Agenda: Dickes Pensum für den künftigen Lufthansa-Chef

Agenda: Dickes Pensum für den künftigen Lufthansa-Chef

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Christoph Franz wird der Nachfolger von Lufthansa-Chef Mayrhuber.

Was der neue Lufthansa-Vorstand und designierte Mayrhuber-Nachfolger Christoph Franz jetzt tun muss.

Er kommt, er kommt nicht, er kommt – kaum eine Personalie der deutschen Wirtschaft war so lange in der Schwebe wie die Berufung von Christoph Franz in den Lufthansa-Konzernvorstand am vorigen Donnerstag. Dabei war der 48-Jährige bereits seit Ende 2007 Favorit für die Nachfolge von Konzernchef Wolfgang Mayrhuber, wenn der 2010 in Pension geht.. Die Lufthansa braucht Franz aber auch im Vorstand, weil Mayrhuber die – nach der Übernahme von Austrian Airlines, der britischen BMI und Brussels – dann zwölf europäischen Töchter im Passagierverkehr mit gut 20 Milliarden Euro Umsatz nicht länger quasi im Nebenjob zusätzlich zum Vorstandsvorsitz leiten will – ein Umstand, der in der Studie der Strategieberatung Oliver Wyman und der WirtschaftsWoche beleuchtet wird.

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ist der wichtigster Punkt im dicken Pensum des Neuen. Das gilt nicht nur für die defizitären Zukäufe in Österreich und England, sondern auch für die Kern-Lufthansa. Als Chef der Tochter Swiss hat Franz gezeigt, wie Fluglinien auch ohne üppige Verwaltung und komplizierte Struktur hohe Qualität bieten können. „Franz ist gut beraten, angesichts der ständigen Krisen weiter auf finanzielle Puffer und damit auf Flexibilität zu setzen“, sagt Markus Franke, Fluglinienspezialist bei Oliver Wyman. „Allerdings sind die Kosten für die Flexibilität auf Dauer sehr hoch – und es kommen neue Belastungen auf die Fluglinien zu.“ Denn der Ölpreis dürfte spätestens 2010 wieder anziehen. Und ab 2012 müssen alle Fluglinien für ihren Treibstoffverbrauch im europäischen Emissionshandel teure Zertifikate kaufen. Zudem braucht die Lufthansa Reserven für Preiskämpfe. Sowohl die wieder erstarkten US-Linien als auch die Konkurrenz aus den Golfstaaten wie Emirates und Etihad greifen mit niedrigeren Kosten und einem zum Teil besseren Bordprodukt an. Zwar sind letztere für eilige Geschäftsreisende wegen des zeitfressenden Umwegs über Dubai und Abu Dhabi auf vielen Routen kaum eine Alternative. Aber sehr viel teurer als diese Carrier können die europäischen Linien ihre Tickets derzeit auch nicht mehr verkaufen.Investieren dürfte das Duo Mayrhuber/Franz unter anderem in ein besseres Produkt. Künftig werden viele Unternehmen nur dann First und Business-Class buchen, wenn der Service deutlich besser ist als in der Economy. Dafür muss Lufthansa nicht nur wie geplant mehr Geld in die oft kargen Lounges stecken, sondern auch die inzwischen etwas rückständigen Premium-Flugsitze erneuern.

Integrieren

ist für Franz die dritte Hauptaufgabe. Aus Expertensicht braucht Lufthansa einen weiter entwickelten Ansatz im Konzerncontrolling, der die Mittel gezielter in die Bereiche lenkt, die das meiste Geld bringen. Dafür braucht die Lufthansa ein Konzept, wie sie ihre Tochtergesellschaften optimal nutzen will. Das bisheriges Prinzip des internen Wettbewerbs könnte angesichts von gut einem Dutzend Fluglinien zu komplex werden. Die meiste Arbeit dürfte BMI machen, die Lufthansa wegen eines alten Vertrags übernehmen muss. Sie kann die vor allem im Europaverkehr aktive Linie kaum verkaufen. Einziger Interessent wäre British Airways, die aber wohl keine Erlaubnis der Kartellbehörden bekämen. Da BMI viele Flugrechte in London-Heathrow besitzt, läge eine Verbindung mit der auf Langstrecken spezialisierten Virgin Atlantic auf der Hand. Aber die Verbindung zweier Fluglinien außerhalb des eigenen Heimatmarkts wäre sehr aufwändig.Konzentrieren muss Franz den Langstreckenverkehr. Mit allen Übernahmen besäße die Lufthansa hier acht europäische Drehkreuze. Ähnlich große US-Linien wie Delta Air Lines kommen mit der Hälfte aus. Vom Aufkommen her wäre es sinnvoll, sich auf Frankfurt, München, Zürich und London zu konzentrieren und Düsseldorf, Wien, Brüssel sowie Mailand auf Sparflamme zu fahren. Aus Sicht von Franke zieht Franz’ Berufung eine weitere Frage nach sich: „Wenn er 2010 Konzernchef wird, müsste ihm eigentlich ein weiterer Top-Manager als Chef des Fluggeschäfts nachfolgen.“ Der sollte möglichst ein internationaler Profil haben, sagt Franke: „Nach diesen Zukäufen ist die Lufthansa so europäisch, dass sich das durchaus im Vorstand widerspiegeln könnte.“

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