Airbus: Schlechtes Omen für den Superjumbo

KommentarAirbus: Schlechtes Omen für den Superjumbo

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Ein A380 der Fluglinie Quantas hebt von einem Flughafen ab.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der jüngste Großauftrag für Airbus hat einen bitteren Beigeschmack: der wichtigste Kunde für Airbus-Langstreckenflugzeug hat seine Superjumbos A380 abbestellt.

Es war eine weitere freudige Nachricht für die großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing in einem bereits sehr erfreulichen Jahr. Nach fast vier Jahren Pause hat ILFC, die ehemals weltgrößte Leasing-Gesellschaft für Flugzeuge, gestern endlich wieder neue Maschinen geordert. Nun steigt die Hoffnung, dass andere Leasingfirmen folgen.

Das ist gerade für Airbus ein gutes Zeichen, denn ILFC hat 100 Exemplare des neuen Mittelstreckenjets A320neo bestellt. Mit dieser Order hat Airbus nun so viele von der Sparvariante seines Bestsellers verkauft, dass es mit Sicherheit die Entwicklungskosten von gut einer Milliarde Euro wieder in die Kasse bekommt.

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Aber auch für die ganze Branche ist die Bestellung ein gutes Zeichen. Denn nach der Fast-Pleite der ILFC-Mutter, dem Versicherer AIG, und dem Abgang des legendären Gründers und Chefs Steve Udvar-Hazy war viel spekuliert worden, ob sich das Unternehmen noch mal fängt oder allmählich schrumpft. Denn ILFC lebte davon, dass es wegen des guten Rufs von AIG in der Finanzwelt Kredite deutlich günstiger bekam als andere Finanziers. Mit der Fast-Pleite der AIG war der Vorteil dahin. Das hätte für die Hersteller ein Problem werden können. Denn ILFC hatte noch mehr als 100 Orders in den Büchern.

Trendsetter bestellt A380 ab

Leider hat die Order für Airbus einen bitteren Beigeschmack. Denn gleichzeitig hat ILFC seine zehn Superjumbos A380 abbestellt. Das klingt wie eine Fußnote. Tatsächlich aber ist es mehr als schade.

Dafür sorgt weniger, dass für das Storno mit dem neuen ILFC-Chef Henri Courpron ein ehemaliger Airbus-Mitarbeiter verantwortlich ist, der noch vor drei Jahren als USA-Chef des Herstellers den Flieger als die Zukunft des Luftverkehrs pries. ILFC gehört zu den Trendsettern der Branche, die wie etwas die Lufthansa mit ihrem Urteil über Wohl und Wehe eines Modells zumindest mitentscheiden. Das weiß Airbus am besten. Denn als ILFC-Chef hat Udvar-Hazy mit seinen kritischen Äußerungen wesentlich zum Ende der Frachtversion des A380 beigetragen.

Nun bedeutet das aktuelle Storno sicher nicht das Ende der A380. Im Leasing-Markt haben sich große Flugzeuge schon immer schwer getan, weil sie beim Wechsel von einer Fluglinie zur anderen besonders aufwändig umgebaut werden müssen. Dazu darf Airbus in diesem Jahr sicher noch ein paar weitere Bestellungen einplanen.

Aber ein schlechtes Omen für den europäischen Superjumbo ist die Entscheidung von ILFC schon. Sie zeigt, dass der Markt für den Flieger deutlich kleiner ist als Airbus bisher glauben machen wollte. Denn das Misstrauensvotum der Leasingriesen zeigt, dass sie auf absehbare Zeit wenig Interessenten im Massenmarkt sehen oder weiterhin gar kein Leben als Frachtversion.

Das ist für Airbus bitter. Denn die Verkäufe ihres weißen Riesen brauchen die Europäer dringend, wenn das Modell jemals Geld verdienen soll. Jetzt gibt es ein Zeichen mehr, dass der Inbegriff europäischer Ingenieurskunst am Ende als Symbol von Großmannssucht und verfehlter Industriepolitik endet.

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