Ägypten: Reiseveranstalter bleiben trotz Unruhen gelassen

Ägypten: Reiseveranstalter bleiben trotz Unruhen gelassen

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Flugzeug

Wegen der Proteste in Ägypten fliegen viele Staaten ihre Bürger aus. Die Türkei, China, die USA, Japan und Indien holen ihre Leute aus dem nordafrikanischen Land zurück. Auch die Lufthansa organisiert zusätzliche Flugzeuge, um Touristen vorzeitig auszufliegen. Die finanziellen Schäden können TUI und Co. noch nicht absehen.

Die Unruhen in Ägypten finden kein Ende, Panzer fahren durch Kairo, vor dem ägyptischen Museum stehen Soldaten und auch in Sharm el Sheikh, einer Touristenhochburg am roten Meer, marschierte bereits die ägyptische Armee ein. Die Konsequenz: Tagesausflüge nach Kairo finden bis Anfang Februar nicht statt, am Frankfurter Flughafen werden Flüge nach Ägypten gestrichen, täglich holen Staaten ihre Bürger aus dem beliebten Urlaubsziel. Die deutsche Lufthansa fliegt seit Samstag gar nicht mehr dorthin, das Land ist zu unsicher geworden. Auch das auswärtige Amt warnt vor einer Reise. Zwar richteten sich die Demonstrationen "nicht gegen Touristen", diese sollten "von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Kairo, Alexandria und Suez" aber absehen. Die meisten Tourismusgebiete rund ums rote Meer seien jedoch sicher, heißt es aus Berlin.

Grundsätzlich raten sowohl das auswärtige Amt als auch die Großen der Reisebranche dazu, von gebuchten Reisen zurückzutreten beziehungsweise umzubuchen. Wer bereits vor Ort ist, kann seinen Urlaub auf Wunsch vorzeitig abbrechen. Die großen Reiseveranstalter Thomas Cook, TUI und Rewe Touristik bieten ihren Kunden an, Reisen, die bis einschließlich siebtem Februar nach Ägypten gehen sollen, gebührenfrei umzubuchen oder ganz zu stornieren. Im Normalfall richten sich die Stornogebühren nach dem Reisepreis.

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Die genauen Sätze legt jeder Reiseveranstalter für sich fest. Bei Neckermann, einem Tochterunternehmen der Thomas Cook AG, werden die Erstattungen für Rücktritte nach folgendem Schlüssel ausbezahlt:

Bis 30 Tage vor Reisebeginn fallen 25 Prozent des Reisepreises als Stornogebühren an,

drei bis vier Wochen vor Beginn sind es 30 Prozent,zwei bis drei Wochen zuvor 40 Prozent, ein bis zwei Wochen 65 Prozentund wer sich ganz kurzfristig entschließt, eine Reise nicht anzutreten, zahlt zwischen 70 und 80 Prozent der ursprünglichen Reisekosten.

Bei Umbuchungen entfallen die Gebühren meistens, wenn eine teurere Reise gebucht wird. Ansonsten unterscheidet sich der Preis von Veranstalter zu Veranstalter. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt, in den meisten Fällen liegen sie jedoch zwischen 50 und 100 Euro. Da die Reiseveranstalter den sonst nicht ganz billigen Service für ihre Ägyptenurlauber nun gratis anbieten, dürfte ihnen eine stattliche Summe Geld durch die Lappen gehen.

Bis 7. Februar kostenlos stornieren

Beim Veranstalter Tui, zu dem unter anderem noch Airtours, 1-2-Fly, Tuifly und L’tur gehören, können die Gäste Reisen nach Ägypten bis einschließlich siebtem Februar gebührenfrei umbuchen und stornieren. Wer bereits dort sei, könne seinen Urlaub fortsetzen oder frühzeitig beenden. Angst vor finanziellem Schaden hat man im Konzern jedoch nicht. „Die Menschen wollen reisen“, sagt TUI-Sprecherin Anja Braun zu wiwo.de. „Die hängen ihre Urlaubspläne nicht einfach an den Nagel.“ Eine Erfahrung, die man auch während der Unruhen in Tunesien machen konnte. Die Touristen buchten einfach ein anderes Ziel, sodass es keinen finanziellen Ausfall gäbe. Außerdem weist Braun darauf hin, dass das Gros ihrer Kunden am roten Meer aufhalte und dort den Urlaub ganz normal fortsetze. „Es gibt von uns keine Sonderflüge oder Sondermaschinen“, sagt sie. Tagtäglich flögen Maschinen nach Ägypten und auch wieder heraus. Sollten Personen ihren Urlaub abbrechen wollen, würden sie auf eines dieser Flugzeuge umgebucht, sodass sich die Kosten in Grenzen hielten. Einen Gesamtüberblick über die entstehenden Kosten habe der Konzern derzeit jedoch nicht. „Da müssen wir sehen, wie sich die Lage in Ägypten entwickelt“, sagt Braun. Auch beim Deutschen Reiseverband (DRV) kann man noch keine Auskunft geben. „Wie sich das auf die Bilanzen auswirkt, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht feststellen“, sagt Sibylle Zeuch vom DRV. Das Ausmaß der Schäden für die Branche hänge davon ab, wie lange die angespannte Lage in Ägypten andauere.

Lasche Warnungen der Anbieter

Rewe-Touristik, zu dem ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg gehört, hat derzeit mehr als 3000 Gäste in Ägypten. Der Veranstalter rät trotzdem allen Kunden, die einen Ägypten-Urlaub mit Anreisedatum bis 7. Februar gebucht haben, ausdrücklich, ihre Reise nicht anzutreten. Der  bezahlte Reisepreis werde gutgeschrieben oder erstattet. Damit ist Rewe-Touristik der einzige der drei Branchenriesen, der sich ganz klar positioniert. Die Formulierungen der Konkurrenz sind eher schwammig: „empfiehlt daher allen Gästen, ihre Reiseabsichten zu überprüfen“, heißt es beispielsweise bei TUI, von Seiten von Thomas Cook gibt es überhaupt keine Warnung. „In den Badeorten am Roten Meer ist es weiterhin ruhig. Durch die teilweisen Ausgangssperren sind aber Ausflugsprogramme im Moment nur begrenzt möglich. Die Thomas Cook AG beobachtet die Lage weiterhin sehr genau und ist im ständigen Kontakt mit den Behörden und Mitarbeitern vor Ort", ist alles, was der Konzern dazu zu sagen hat. Darüber hinaus heißt es bei Thomas Cook, die Urlauber vor Ort hätten weiterhin gute Laune, bisher wolle niemand zurückfliegen.

Dass die Veranstalter nicht so konkret warnen, wie es vielleicht angebracht wäre, mag daran liegen, dass sie nur ungern auf den Gebühren für Umbuchung oder Reiserücktritte sitzen bleiben wollen. Auch wenn sich jetzt noch nicht sagen lässt, wie hoch der Schaden tatsächlich wird.

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