Ackermann-Nachfolge: Die Deutsche Bank schadet sich selbst

Ackermann-Nachfolge: Die Deutsche Bank schadet sich selbst

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Clemens Börsig (l), Josef Ackermann

von Cornelius Welp und Yvonne Esterházy

Die ungelöste Nachfolge an der Spitze belastet die Deutsche Bank zusehends. Vorstandschef Josef Ackermann und sein Oberaufseher Clemens Börsig verzehren sich in Feindschaft. Mitarbeiter und Investoren sind beunruhigt.

Wo auch immer Josef Ackermann ist, da ist es wichtig. So auch vor wenigen Tagen in Sankt Petersburg, wo der Chef der Deutschen Bank bei einer – natürlich hochrangig besetzten – Diskussionsveranstaltung Auskunft zur Schuldenkrise im Euro-Raum gab. Und weil dem so ist, geht selbst der vage Satz zur Griechenland-Rettung, dass „wir im Dialog sind, um zu sehen, ob es einen Beitrag von Investoren geben kann“, sofort um die Welt. Weil er ihn gesagt hat.

Der 63-jährige Schweizer hat eine Stellung erreicht, die weit über die Rolle eines Vorstandsvorsitzenden hinausgeht, dessen Bank nach der Börsenkapitalisierung weltweit nicht einmal zu den ganz Großen zählt. Ackermann widmet dem operativen Geschäft nur noch die Minderheit der Einträge in seinem minutengenau getakteten Terminkalender. Stattdessen ist er etwa in die Gespräche um eine Lösung der Euro-Krise von Beginn an persönlich voll eingebunden, heißt es in der Bank. Mit dem von Ackermann geleiteten Welt-Bankenverband IIF wollen die Euro-Länder nun verhandeln. Die „New York Times“ ernannte den Deutsche-Bank-Chef erst kürzlich zum „mächtigsten Banker Europas“.

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Patt an der Spitze

So schön das für Ackermann sein mag, so problematisch ist seine Auffahrt in den Banker-Olymp für Deutschlands größtes Geldhaus. Sein Chef hat eine derart dominierende Stellung erreicht, dass er kaum ersetzbar scheint. Weil er zudem mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig im Dauerclinch liegt, macht sich Nervosität bei Investoren und Mitarbeitern breit. Eine überzeugende Lösung der Nachfolgefrage ist wegen des Patts an der Spitze nicht in Sicht. Bis hinauf in die höchste Führungsebene fürchtet das Bankpersonal eine Schlammschlacht um den Spitzenjob, die Top-Manager und damit letztlich die Bank beschädigen könnte.

Vor allem aber droht eine Dauerhängepartie die ohnehin fragile Machtbalance zwischen den vor allem in London ansässigen Investmentbankern und den Managern im traditionellen Frankfurter Geschäft ins Wanken zu bringen. Alte Gräben würden aufreißen. Zudem ist weltweit das Image in Gefahr. Weil die Eignung des indischstämmigen Investmentbankchefs Anshu Jain für den Spitzenjob zunehmend angezweifelt wird, fragten angelsächsische Medien kürzlich in großer Aufmachung, ob die Deutsche Bank rassistisch sei.

Bislang schlingert das Geldhaus zwischen den entscheidenden Fragen dahin: Erfüllt Ackermann seinen Vertrag wirklich bis 2013 oder hört er ein Jahr früher auf? Folgt ihm Investmentbanker Jain, Risikovorstand Hugo Bänziger oder der frühere Bundesbank-Präsident Axel Weber? Gibt es eine Doppelspitze oder gar einen ganz anderen externen Kandidaten?

„Wir haben schon seit Längerem darauf hingewiesen, dass die Nachfolgeplanung wichtig ist und das Unternehmen sich damit befassen muss“, sagt George Dallas, Direktor für Corporate Governance bei der britischen Fondsgesellschaft F&C, und fordert endlich eine Entscheidung.

Die scheint überfällig. Spätestens im Mai 2013 ist für den heute 63-Jährigen Schluss, mehrfach hat er ausgeschlossen, länger zu bleiben. An sich bestünde kein Grund zur Hektik, hätte Ackermann, der ursprünglich schon 2010 aufhören wollte, nicht selbst der Debatte immer wieder Nahrung gegeben. Insider meinen, dass Ackermann vor allem an seinem Vermächtnis arbeitet – wozu gehört, dass er mit entscheidet, wer ihn beerbt.

Börsig sieht sich in der Pflicht

Ackermanns Ansinnen steht jedoch ein Mann entgegen, der als Aufsichtsratsvorsitzender für die Nachfolgesuche eigentlich verantwortlich und dem amtierenden Bankchef seit Jahren in inniger Abneigung verbunden ist. Clemens Börsig, 62, hat nur wenig Sinn für die Legendenbildungsbemühungen seines Vorstandschefs. Bei der Nachfolge sieht er sich in der Pflicht, Ackermann darf gern am Rande stehen und sich mit Tipps nützlich machen. Zu entscheiden, das hat Börsig mehrfach klargestellt, hat der Schweizer aber nichts. Börsig will sich nicht treiben lassen und setzt auf einen „klar strukturierten Prozess“ – der, wie Insider glauben, frühestens im Herbst Erkenntnisse bringt.

Im Idealfall wäre die Inthronisierung eines Nachfolgers für Ackermann das Ergebnis des konstruktiven Zusammenspiels von Unternehmenslenker und Aufsichtsrat. „Der Vorstandschef kennt die Branche und damit externe wie interne Kandidaten, er führt oft die ersten Gespräche und stimmt sich dann mit dem Aufsichtsratschef ab“, sagt der Frankfurter Personalberater Heiner Thorborg.

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