Adidas-Chef Herbert Hainer: "Die Finger schlecken"

Adidas-Chef Herbert Hainer: "Die Finger schlecken"

Bild vergrößern

Adidas-Chef Herbert Hainer mit einem Modell des Laufschuhs "Adidas 1"

Adidas-Chef Herbert Hainer über die Probleme mit der US-Tochter Reebok, gebremste Expansionspläne in Russland und Basketballspieler in Drei-Streifen-Trikots.

WirtschaftsWoche: Herr Hainer, drei Jahre nach dem Kauf ziehen die Zahlen Ihres Drei-Milliarden-Zukaufs Reebok die Adidas-Bilanz noch immer nach unten. Jetzt sollen Reeboks Schuhe und Shirts teurer und hochwertiger werden – läuft Ihnen bei dem Vorhaben jetzt nicht die Krise in die Hacken?

Hainer: Nein, denn was wir jetzt machen, müssen wir auch ungeachtet der Krise durchziehen – Sie müssen sich die Ausgangslage vorstellen: Reebok hat noch im vergangenen Jahr 30 Prozent seiner Schuhumsätze zu Preisen von 29,90 Dollar gemacht bei den US-Schuhfilialisten wie Kohl's oder Famous Footwear. Mit solchen Preisen können Sie weder Geld verdienen noch ein Image schaffen. Deshalb wollen wir das Preisniveau auf ein vernünftiges Maß anheben –wir werden keine Schuhe mehr für 29,90 Dollar verkaufen.

Anzeige

Sie haben Reebok gekauft, damit Ihnen die Marke in den USA weiterhilft. Nun hat Reebok aber mit Uli Becker einen deutschen Chef, und eine deutsche Werbeagentur, DDB in Berlin, wird die neue Werbung verantworten – verstehen die Amerikaner ihre eigene Marke nicht?

Das ist mir zu vereinfacht – ja, wir haben Reebok gekauft, um der Adidas-Gruppe auf dem US-Markt zu helfen. Das ist geglückt. Wir erzielen dort heute 1,3 Milliarden Dollar mehr Umsatz dank Reebok. Dank Reebok konnte die Marke adidas die Sponsorrechte der Basketballliga NBA übernehmen – wenn Sie sich die Basketballspiele heute ansehen, sehen Sie unsere drei Streifen sehr prominent.

Aber wann wird aus Sichtbarkeit Umsatz?

Das wird nicht von heute auf morgen in Umsatz umschwenken. Aber es hilft der Marke, das sehen wir auch an den Marktforschungsergebnissen. Jetzt gerade hat in Phoenix das Basketball-Allstar-Game stattgefunden – und da waren die drei Streifen auch auf dem Spielfeld deutlich zu sehen – das hat langfristig sicher Wirkung.

Besonders, wenn Spieler, die bei Ihrem Erz-Konkurrenten Nike unter Vertrag stehen, plötzlich in Adidas-Kluft schlüpfen müssen...

Ja, das hat schon was, wenn die Nike-Spieler LeBron James oder Kobe Bryant in Adidas auftreten, das hat mir gut gefallen.

Aber was hat Reebok davon?

Wir müssen Reebok international ausbauen, da steckt das Potenzial, und da können wir bessere Margen erzielen. In den USA haben Sie in der Regel um zehn Prozentpunkte niedrigere Margen als in Europa oder Asien, weil die Amerikaner viel mehr konsumieren als Europäer und Asiaten. Der US-Bürger kauft sich im Schnitt im Jahr sieben bis acht Paar Sportschuhe. Deshalb guckt er viel stärker auf den Preis. In Deutschland kaufen sich Sportler den besten Schuh, den sie für ihre Sportart bekommen können, und das dann vielleicht ein oder zwei mal pro Saison. Die Schuhe sind höherwertig, und für uns ist die Marge besser. Da muss auch Reebok hin. Und dabei wird uns sicher auch DDB sehr stark helfen können.

Wie gesagt: DDB unter der Führung von Amir Kassaei in der deutschen Hauptstadt Berlin...

…mit Tonio Kröger und mit Amir Kassaei, der in Teheran geboren und in Wien aufgewachsen ist, richtig. Ich sehe DDB überhaupt nicht als deutsche Agentur; Sie wissen, dass sie auch schon für Nike gearbeitet haben. DDB kennt diese Branche sehr gut. Abgesehen davon bin ich von Amir Kassaei absolut angetan, er ist ein cooler Typ und kreativ, und er wird uns wirklich helfen, Reebok deutlich klarer und schärfer zu positionieren.

Stecken Sie mehr Geld in die Reebok-Werbung?

Das passiert Schritt für Schritt. Denn jetzt haben wir wirklich gute Produkte und Konzepte – nehmen Sie allein unsere neue Fitness-Kollektion für Frauen Jukari, die in Zusammenarbeit mit dem Cirque de Soleil entstanden ist. Es wäre doch vorher völlig sinnlos gewesen, ein Riesengeld für Marketing auszugeben, wenn immer noch Billigangebote im Handel sind. Dann sieht der Kunde eine Kampagne, in der ihm gezeigt wird, was für eine tolle, hochwertige Marke Reebok ist, und im Laden findet er dann Schuhe für 29,90 – das passte nicht zusammen, damit schmeisst man nur Geld zum Fenster raus.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%