Airbus: Düsterer Blick in die Kristallkugel

Airbus: Düsterer Blick in die Kristallkugel

Bild vergrößern

Tom Enders (R), Airbus President and CEO, and Fabrice Breguier, Airbus Chief Operating Officer, attend the Airbus annual news conference at Colomiers near Toulouse January 15, 2009. European planemaker Airbus on Thursday signalled the start of a downward cycle in production as global recession curbs jetliner demand, saying deliveries could fall and orders are set to tumble in 2009. REUTERS/Jean-Philippe Arles (FRANCE)

Airbus steht vor einem schwierigen Jahr. Der Luftfahrtkonzern rechnet im laufenden Jahr mit einem Auftragseinbruch von zwei Drittel und schließt eine Produktionsdrosselung nicht aus.

Airbus-Chef Thomas Enders hatte am Donnerstag eine Kristallkugel auf die Tribüne stellen lassen, um bei der Vorstellung des Geschäftsberichtes in Toulouse die Verunsicherung der Branche zu symbolisieren. Verkaufschef John Leahy legte seine Hand auf die Kugel, rote Blitze zuckten, dann verkündete er: „Wir rechnen 2009 mit 300 bis 400 Bruttobestellungen, vermutlich liegt die Zahl am unteren Ende.“ 2008 hatte der europäische Flugzeugbauer 900 Aufträge ergattert. Airbus rechnet im laufenden Jahr mit einem Auftragseinbruch von zwei Drittel und schließt eine Produktionsdrosselung nicht aus. 2009 könnte „schrecklich werden, und wer weiß, was 2010 kommt“, sagte Enders.

„Es gibt sehr viel Angst am Markt“, sagte Leahy. Die Folge: Airbus wird in diesem Jahr zum ersten Mal seit Platzen der Börsenblase 2002/2003 weniger Aufträge bekommen als Maschinen ausliefern. Zuvor war das Verhältnis zuletzt in den 70er Jahren negativ. Bei einem Bestand von mehr als 3.700 Aufträgen ist das zwar keine akute Bedrohung. Doch ob die Airlines die Bestellungen überhaupt bezahlen oder abnehmen können, steht derzeit in den Sternen, erste Stornierungen sind eingegangen.

Anzeige

Boeing will 4500 Stellen abbauen

„Wir haben einen Wachturm eingerichtet, um die Lage täglich zu beobachten“, sagte Enders. Eine Produktionsdrosselung sei nicht ausgeschlossen. Bei Zeitarbeitern, Zulieferern und bei der Schichtarbeit gebe es noch Einsparpotenzial. „Wir werden eng mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten“, sagte Co-Chef Fabrice Brégier.

Boeing verkündete bereits einen Abbau von 4.500 Jobs. Nach dem Vorbild des US-Konkurrenten will Airbus nun selbst bis zu einer Milliarde Dollar bereitstellen, um seinen Kunden bei der Finanzierung der Flugzeuge zu helfen. Doch wer keine Maschinen braucht, wird auch keine Sonderangebote annehmen: Der Branchenverband International Air Transport Association (IATA) spricht von der schlimmsten Lage seit 50 Jahren.

In seinem ganzen Leben habe er noch nie eine vergleichbare Situation gesehen, warnte Verbandschef Giovanni Bisignani kürzlich. Die IATA rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang der Passagierzahlen von drei Prozent und des Frachtaufkommens von fünf Prozent. Vor allem das als verheißungsvoller Zukunftsmarkt gefeierte China knickt als Abnehmer ein.

Die Luftfahrtbehörde CAAC hat die Fluglinien des Landes wegen Überkapazitäten aufgefordert, ihre Neuanschaffungen zu verschieben oder zu stornieren. Airbus-Verkaufschef Leahy demonstrierte zwar Gelassenheit: „China kann nicht pleitegehen, und eine Stornierung ist teuer“, sagte er. Doch Neuaufträge werden vorerst nicht erwartet.

Magere Auftragslage für Superjumbo A380

Besonders für den Superjumbo A380 könnte die Wirtschaftskrise zum empfindlichen Dämpfer werden. Nach neun Bestellungen im Vorjahr rechnet Leahy in diesem Jahr mit zehn Aufträgen für das Prestigeprojekt, dessen Verzögerungen Airbus schon fünf Milliarden Euro gekostet haben. Statt der 21 geplanten sollen 2009 nur 18 Maschinen ausgeliefert werden, weil die Produktion noch immer nicht vollständig unter Kontrolle ist.

Hinzu kommen die Probleme mit dem Militärtransporter A400M. Ohne die Hilfe der Abnehmerstaaten, von denen Deutschland mit 60 Bestellungen der wichtigste ist, werde man nicht aus der Sackgasse kommen, sagte Enders. Ob Berlin, Brüssel, London, Luxemburg, Madrid und Paris aber bereit sind, sich an den zusätzlichen Milliardenkosten zu beteiligen und Abstriche an der Ausstattung hinzunehmen, ist derzeit völlig offen. Schließlich konnte Enders wegen der anhaltenden technischen Probleme nicht mal zusagen, dass der Transporter in diesem Jahr zu seinem ersten Testflug abheben wird.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%