Aida-Cruises-Chef Thamm: Markt für Kreuzfahrten wird sich verdoppeln

Aida-Cruises-Chef Thamm: Markt für Kreuzfahrten wird sich verdoppeln

von Hans-Jürgen Klesse

Der Chef von Aida Cruises, Michael Thamm, über neue Kreuzfahrtschiffe, künftige Passagiere und typisch deutsches Verhalten.

WirtschaftsWoche: Herr Thamm, seit 2007 übernimmt Aida jedes Jahr ein neues Kreuzfahrtschiff, mit der gerade in Dienst gestellten AIDAsol befehligen Sie jetzt eine Armada von acht Musikdampfern. Wann sind die Grenzen des Wachstums erreicht?

Thamm: Zwei weitere Neubauten werden im Frühjahr nächsten und übernächsten Jahres abgeliefert. Die Grenzen des Wachstums sind noch längst nicht erreicht, der deutsche Kreuzfahrtmarkt hat noch ein riesiges Potenzial.

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Worauf stützt sich Ihr Optimismus?

Alle deutschen Anbieter gemeinsam hatten 2010 gut 1,2 Millionen Passagiere. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 1,5 Prozent. In den USA liegt der Anteil mit 3,2 Prozent mehr als doppelt so hoch, in Großbritannien bei 2,6 Prozent. Gleichzeitig ist der deutsche Kreuzfahrtmarkt in den vergangenen Jahren jeweils zweistellig gewachsen. 2010 hat die Zahl der Hochseepassagiere um knapp 20 Prozent zugelegt. Wir können die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere bis 2015 ohne Probleme verdoppeln.

Wie soll das funktionieren? Kreuzfahrten sehen viele immer noch als teures Nischenprodukt für ein älteres Publikum.

Kreuzfahrten sind längst ein altersübergreifendes und weitgehend klassenloses Touristikprodukt. Vor allem der Anteil der Familien hat stark zugenommen. Das Durchschnittsalter deutscher Kreuzfahrtpassagiere liegt mittlerweile bei 50 Jahren, der typische Aida-Passagier ist mit Anfang 40 noch jünger. Wir haben mit unseren neuen Schiffen und den Angeboten für Sport, Unterhaltung und Wellness sowie dem Restaurantkonzept zur Verjüngung des Kreuzfahrtpublikums beigetragen. Aida hat den Markt wachgeküsst.

Woher sollen die vielen zusätzlichen Passagiere kommen?

Ein Teil unserer neuen Kunden kommt vor allem im Rahmen eines selbst organisierten Zweiturlaubs zu uns. Der Rest sind Pauschaltouristen, die vom Hotel an Land auf ein Schiff wechseln. Die Erschließung neuer Zielgruppen funktioniert aber nur mit hochmodernen Schiffen, deren Komfort und Unterhaltungsangebot dem eines Hotels an Land in nichts nachsteht.

Außer der AIDAsol stechen bis Juli weltweit sieben weitere neue oder umgebaute Kreuzfahrtschiffe in See, die auch Deutsche umwerben. Stürzen jetzt die Preise?

Nein. Tatsächlich schafft jedes zusätzliche Angebot auch neue Nachfrage. Alle großen Anbieter in Europa haben ihre Schiffe zu über 100 Prozent ausgelastet...

...über 100 Prozent, wie das?

Durch Zustellbetten für Kinder, die in der Kabine der Eltern mitreisen. Die hohe Auslastung brauchen wir auch, um Geld zu verdienen. Jedes neue Schiff kostet rund 300 Millionen Euro. Aber Ihre Rechnung mit acht neuen Schiffen ist nur bedingt richtig. Zwar haben auch internationale Anbieter wie MSC, Costa oder Celebrity Interesse am deutschen Markt. Tatsächlich geht aber lediglich ein Drittel der deutschen Passagiere auf internationale Schiffe, der Rest bevorzugt deutsche. Und da haben wir in diesem Jahr nur zwei Neuzugänge zu verzeichnen: Unser Schiff AIDAsol und Mein Schiff 2 von TUI Cruises. Zudem sind Kreuzfahrtpassagiere sehr markentreu. Weniger als zehn Prozent wechseln den Anbieter.

Es gehen aber immer wieder kleine Anbieter wie Delphin oder Transocean pleite.

Sicher, aber das hat nichts mit Überkapazitäten zu tun. Nicht alle Geschäftsmodelle sind auf Dauer belastbar. Ein Grund dafür sind die hohen Brennstoffkosten: Allein in den vergangenen 24 Monaten sind die Treibstoffpreise um 165 Prozent gestiegen, ein Ende ist nicht absehbar. Wir mit unserer modernen Flotte verbrauchen im Durchschnitt etwa 0,3 Tonnen Treibstoff pro Passagier und Jahr. Weltweit sind es 0,5 Tonnen, Betreiber mit älteren Schiffen liegen deutlich darüber. Diese unterschiedliche Kostenstruktur zwingt dann immer mal wieder einen Anbieter in die Insolvenz.

Im Jahr 2010 war Aida mit 745.000 Passagieren und 883 Millionen Euro Umsatz der sechstgrößte Reiseveranstalter in Deutschland, schätzen Experten. Stimmen die Zahlen?

Wir sind Teil der Carnival Corporation und veröffentlichen keine Zahlen für einzelne Märkte. Unsere Muttergesellschaft in Miami hat 2010 einen weltweiten Umsatz von 14,5 Milliarden Dollar erzielt, rund die Hälfte davon auf dem US-Markt.

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