12. Mai 2006: Sitzung des EADS-Aufsichtsrats. Forgeard kritisiert, er erhalte von Airbus keine klaren Aussagen zum Stand des A380-Programms. Humbert räumt anhaltende Probleme ein, sagt aber auch, es lägen noch nicht genügend Informationen vor. Das Gremium kommt überein, erst dann an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn das Ausmaß der Verspätungen bekannt sei. Board-Mitglied Louis Gallois, im Hauptberuf Chef der französischen Staatsbahn SNCF, gibt seine Vorbehalte zu Protokoll: Der Beschluss beruhe auf Informationen des Airbus-Managements, lässt er protokollieren. 18. Juni 2006: Die öffentliche Demontage Forgeards beginnt. „Natürlich wäre es Mitte März angesichts des hohen Kurses lukrativ gewesen, die Optionen auszuüben“, diktiert EADS-Co-Chef Enders über die umstrittenen Aktienverkäufe Forgeards Redakteuren der Nachrichtenagentur Dow Jones ins Notizbuch: „Ich habe es aber zum damaligen Zeitpunkt für nicht opportun gehalten.“ Später wird die deutsche Seite quer über alle Medien streuen, dass man Forgeard für schwerwiegende strategische Fehler hinsichtlich der A350 und A380 verantwortlich mache. Sie bietet an, auch den deutschen Airbus-Chef Humbert aus dem Amt zu nehmen – wenn nur Forgeard geht. 2. Juli: Forgeard und Humbert müssen zurücktreten. EADS beruft Louis Gallois als neuen Co-Vorstandschef an die Seite von Enders und installiert wieder einen Franzosen an der Airbus-Spitze: Christian Streiff, 51. In einer EADS-Mitteilung heißt es: „Wir müssen das Vertrauen unserer Kunden, unserer Aktionäre und nicht zuletzt unserer Mitarbeiter in das Management (...) wiederherstellen.“ Ewige SpannungenDie Krise: Bis zuletzt widersprach Noël Forgeard der herrschenden Meinung, die Krise beim Flugzeugbauer Airbus offenbare Spannungen zwischen Deutschen und Franzosen: „Dieser Krieg ist vorüber“, sagte er Mitte Juni. Gut zwei Wochen später ist seine Regentschaft bei EADS zu Ende. Die Aktionäre des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns dürfen freilich erst jetzt auf das deutsch-französische Kriegsende hoffen. Zum dritten Mal seit der EADS-Gründung 2000 versuchen Daimler-Chrysler sowie der französische Staat und die Lagardère-Gruppe, dieses hochpolitische und fragile Gebilde in ein Unternehmen zu überführen, das allein wirtschaftlichen Interessen folgt. Die Agenda: Die Krise zeige, dass die EADS „nationale Grenzen überwinden müsse, wenn der Konzern auch in Zukunft florieren soll“, erklärte das neue Vorstandsduo Thomas Enders und Louis Gallois (kleines Foto). Das Unternehmen müsse jetzt wieder auf sein operatives Geschäft ausgerichtet werden. Allein diese Betonung sagt viel darüber aus, womit sich die EADS-Spitze in den vergangenen Monaten vornehmlich beschäftigte. Die Flugzeugbau-Tochter Airbus, die angesichts der Lieferverzögerungen beim Riesen-Airbus A380 Mitauslöser der Krise war, habe „ab sofort höchste Priorität“, hieß es weiter. Das Board of Directors hat bereits beschlossen, Airbus fortan enger an die Konzernmutter zu binden, sobald die Übernahme des von BAE System gehaltenen 20-Prozent-Anteils an Airbus abgeschlossen ist. Von deutscher Seite kommen nach dem Forgeard-Rücktritt sanftere Töne in Richtung Frankreich: Der neue Ko-CEO Gallois sei ein Manager, der „absolut um Integration und Ausgleich bemüht“ sei, sagte ein EADS-Sprecher gestern. „Das ist jemand, wie wir ihn jetzt brauchen können.“ Nach Ansicht vieler Analysten haben die Großaktionäre die Chance einer umfassenden Neuordnung verpasst: die Abschaffung der von Beginn an umstrittenen deutsch-französischen Doppelspitze.
Viel passiert ist nicht. Die nachrichtenarme Zeit haben Institutionen und Verbände genutzt, um auf den desolaten Zustand...





















