ACS-Übernahme: Hochtief vor der Zerreißprobe

ACS-Übernahme: Hochtief vor der Zerreißprobe

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Der ACS-Chef, Florentino Perez, besichtigt eine Baustelle. Der "Sonnenkönig" herrscht über ACS, Codename Sun - und künftig auch über die Essener Hochtief AG, die in den Übernahmeplänen als Moon chiffriert wurde.

Nach der feindlichen Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS belasten tiefe innere Risse die Zukunft des größten deutschen Baukonzerns.

Der sichtbare Protest ist weitgehend abgerüstet, nachdem der spanische Baukonzern ACS die Übernahmeschlacht um Hochtief gewonnen hat. Nur in zwei Fenstern direkt neben dem Treppenaufgang zur Hochtief-Zentrale in Essen kleben noch Plakate mit Totenkopf und der ebenso ultimativen wie vergeblichen Parole „ACS no“. Belegschaft und Management hatten seit Bekanntwerden der Übernahmeofferte am 16. September 2010 ihr Unternehmen offensiv verteidigt. Nach der Niederlage verlegen sie nun den Widerstand nach innen. Die Unternehmenskultur von ACS erinnere ihn an Konquistadoren wie Hernán Cortes, der 1521 das Reich der Azteken eroberte, erklärt ein traumatisierter Hochtief-Top-Manager das Erlebte: „Sie stellen sich als neue Freunde vor, und am Ende sind alle tot.“

Hoher Frust, tiefe Gräben

Tot ist Hochtief nicht, aber innerlich zerrissen. Durch Führungsmannschaft und Belegschaft laufen tiefe Gräben: ACS-Profiteure und -Pragmatiker auf der einen Seite, ACS-Opfer und -Skeptiker auf der anderen. Die Risse belasten die Zukunft des Unternehmens, das sich nach einem Dreivierteljahr Abwehrkampf nun wieder auf sein Geschäft konzentrieren sollte.

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Seinen vorläufigen Abschluss findet eine der spektakulärsten feindlichen Übernahmen der deutschen Wirtschaft auf der Hauptversammlung. Am 12. Mai 2011 hisst ACS in der Essener Grugahalle die rot-gelbe Flagge Españas über Hochtief. Die Symbolfigur der Abwehrschlacht, der von ACS zum Rücktritt gezwungene Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter, übergibt seinen Posten an den Vorstandskollegen Frank Stieler. Den Juristen hat ACS zum Nachfolger gekürt. Am selben Tag will der iberische Großaktionär den Aufsichtsrat neu besetzen, um freie Hand zu haben bei Hochtief. Damit verliert die deutsche Bauindustrie – abgesehen von Bilfinger Berger – ihr letztes eigenständiges Aushängeschild von internationalem Format.

Zwar hält ACS noch nicht – wie angestrebt – mehr als 50 Prozent der Hochtief-Aktien. Und aus Unternehmenskreisen erfuhr die WirtschaftsWoche, dass die Präsenz bei dem Aktionärstreffen diesmal über 70 Prozent liegen wird. Sonst waren es maximal 63 Prozent. Aber auch das dürfte nicht reichen, um ACS Paroli zu bieten. Mit rund 42 Prozent zuzüglich der Stimmen verbündeter Investoren wie dem US-Fonds Southeastern Asset Management kann ACS-Chef Florentino Perez die Abstimmungen über die acht Aufsichtsratsposten der Kapitalseite dominieren.

Einen davon gesteht Perez dem zweiten Hochtief-Großaktionär Qatar Holding zu. Vier eigene Kandidaten will ACS durchsetzen, aber erst bei der Hauptversammlung vorstellen. „Dass sie keine Vorschlagsliste eingereicht haben, deutet darauf hin, dass sie sich bis zuletzt alle Optionen offenhalten wollen“, sagt Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie. Denkbar ist, dass sich die Kontrahenten noch auf Kompromiss-Kandidaten einigen.

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