Airbus: Enders empfiehlt sich für EADS-Chefsessel

KommentarAirbus: Enders empfiehlt sich für EADS-Chefsessel

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Airbus-Chef Enders

von Rüdiger Kiani-Kreß

Airbus beendet 2010 mit einem Auslieferungsrekord und deutlich mehr Bestellungen als erwartet. Das macht den Chef Thomas Enders endgültig zum einzigen Kandidaten für den Chefposten bei der Konzernmutter EADS- wenn jetzt auch die Gewinne wachsen. Ein Kommentar von Rüdiger Kiani-Kreß.

Es klang zunächst wie ein Witz, als Airbus-Verkaufschef John Leahy Ende November antwortete: „Mein Büro schließt an Silvester erst kurz vor Mitternacht“. Schließlich lag der europäische Flugzeugbauer damals mit weniger als 400 verkauften Flugzeugen für das Jahr 2010 deutlich hinter dem Erzrivalen Boeing mit deutlich mehr als 400.

Nun haben es Leahy und sein Vorstandschef Thomas Enders wieder mal geschafft, den US-Erzrivalen Boeing zu überrunden. Im vorigen Jahr haben die beiden nicht nur mit 510 Flugzeugen 48 Maschinen mehr ausgeliefert. Die Europäer haben mit netto 574 Fliegern 44 mehr verkauft als die Amerikaner.

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Das ist zum einen Geschick, weil die Europäer ihre Fertigung besser gesteuert haben und trotz der Krise Auslieferungen klammer Airlines streichen und Lieferungen an solvente Linien vorziehen konnten, so dass sie am Ende nur 70 Abbestellungen hatten, während die Amerikaner 95 Absagen verbuchen mussten. Aber es gehört auch Glück dazu – oder besser das Pech bei Boeing. Die Amerikaner leiden darunter, dass sie ihren Leichtbauflieger 787 nicht in den Griff bekommen und bislang drei Jahre Verspätung haben, statt wie geplant mehr als 50 davon ausliefern zu können.

Und der Vorsprung der Europäer dürfte anhalten, denn sie wollen ihre Fertigungsstraßen in Hamburg, dem französischen Toulouse und dem chinesischen Tjianjin weiter hochfahren auf bis 44 im Monat, dagegen werden aus die Boeingfabriken bei Seattle im Nordwesten der USA im nächsten Jahr auf lediglich 35 Flieger rollen.

Das ist zunächst eine gute Nachricht für die Aktionäre der Airbus-Mutter EADS. Die haben durch die vielen Verspätungen beim Airbus-Flaggschiff A380 und mehr noch des Militärtransporter A400M viel Geld verloren haben.

Finanzen stehen noch auf wackeligen Füßen

Doch es ist auch eine für Enders. Den machen die Zahlen und sein Krisenmanagement in den vergangenen Jahren endgültig zum Topfavoriten, wenn im Juni 2012 EADS-Konzernchef Louis Gallois in Rente geht und sein Posten neu vergeben wird.

Aber bis dahin wird Enders trotzdem nicht langweilig. Er hat den überfälligen Umbau in den vergangenen dreieinhalb Jahren zwar relativ geräuschlos hinbekommen. Das gelang ihm nicht zuletzt, weil er sich auf der französischen Seite viel Respekt erarbeitet hat und die nationalistischen Skeptiker Lügen strafte, die ihn als rein germanischen Interessenvertreter brandmarkten.

Doch jetzt muss er es auch schaffen, dass nach Auslieferungen und Verkäufen endlich auch die Gewinne wieder rekordverdächtig werden. Das wird freilich nicht leicht. Zum einen stehen trotz aller Einigungen die Finanzierung und die Auslieferungen des A400M immer noch auf wackeligen Füßen. Dazu beginnt beim neuen Mittelstreckenflieger A350 die Zeit der Fertigung und damit der Ausgaben. Trotz aller Beschwörungen drohen auch hier Verspätungen und milliardenschwer Mehrausgaben. Und zu guter Letzt sind die Probleme beim A380 gelöst. Doch noch steigen die Auslieferungen - und damit die Umsätze beim Aushängeschild – langsamer als geplant.

Damit würde es eigentlich Sinn machen, wenn Gallois und Enders ihre Posten noch eine Weile behalten, bis Airbus weitgehend über den Berg ist. Aber von so viel Normalität ist der ganze Konzern eben noch weit entfernt.

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