurs an ACS; rund 85 Prozent der Aktien, die ACS nun angedient wurden und mit denen der Angreifer über die 30-Prozent-Hürde kommt, stammten von Southeastern.

Was die Bafin wirklich unternimmt gegen das womöglich abgekartete Spiel, ist das Geheimnis der Aufsichtsbehörde. Ein Hochtief-Manager sagt: "Die Bafin ist eine Black box." Sehr späte Überraschungen im Krimi um Hochtief sind nicht ausgeschlossen.

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