AIG: 100 Millionen Dollar Boni vorzeitig ausgezahlt

AIG: 100 Millionen Dollar Boni vorzeitig ausgezahlt

von Andreas Henry

Dem verstaatlichten US-Versicherungskonzern steht neuer Ärger ins Haus. Mitarbeiter sollen freiwillig auf Bonuszahlungen verzichten, die ihnen vertraglich zustehen.

Bild vergrößern

Demo gegen Hilfe für US-Versicherer AIG - Plakattext: "Steuerzahler fordern ihr Geld zurück"

Kaum etwas scheint viele Amerikaner mehr zu empören als eine ungerechtfertigte Belohnung. Als im vergangenen März bekannt wurde, dass ausgerechnet Mitarbeiter des Versicherungskonzerns AIG, der wenige Monate zuvor mit mehr als 180 Milliarden Dollar Steuergeldern vor der Pleite gerettet werden musste, Bleibeprämien in Höhe von 168 Millionen Dollar erhalten sollten, überschlugen sich die Proteste.

Es gab nicht nur einen Aufmarsch vor der AIG-Zentrale in New York sondern organisierte Bustouren zu den Häusern einiger Bonusempfänger in Connecticut. Dort mussten Sicherheitskräfte verhindern, dass die Situation eskaliert. Weil es anonyme Morddrohungen gegen AIG-Mitarbeiter gegeben hatte, weigerte sich der damalige AIG-Chef Edward Liddy, die Namen der Bonusempfänger vor einem Kongresskommittee bekannt zu geben.

Anzeige

Die Welle der Empörung schlug so hoch, weil ausgerechnet Mitarbeiter der Abteilung AIG Financial Products (AIGFP) den Löwenanteil der Bleibeprämien erhalten sollten. Denn diese Minisparte hatte durch riskante Geschäfte mit so genannten Credit Default Swaps – im Prinzip Versicherungen gegen die Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern – den einst größten Versicherungskonzern der Welt ganz allein bedrohlich ins Wanken gebracht.

Ohne die staatliche Rettungsaktion  wäre das Unternehmen unweigerlich in die Pleite gerutscht. Das hätte nach Auffassung von Notenbank-Chef Ben Bernanke oder dem Ex-Finanzminister Henry Paulson eine folgenschwere Kettenreaktion an den Finanzmärkten ausgelöst.

195 Millionen Dollar Bleibeprämien

Jetzt gehört der Schrumpfkonzern AIG zu 80 Prozent dem US-Staat, die Angestellten wären demzufolge Staatsbedienstete. Das Prämienthema ist damit allerdings noch nicht vom Tisch.

Im Gegenteil: Im März wäre AIG verpflichtet, weitere 195 Millionen Dollar Bleibeprämien an Angestellte in der Abteilung Financial Products auszuzahlen. Das Unternehmen bemüht sich allerdings darum, diese in den Verträgen stehenden Summen zu reduzieren. So könnten Forderungen des von der US-Regierung benannten „Pay Zar“ Kenneth Feinberg erfüllt werden, der bei den Großkonzernen, die Finanzhilfen vom Staat erhalten haben, auf angemessene Vergütung pocht.

Den AIG-Mitarbeitern wurde deshalb im Januar angeboten, dass sie die Zahlungen früher erhalten sollen, wenn sie einer Reduktion der Summen zustimmen. Darauf hat sich offenbar gut die Hälfte der berechtigten Zahlungsempfänger eingelassen. Denn gestern zahlte AIG rund 100 Millionen Dollar Bleibeprämie vorzeitig aus. Das Unternehmen konnte so laut Feinberg rund 20 Millionen Dollar einsparen.  

Die verbliebenen Mitarbeiter der Abteilung AIGFP, beschäftigen sich seit mehr als einem Jahr praktisch nur noch mit der Abwicklung. Sie konnten den Nominalwert der ausstehenden Verträge seit September 2008 von 1,9 Billionen Dollar auf rund 900 Milliarden Dollar reduzieren. Auch die Zahl der Mitarbeiter bei AIGFP schrumpfte. Sie liegt noch bei rund 230. Vor der Verstaatlichung waren es mehr als 400.

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich einige der AIG-Mitarbeiter dem Druck der Öffentlichkeit gebeugt und freiwillig auf einen Teil der zugesicherten Zahlungen verzichtet. Um auf den von Feinberg im vergangenen März versprochenen Abschlag von 45 Millionen Dollar bei den Bleibeprämien zu kommen, fehlen allerdings bis heute noch rund sechs bis sieben Millionen Dollar. Im Oktober hatte ein Bericht der US-Regierung festgestellt, dass von den versprochenen Rückzahlungen erst 19 Millionen Dollar eingesammelt waren.

Die Regierung hat kaum einen Hebel, um die Bonusempfänger zu einer freiwilligen Reduzierung der Zahlungen zu bewegen. Das sei „verständlicherweise frustrierend“ sagt Feinberg, die Beträge seien „unverschämt aber legal“. Die Vereinbarungen über die Bleibeprämien stammten zum überwiegenden Teil aus dem Jahr 2007 - vor der Rettungsaktion der US-Regierung.

Auch Präsident Barack Obama hatte im vergangenen Sommer eingestehen müssen, dass diese Zahlungen vertraglich zugesichert und deshalb rechtlich nicht angreifbar seien. Damit gibt sich der politische Gegner in Washington allerdings nicht zufrieden. Die Obama-Regierung habe „sich ausmanövrieren lassen“ tönte gestern bereits der republikanische Senator Charles Grassley, und der amerikanische Steuerzahler werde die Rechnung bezahlen müssen.   

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%