Air-Berlin-Chef Hunold: "Welche Probleme?"

Air-Berlin-Chef Hunold: "Welche Probleme?"

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Joachim Hunold, Air-Berlin-Chef

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Air-Berlin-Chef über die Dauerverluste seiner Fluglinie, Kritik an seinem Führungsstil und den Beitritt zur Flugallianz Oneworld, der das Unternehmen aus der Krise führen soll.

WirtschaftsWoche: Herr Hunold, Ryanair-Chef Michael O’Leary hat gesagt, Air Berlin werde binnen zwei Jahren als selbstständiges Unternehmen verschwinden. Hat er da recht?

Joachim Hunold: Herr O’Leary hatte noch nie recht. Und diesmal schon gar nicht. Er hat auch prophezeit, dass uns die Lufthansa kauft, was vom Kartellrecht her gar nicht ginge. Da sehen Sie, wie gut er den deutschen Markt kennt.

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Ihre Zahlen stimmen weniger optimistisch. Air Berlin hat seit 2008 nur Verluste erwirtschaftet. Analysten erwarten, dass Sie frühestens 2013 Geld verdienen.  Zudem stockt der Abbau der Schulden.

Zu den Zahlen für 2010 und den Prognosen darf ich leider nichts sagen, bevor wir Ende März unsere Bilanz für 2010 vorstellen. Aber 2009 haben wir als einzige große Linie das operative Ergebnis verbessert. Und unsere Schulden haben wir unter 500 Millionen Euro gedrückt, obwohl wir unsere österreichische Beteiligung Nikki konsolidiert haben. Operativ haben wir in 2009 Geld verdient.

Genügt Ihnen ein operativer Gewinn?

Natürlich nicht. Aber wir haben in unsere Zukunft investiert. Wir haben erkannt, dass wir uns auf Dauer nur weiterentwickeln können, wenn wir uns einer der großen Flugallianzen anschließen. Um für diese noch interessanter zu werden, haben wir unsere Drehkreuze Berlin und Düsseldorf ausgebaut. Wir haben analysiert, welche Märkte wir noch besetzen können. Das wird sich mit unserem Beitritt zur Oneworld-Allianz um British Airways oder American Airlines bald auszahlen.

Für Fachleute wäre das aber ein kleines Wunder. Normalerweise kosten Allianzbeitritte so viel, dass sie sich erst nach drei Jahren lohnen.

Mag sein, aber nicht bei uns. Die Vorbereitungen für den Beitritt kosten uns einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, der sich sehr schnell amortisieren wird. Wir machen ja bereits die ersten Gemeinschaftsflüge mit American Airlines und Finnair. Bald folgen Iberia und British Airways zur Erschließung weiterer Potenziale.

Wenn es so gut anläuft, warum haben Sie auch 2010 als einzige Fluglinie nichts verdient?

Weil uns Fluglotsenstreiks, der strenge Winter oder die Flugverbote wegen der angeblichen Aschewolke nach dem isländischen Vulkanausbruch im Frühjahr hart getroffen haben. Sonst wäre 2010 ganz anders gelaufen.

Andere Airlines haben trotzdem Geld verdient.

Uns hat das überproportional hart getroffen. Bei einer Liniengesellschaft mit hohem Anteil an Geschäfts- und Langstreckenkunden wird im Schnitt kurzfristiger gebucht. Darum sind deren Kunden nach Ende der Sperrungen schnell wieder zurückgekommen. Bei Urlaubern ist das anders. Die Flugverbote fielen in die Zeit, in der vor allem Familien ihren Urlaub buchen. Da hieß es wochenlang, es könne bis in den Herbst Sperrungen geben. Da haben viele auf Flugreisen verzichtet und einen Urlaub per Bahn oder Auto gebucht. Das haben wir nicht wieder wettgemacht. Ferner haben Wettbewerber auch vom Boom des Frachtgeschäfts profitiert.

Aber Sie haben doch auch viele Geschäftsreisende als Kunden?

Ja, aber im Sommer ist unser Schwerpunkt der Urlaubsverkehr, und der ist im vorigen Jahr bei uns weitgehend weggefallen. Dazu haben wir an unserem Drehkreuz Düsseldorf besonders unter dem starken Schneefall gelitten. Und weil an unserem Schwerpunkt-Standort Nordrhein-Westfalen Fluglotsen fehlen, haben wir noch mal 21 Millionen Euro durch Verspätungen verloren.

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